Retter beklagen Anspruchsdenken der Bürger – Polizei verzeichnet weniger Diebstähle »Taxi 112 ist kein Pizzabringdienst«

Halle (WB/hn). Wenn Rettungssanitäter und Notärzte im RTW gerade um das Leben eines Notfallpatienten kämpfen, müssen sie nicht unbedingt mit dem Verständnis eines zugeparkten Anwohners rechnen. Rücksichtslosigkeit, Beschimpfungen, Pöbeleien und ein wachsendes Dienstleistungsanspruchsdenken einer »Amazon«-Gesellschaft erschweren Helfern in der Not den ohnehin fordernden Arbeitsalltag.

Weihnachtsbesuch bei der Rettungswache in Halle mit Thomas Kuhlbusch (Kreis Gütersloh), Landrat Sven-Georg Adenauer, Jascha Mittendorp, David Heinze, Dieter Wessel, Simone Horenkamp, Michael Rieder, Annette Rodenbrock-Wesselmann, Dirk Speckmann, Eckhard Ramhorst (Leiter der neuen Abteilung Bevölkerungsschutz Kreis Gütersloh) und Ralf Diederichs.
Weihnachtsbesuch bei der Rettungswache in Halle mit Thomas Kuhlbusch (Kreis Gütersloh), Landrat Sven-Georg Adenauer, Jascha Mittendorp, David Heinze, Dieter Wessel, Simone Horenkamp, Michael Rieder, Annette Rodenbrock-Wesselmann, Dirk Speckmann, Eckhard Ramhorst (Leiter der neuen Abteilung Bevölkerungsschutz Kreis Gütersloh) und Ralf Diederichs. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

Immerhin nimmt Landrat Sven-Georg Adenauer bei seiner gestrigen vorweihnachtlichen Dankestour durch den Altkreis erleichtert zur Kenntnis, dass es bislang bei solchen Auseinandersetzungen ohne körperliche Angriffe abging. Die Zahl der Rettungseinsätze sank in Halle um etwa 100 (minus 1,7 Prozent). Im Kreis Gütersloh stieg die Zahl im vergangenen Jahr um 2,7 Prozent auf 22.346.

Bagatellfälle belasten die Rettungskräfte

Den neuerlichen gestiegenen Wert machen die Retter an einer wachsenden Anspruchshaltung der Bevölkerung fest. »Da ruft einer um drei Uhr in der Samstagnacht wegen Stichen in der Herzgegend an. Und plötzlich geht es vor Ort um Rückenprobleme, die vor drei Tagen angefangen haben«, erklärt Wachleiter Michael Rieder eingängig, dass die Retter oft durch Bagatellfälle zusätzlich belastet würden.

»Wir übernehmen die Arbeit der Hausärzte, weil viele keine Hausbesuche mehr machen.« Auch den Aufwand, ins Krankenhaus zu kommen, sparten sich viele, in dem sie die Retter in Anspruch nehmen. »Für manche sind wir nur ›Taxi 112­‹. Wir sind kein Pizzabringdienst«, sagt Rieder.

In Halle gibt es Nachholbedarf

Insgesamt sieht Adenauer die Rettungswachen mit 102 Angestellten im Kreis Gütersloh »sehr gut aufgestellt«. In Halle gebe es aber Nachholbedarf. Ein Gutachten weist für Halle/Steinhagen auch künftig zwei dezentrale Wachen aus. Eine soll im Westen Steinhagens die provisorische Wache in Amshausen ersetzen, die andere im Norden Halles angesiedelt werden, um auch Borgholzhausen schnell zu erreichen.

Respekt zollt der Landrat den Helfern, die sich zum Notfall-Sanitäter weiterqualifizieren. Zusammen mit verbesserten Abfragen durch die Leitstelle würden die Notärzte so etwas weniger beansprucht. Deren Einsätze nahmen um ein Prozent ab.

Zahl der Einbrüche geht um 28 Prozent zurück

Gute Arbeit bescheinigt Adenauer bei seiner Dankestour auch der Polizei im Kreis Gütersloh. Die Zahl der Einbrüche sei um 28 Prozent zurückgegangen. »Hier haben wir Schwerpunkte gebildet«, erklärt Kreispolizeichef Carsten Fehring. Erst zum zweiten Mal seit der Erhebung fiel die Zahl der Straftaten unter die 18.000-Marke. Im Jahr 2004 habe diese bei 22.000 Fällen gelegen. Auch andere Strafdelikte hätten sich im vergangenen Jahr deutlich verringert. Dagegen sei die Zahl der Verkehrsunfälle nach wie vor extrem hoch, auch wenn es weniger Schwerverletzte gegeben habe.

Der nahende Lückenschluss der A33 könne künftig bei beiden Themen Fluch und Segen sein. »Die Autobahn zieht Straftäter an«, bestätigt Fehring die statistischen Daten. Andererseits gehe man mit dem Ausbau der A33 von seiner sinkenden Zahl von Unfällen, etwa auf der B68 oder der B476 aus.

Seit dem Jahr 2000 hat die Polizei im Kreis 57 Stellen eingebüßt

Zu befürchten sei, dass wegen der insgesamt positiven Tendenz die Zahl der Beamten im Kreis abnehmen könnte. »Seit dem Jahr 2000 haben wir 57 Stellen eingebüßt«, rechnet Fehring vor. Immerhin haben sich für die Haller Kollegen die Arbeitsbedingungen verbessert. Die Renovierung der Haller Wache ist abgeschlossen.

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