Lesung mit Iris Grädler im Rahmen der Haller Reihe Litera-Tour Spannendes Psychogramm

Halle (WB/el). Mit großer Genauigkeit malt Iris Grädler die Details ihrer zwischen Roman und Krimi angesiedelten Bücher und trägt sie bei ihrer Lesung im Rahmen der Haller Litera-Tour auch so vor. Die rund 45 Zuhörer in der Stadtbibliothek können davon kaum genug bekommen.

Ein spannendes Psychogramm hat Iris Grädler mit ihrem dritten Buch erschaffen.
Ein spannendes Psychogramm hat Iris Grädler mit ihrem dritten Buch erschaffen. Foto: Eische Loose

Schon vor zwei Jahren hat Iris Grädler eines ihrer Bücher mit einer Lesung vorgestellt. Damals war es das erste. Nun ist die gebürtige Hallerin erneut aus ihrer jetzigen Heimat in Namibia angereist. Im Gepäck hat sie ihr mittlerweile drittes Buch. Es ist der jüngste Teil einer Serie um den Inspektor Collin Brown und spielt daher wieder in Cornwall. Iris Grädler zeichnet diese Landschaft minutiös nach und nutzt sie auch als Spiegel für die Gedanken und Gefühle ihrer Hauptpersonen.

Jeder ist allein

Neben Collin Brown ist dies in »Das Wüten der Stille« vor allem Jory Kellis nebst seiner Frau Heather. Es ist ihre Welt, die die Autorin besonders vorstellt. Eine Welt, in der nichts mehr zueinander passt, jeder allein ist und Freude nur noch als Schemen in den Schatten spürbar ist.

Das Ehepaar hat nämlich seine Tochter verloren. Seit acht Jahren ist sie spurlos verschwunden. »Das ist in Großbritannien wirklich ein immenses Problem«, erzählt Iris Grädler (54) und nennt Fakten: »140.000 Kinder und Jugendliche verschwinden dort jedes Jahr, oft aus eigenen Stücken. Die meisten tauchen daher auch schnell wieder auf, aber nicht alle.«

Jennifer Kellis ist eine von jenen, die nicht nur kurz ausgebüxt sind. Daher ist es auch nicht ihr Verschwinden, das den Kriminalinspektor ins Spiel bringt. Vordringlich sucht er zunächst nach Carla Wellington. Doch haben die Mädchen zu viel gemeinsam, als dass nicht schnell eine Verbindung entsteht: Beide waren im Moment des Verschwindens 16 Jahre alt, sehr begabt und Mitglied eines Schulorchesters.

Nächster Literatour-Termin am 23. Januar

Da leben Erinnerungen neu auf, reißen Wunden und wird Hoffnung geweckt, wo die Situation am aussichtslosesten scheint. Iris Grädler, die schon als Kind ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte und dann unter anderem in der Haller Schreibwerkstatt übte, schaut dabei genau hin. Sachte und mit feiner Detailsicht entwickelt sie ihre Figuren mitsamt Umfeld ganz ohne Eile.

Auch deshalb ist »Das Wüten der Stille« nicht allein Kriminalroman, sondern auch spannendes Psychogramm. Die Zuhörer erbitten sich darum noch vor einigen Fragen an die Autorin und der Signierstunde zunächst eine Zugabe. Der nächste Literatour-Termin wartet schließlich auch erst 2018: Am Dienstag 23. Januar, stellt dann Sabrina Janesch ab 20 Uhr in der Stadtbücherei ihr jüngstes Werk »Goldene Stadt« vor.

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