»Crash-Kurses NRW« warnt Berufskolleg-Schüler besonders drastisch vor Unfallgefahren Das will sich nicht jeder antun

Halle (WB/kg). Einen Moment gedankenlos in das Auto eines alkoholisierten Fahrers gesteigen und schon ist der Wagen gegen einen Baum geflogen. Mit schlimmen Folgen: Drei junge Leute sterben. »Lasst nicht zu, dass eure Eltern euch überleben«, appellierte Silvia Pahlsmeier an gut 400 Schüler des Berufskollegs Halle.

Frontal mit seinem Wagen auf die Gegenspur gefahren und unter einen Trecker geraten ist 2011 ein Fahranfänger aus Werther. Der 18-Jährige starb bei dem Unfall, der sich auf der Neuenkirchener Straße in Häger ereignet hat.
Frontal mit seinem Wagen auf die Gegenspur gefahren und unter einen Trecker geraten ist 2011 ein Fahranfänger aus Werther. Der 18-Jährige starb bei dem Unfall, der sich auf der Neuenkirchener Straße in Häger ereignet hat. Foto: Gabriele Grund

Die 57-Jährige aus Steinhagen ist Mutter eines 17-Jährigen, der 2008 bei einem so genannten Disco-Unfall in Gütersloh tödlich verletzt worden ist. In der Aula schildert sie sachlich, was damals geschehen ist und wie sie Nachricht vom Tod ihres Sohnes Marius erlebt hat. Fassungslos und entsetzt. Sie erzählt von dem Schock, der schrecklichen Trauer und furchtbaren Wut über die Sinnlosigkeit des Geschehens. Ihr Bericht und ihre Warnung sind Teil des drastischen »Crash-Kurses NRW«.

Schonungslos offen und direkt

Die Kampagne der Polizei soll die Zahl von schweren Verkehrsunfällen mit jungen Fahrern nachhaltig verringern. Das Konzept richtet sich speziell an Jugendliche. Es hat schon Veranstaltungen dieser Art in Halle gegeben. Aber die Schilderungen am Dienstag treffen einige empfindsame Schüler wohl besonders stark. »So haben wir das noch nie gehabt«, stellt Jan Bobe fest. Der Haller Wachleiter hat erstmals beobachtet, dass Schüler den Raum verlassen mit der Bemerkung »Das tue ich mir nicht an«. Oder auch wortlos gehen.

»Crash-Kurs NRW«: Peter Rutschkowski, Silvia Pahlsmeier, Alexander Hüske (vorn), Peter Stockhecke, Jan Bobe sowie (rechts) Christian Teichmeier, Ursula Rutschkowski, Dennis Galle (Berufskolleg) und Andreas Kwiotek. Foto: Genuit-Thiessen

Denn das Projekt bietet tatsächlich starken Tobak, bei dem Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Schulen gemeinsame Sache machen. Mit Erfahrungsberichten Betroffener, Unfallfotos und Videos zeigen sie realistisch Folgen auf und machen den Jugendlichen deutlich, dass sie verletzlich sind, schonungslos offen und direkt.

Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen

Christian Teichmeier von der Wache in Halle schildert einen Unfall, der sich 2011 auf der Neuenkirchener Straße in Werther erignet hat. Damals ist ein 18-jähriger Fahranfänger in einer Rechtskurve auf die Gegenspur geraten – frontal unter einen Trecker. Der Fahrgastbereich war nur noch 70 Zentimeter hoch. Auch Jan Bobe erinnert sich an einen furchtbaren Crash. Der Berufsfeuerwehrmann Daniel Helmig aus Gütersloh erzählt, wie er als Rettungsassistent den Unfall miterlebt hat, bei dem Marius, dessen Freundin und der Fahrer des Unfallwagens getötet wurden, kurz nachdem sie an einer Tanke noch Alkohol gekauft hatten. 800 Meter weiter war die Fahrt von fünf nicht angeschnallten jungen Leuten zu Ende.

Uschi und Peter Rutschkowski waren oft schon als Notfallseelsorger unterwegs. Im Berufskolleg lassen sie die Schüler ein Gedankenspiel miterleben: Sie überbringen eine fiktive Todesnachricht an eine Familie. »Ich muss ehrlich sagen: Tote habe ich viele gesehen. Aber die Gesichter der Überlebenden sind unvergesslich«, sagt Peter Rutschkowski. Er spricht vom Chaos, von der Verzweifelung der Eltern und Geschwister. Der »Crash Kurs« zeigt unmissverständlich auf: Hinter jedem Unfall steckt ein Regelverstoß. Die »Killer« werden beim Namen genannt: Geschwindigkeit, Alkohol, Drogen und Nicht-Anschnallen. Andreas Kwiotek von der Abteilung Unfallprävention und Opferschutz der Kreispolizeibehörde und seine Kollegen Alexander Hüske sowie Peter Stockhecke wollen das Bewusstsein ihrer Zuhörer schärfen. Sie appellieren an ihr Verantwortungsgefühl. Wie auch Silvia Pahlsmeier: »Trefft die richtige Entscheidung«.

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