»Stork-Foundation« aus Halle sichert seit 25 Jahren Lebensraum für den Weißstorch Adebars Kinderstube

Halle (WB). Seit die August Storck KG 1992 ihre Umweltstiftung gegründet hat, klappert der Storch nur ganz leise. Vor 25 Jahren hat das Weltunternehmen aus Halle »The Stork Foundation – Störche für unsere Kinder« gegründet. Seitdem engagiert es sich, um das Überleben des Storchs zu sichern und seinen Lebensraum zu verbessern – in Halle nahezu unbemerkt.

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Auch wenn das Klappern in der Wirtschaft eigentlich zum Handwerk gehört – der Süßwarenhersteller will nicht mit seiner Stiftung werben, sondern für den Naturschutz sensibilisieren und konkrete Maßnahmen umsetzen. »Das schafft Glaubwürdigkeit«, stellt Boris Bödecker klar, dass es der Stiftung um das große Ziel geht: den Weißstorch für künftige Generationen zu bewahren und zu zeigen, dass sich das Engagement lohnt.

Der 44-jährige Storck-Prokurist bildet mit seinem Kollegen Arne Russ den ehrenamtlichen Vorstand der Stiftung. »Das Thema hat heute die gleiche Aktualität wie damals«, sagt Bödecker im Hinblick darauf, dass der Storch eine »Umbrella-Spezies« ist: Unter dem (Regen-)Schirm des großen Vogels sollen vor Ort weitere Arten mitgeschützt werden.

Gut 100 Nester besetzt

Das Engagement in zwei Projekten – in Preten/Sudewiesen in Niedersachsen und im Naturpark Drömling in Sachsen-Anhalt – lässt sich keineswegs nur in Zahlen messen. Und doch: Adebar hat in diesen beiden Gebieten im Jahr 2016 rund 100 zum Teil einst verwaiste Nester wiederbesetzt. Experten haben mehr als 150 Jungstörche gezählt. »Die durchschnittliche langjährige Anzahl von Jungvögeln pro Nestpaar ist leicht gestiegen«, ist der Stiftungsvorstand ganz vorsichtig bei der Einschätzung des Erfolges. 30 Stunden Dauerregen (wie in diesem Jahr) zur falschen Zeit – so etwas könne den Bruterfolg leicht gefährden.

Sechs Störche mit Sendern

Bis Mitte August, zum Ende der Storchensaison 2017, wird die Stiftung sechs Störche mit speziellen Sendern ausgestattet haben. Damit erhält sie wertvolle Informationen darüber, wie der Tisch im Brutgebiet gedeckt ist. Es muss übrigens nicht immer Froschschenkel sein. Auch Insekten, Eidechsen, Mäuse und Fische verschmäht der Schreitvogel mit den roten Beinen nicht. Wie groß ist der Aktionsradius des Storchs und wie verläuft die beschwerliche und gefährliche Reise durch womöglich schlimme Wetterkapriolen und über Kriegsgebiete in sein Winterquartier? Die Infos, die man über die Sender erhält, sollen helfen, die Kinderstube rund um den Horst für »Gevatter Storch« noch schöner zu machen.

Vergangenen Sommer sind schon die ersten beiden besenderten Storck-Störche auf die weite Reise nach Afrika gegangen. Nur einer davon ist zurück gekommen, wie Bödecker berichtet. Die Technik hat Auskunft über das Schicksal des anderen gegeben: Er wurde von den Bewohner eines bitterarmen Dorfes in Tansania vergiftet und gegessen. »Ein Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes für Vogelforschung, der vor Ort war, hat später für Aufklärung gesorgt«, erzählt Boris Bödecker.

Flüsse renaturieren

Kernaufgabe der Stiftung ist es allerdings, dem Storch hierzulande Lebensraum und Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Und das ist schwierig genug, wie beispielsweise die Deich-Frage zeigt. Denn es ist nicht damit getan, die Flüsse, die man in den 70er und 80er Jahren begradigt hat, zu renaturieren und Überschwemmungsflächen zu bieten.

Hochwasserschutz einerseits, Naturschutz andererseits: In den Sudewiesen hat man letzlich an einem Runden Tisch kontroverse Debatten geführt, bei denen ein Vertreter der Storck-Stiftung als betroffene Partei selbst mit am Tisch saß. Es ging darum, Grünflächen kontrolliert zu überfluten, ein noch besseres Hochwassermanagement an der Elbe bei Extrem-Wetterlagen zu betreiben und Schöpfwerke hinterm Deich zu bauen. Boris Bödecker: »Mit Überzeugungsarbeit wurde ein breiter Konsens gefunden, den die meisten Betroffenen positiv aufgenommen haben. Naturschutz gegen die Anwohner funktioniert nicht.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.