Kirche, Landwirte und Bürger rücken wertvollen Boden demonstrativ ins Blickfeld Der »Weltacker« von Künsebeck

Halle (WB). Der Ravenna-Park soll erweitert werden, 44 Hektar Gewerbeflächen in Künsebeck sollen ausgewiesen werden, weitere 48 sind ebenfalls als künftiger Gewerbegrund im Gespräch. Mit dem »Weltacker von Künsebeck« wollen Kirchenkreis Halle, die Landwirte im Kreis und Künsebecker Bürger in diesem Sommer auf ein weltweites Problem aufmerksam machen.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Nur so groß sind 2000 Quadratmeter: Christa und Hermann Künsemöller, Jörg-Olaf Knufinke (IGKB), Joachim Klack sowie die Pfarrer Christian Stephan und Beatrix Eulenstein informieren in Künsebeck über den »Weltacker«.
Nur so groß sind 2000 Quadratmeter: Christa und Hermann Künsemöller, Jörg-Olaf Knufinke (IGKB), Joachim Klack sowie die Pfarrer Christian Stephan und Beatrix Eulenstein informieren in Künsebeck über den »Weltacker«. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Ackerboden ist kostbar und begrenzt. Aber jeder kann mitbestimmen beim Umgang mit dem Land: Wie der Verbraucher einkauft, das schafft dafür die Rahmenbedingungen. »Wir verballern unsere Lebensgrundlagen«, sagt Hermann Künsemöller. Der Künsebecker Landwirt und seine Frau Christa haben mit Pfarrerin Beatrix Eulenstein und Joachim Klack vom Vorstand des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes das Projekt »Weltacker« aufgegriffen.

Heimische Feldfrüchte angepflanzt

Auf einer 2000 Quadratmeter großen Fläche an der Ecke Künsebecker Weg/Leimweg haben Künsemöllers heimische Früchte gepflanzt: Das Backgetreide Roggen wird als Futter, zur Biogas- und Alkoholproduktion verwendet. Dinkel braucht man zum Backen, im Müsli und als Reisersatz. Weizen dient auch als Futter und zur Stärkeproduktion, Gerste zudem als Braugetreide. Leindotter ist eine anspruchslose Ölpflanze. Aus Faserlein kann man Kleidung und industrielle Dämmstoffe machen, ihn als Leinöl, Leinsamen und in Farben nutzen. Dazu kommen die Futter- und Energiepflanze Mais, Kartoffeln und Kürbis.

Die Fläche in Künsebeck macht anschaulich, wieviel Acker jedem Menschen eigentlich zusteht. Ausgewiesen sind zudem weitere 700 Quadratmeter, die pro Person für Importe gebraucht werden. Zudem muss eigentlich hierzulande ein Bodenverlust durch Bebauung und industrielle Nutzung berücksichtigt werden. »In Wirklichkeit haben wir nur 1450 Quadratmeter. Für mich ist das ein Grund darüber nachzudenken, ob wir es uns leisten können, den Boden anderen wegzunehmen«, sagt Hermann Künsemöller. Joachim Klack ergänzt: »Allein in NRW gehen der Landwirtschaft täglich 15 Hektar durch Flächenfraß verloren.«

Vorschläge für Nutzer auf der Kirchenkreis-Homepage

»Ackerboden ist zu wertvoll, um ihn zu verschwenden. Dies Projekt soll dazu beitragen, den Blick auf den Boden zu richten«, sagt Beatrix Eulenstein. Die Pfarrerin mit sozial-diakonischen Aufgaben hofft, dass das Projekt bis zum Erntedankfest wachrüttelt, achtsamer mit dem Schöpfungsgut Boden umzugehen. »Der Pfarrbezirk hat zum geplanten Bodenverbrauch in Künsebeck schon Stellung bezogen«, erinnert Ortspfarrer Christian Stephan. Er appelliert, in puncto Gewerbegebiete »über die Entscheidungen noch einmal nachzudenken«.

In einem Kasten am Feldrand informieren Flyer über den »Weltacker«. Beatrix Eulenstein (Mail: pfarrerin@eulensteine.de ) und Künsemöllers (Mail: muehlenhof-halle@web.de ) erteilen Infos. Vorschläge zur thematischen Umsetzung gibt es auf der Homepage des Kirchenkreises Halle.

2000 Quadratmeter Anbaufläche pro Kopf

Der »Weltacker« ist eine Initiative der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und wird von »Brot für die Welt« finanziell unterstützt. Die Basis des Projektes ist folgende Überlegung: Teilt man die derzeit 1,4 Milliarden Hektar Ackerfläche durch die sieben Milliarden Menschen auf der Erde, so ergibt sich pro Kopf eine Anbaufläche von 2000 Quadratmetern. Darauf muss alles wachsen, was einen Menschen in einem Jahr ernährt und versorgt: Getreide, Obst und Gemüse, Futterpflanzen für die Tiere, die ein Mensch isst, oder deren Produkte wie Eier und Milch sowie Pflanzen wie Baumwolle, aus denen Kleidung hergestellt wird, Ölpflanzen sowie Rohstoffe für Industrie und Energie. 2000 Quadratmeter Ackerboden können einen Menschen versorgen – allerdings nur bei einem verantwortungsvollen Umgang. Trotz hoher Bodenfruchtbarkeit verbraucht jeder Deutsche wegen seines Lebensstils und der Importe aus anderen Ländern (beispielsweise Kaffee, Tee, Obst) 700 Quadratmeter mehr als ihm bei gerechter Aufteilung zustehen würde. www.2000m2.eu

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