Familie Vogel aus Künsebeck bedankt sich auf ungewöhnliche Weise für Hilfe der Stadt Halle-Logo prangt auf dem Traumbus

Halle (WB). Der belgische Vorbesitzer hat den Setra-Bus einst Johann getauft. Noch besser für den Haller »Neubürger« auf Rädern wäre vielleicht der Name Willem. Denn das Herz der neuen Eigentümer schlägt für Halle. Deshalb haben sie den 260-PS-starken Oldtimer mit dem Logo der Stadt geschmückt.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Einen Traum hat sich der Künsebecker Jörg Vogel erfüllt. Der Berufskraftfahrer, seine Frau Anke und Tochter Patricia freuen sich über einen Setra-Wohnbus Baujahr 1981. Als Dankeschön für die Hilfe der Stadt hat die Familie das Gefährt mit vier unterschiedlich großen Halle-Logos dekoriert.                         
Einen Traum hat sich der Künsebecker Jörg Vogel erfüllt. Der Berufskraftfahrer, seine Frau Anke und Tochter Patricia freuen sich über einen Setra-Wohnbus Baujahr 1981. Als Dankeschön für die Hilfe der Stadt hat die Familie das Gefährt mit vier unterschiedlich großen Halle-Logos dekoriert.                          Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Ein echter Hingucker: Auf der Front, an beiden Seiten und riesengroß auf dem Heck prangt die Haller Silhouette auf dem Einzelstück, das 1981 als Reisebus S 211 H in den Setra-Werken in Ulm gebaut worden ist. Zudem ein begehrtes Sammlerstück. Wildfremde Freunde von Oldie-Modellen auf Rädern grüßen und winken und bitten darum, einen Blick in das Innenleben werfen zu dürfen.

Das freut Anke Vogel und ihren Mann Jörg. Der 45-Jährige hat sich mit dem 1989 umgebauten Setra-Wohnbus, einem zehn Meter langem und zweieinhalb Meter breitem Geschoss nämlich einen Kindheitstraum erfüllt. Bald gehen der Berufskraftfahrer im heimischen Baustoff-Nahverkehr – »kein Kieskutscher, sondern Edelsteintransporter« – und seine Frau mit dem Bus sogar auf große Tour. Beim Urlaub an der Nordseeküste, dem ersten, den sie seit 17 Jahren unternehmen, fahren sie aus freien Stücken Werbung für Halle. Anke Vogel: »Jeder kann wissen, aus welcher Stadt wir kommen. Die ist nämlich schön!«

Lebenskünstlerin aus Überzeugung

Die 47-jährige Hausfrau und Mutter von zwei Kindern (Patricia, 17 Jahre, und Jörn, 15) ist nämlich eine patente Lebenskünstlerin aus Überzeugung. Auch für die Logo-Nummer hat sie gute Gründe. Doch dazu später.

Angefangen hat jedenfalls alles mit der Entdeckung des Setra-Busses im belgischen Ort Turnhout bei Antwerpen. Ein Herz-Schmerz-Drama mit Happyend wie im »Rosamunde-Pilcher-Film«. Denn der Chef eines großen Reiseunternehmens hatte den Setra sechs Jahre als Reisebus laufen lassen. Nach stattlichen 500 000 Kilometern sorgte er dafür, dass das Fahrwerk komplett erneuert wurde, ebenso Getriebe, Motor, Achsteile und Lenkung. Die meisten der 30 Sitze kamen raus, denn das Innenleben wurde komplett entkernt. Dafür ließ der Senior Dusche und WC einbauen und eine ganze Küchenzeile. Im hinteren Bereich gibt es zwei geräumige Schlafkojen. Überhaupt mangelt es dem Gefährt, das 20 Liter Sprit auf 100 Kilometer schluckt und einen 600-Liter-Tank hat, keineswegs an Stauraum für Mikrowelle, Liegestühle und mehr.

Mit diesem Haus auf Rädern mit Solaranlage auf dem Dach ist der Vorbesitzer hin und wieder zum Angeln gefahren. Nach dem Umbau kamen jedenfalls gerade einmal 100 000 Kilometer drauf. Dann stand der gepflegte Bus in der Garage, bis der Besitzer verstarb und Vogels aus Halle kamen.

Nur in gute Hände abzugeben

»Ein Glücksgriff«, strahlt Anke Vogel angesichts von Johanns Top-Zustand. Die Hallerin mit der ungewöhnlichen Haarfarbe, Tochter des Haller Gastwirts »Pummel« Aufderhorst, gelernte Hotelfachfrau und Pferdewirtin und Physiotherapeutin mit Meistertitel klemmte sich hinter die praktischen Fragen des »Härtefalls«. Schon bevor sie am Himmelfahrtstag mit Ehemann Jörg ins 310 belgische Städtchen fuhr, hatte sie TÜV und Straßenverkehrsamt ins Boot geholt. Doch schwieriger war es noch, den Sohn des Vorbesitzers davon zu überzeugen, dass »die Substanz passt« und Vogels die richtigen Leute für den Bus sind. Er wollte Johann nämlich nur in gute Hände abgeben, an Leute, die ihn nicht umbauen würden und womöglich noch den Namen ändern.

»Bei uns hat alles einen Namen. Dann kann man viel besser loben oder schimpfen«, lacht Anke Vogel. Nach drei Stunden war den Belgiern klar, dass die Haller sich ihres alten Schätzchens würdig erweisen würden. Jörg und Anke Vogel bekamen den Zuschlag für den Oldtimer mit dem »für uns unbezahlbaren Wert«.

Mit wackligen Knien vor lauter Glück und Nervosität holten sie den Setra, an dem nur ein Kleinteil ersetzt werden musste, nach Künsebeck. Und dank wohlwollender Helfer klappte alles mit der Zulassung. Anke Vogel: »Die Mercedes-Hauptvertretung für Nutzfahrzeuge in Bielefeld möchte jetzt nur gern ein Foto vom Bus für ihre Galerie haben«.

Glück mit Mitfahrern teilen

Das wird sie bekommen: eines mit dem Original-Bus mit Halle Logo natürlich. Denn damit revanchiert sich Familie Vogel für die Hilfe der Stadt Halle bei einer großen Schularbeit von Patricia. Die 17-Jährige, die nächstes Jahr am Berufskolleg ihr Fachabi ablegt, wollte nämlich die Lindenstadt vorstellen. »Damit kannst du keine drei Seiten füllen«, meinte ihre Lehrerin. Ein Irrtum, wie sie einsehen musste. Denn Bauamtsleiter Jürgen Keil, Olaf Sorge aus der Öffentlichkeitsarbeit im Rathaus und Ausbildungsleiter Steffen Ruprecht »haben sich richtig Zeit für uns einfache Leute« genommen, ebenso der Haller Jurist Stefan Siemens. Das 36-Seiten-starke Ergebnis war der Pädagogin eine glatte Zwei wert. Das Dankeschön fahren Vogels jetzt über die Straßen und wollen ihr Glück gern auch mit Mitfahrern teilen – logo.

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