Schmucker Hof am Postweg ist seit 100 Jahren fest in Familienhand Großes Sippentreffen bei Schäpers

Halle (WB). Zu Kinderzeiten hat diese Familie sonntags gleich zwei Fußballmannschaften auf die Wiese gestellt. Später war es Ehrensache, dass sich genug Skatspieler einfanden. Opa wollte Karten kloppen. Immer Remmidemmi, und jetzt erst recht: 100 Verwandte, darunter 45 Cousins und Cousinen, haben am Postweg »100 Jahre Hof Schäper« gefeiert.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
100 Jahre Hof Schäper: Unter den gut 100 Familienmitgliedern, die sich jetzt am Postweg getroffen haben, sind schon 45 Cousins und Cousinen.
100 Jahre Hof Schäper: Unter den gut 100 Familienmitgliedern, die sich jetzt am Postweg getroffen haben, sind schon 45 Cousins und Cousinen.

Die Hofstelle am Postweg zwischen Halle und Tatenhausen ist natürlich schon älter. 1550 wird »Asieks Hof« im Urbar der Grafschaft Ravensberg genannt. 1824 soll »Ossieks Hof« neu aufgebaut worden sein, wissen Eva und Franz Schäper (beide 59). Sie waren jetzt die Gastgeber.

Pachtvertrag fürs frühere Colonat Ossiek

Juristisch hieb- und stichfest ist auf alle Fälle ein Märztag im Kriegsjahr 1917. Damals unterzeichneten Oberförster Kellerwessel von der Rentei Tatenhausen und der junge Landwirt Franz Schäper aus Lippborg, ein Ortsteil von Lippetal bei Soest, einen Pachtvertrag über das frühere Colonat Ossiek. Die »Verpachtung in Bausch und Bogen« betraf einen ansehnlichen Besitz, nämlich das Wohn- und Colonatshaus mit Scheune und Ställen, Hofraum und Garten, neun Hektar Ackerland und vier Hektar Wiesen. Der Landwirt, der sich noch zu Hand- und Spanndiensten in den Tatenhausener Forsten verpflichtete, holte daraufhin seine Liebste nach Halle und gründete eine Familie. Der Kontakt zu dem jungen Bauern, einem nachgeborenen Sohn ohne Hoferbe, war über die Gräfin auf Tatenhausen, eine geborene von Galen, zustande gekommen.

Christine brachte elf Kinder auf die Welt, sechs Jungen und fünf Mädchen, die allen einen Beruf erlernten. 1923 wurde der älteste geboren: Heinrich wurde Landwirt. Während die Mädchen Elisabeth, Käte, Paula, Mia, und Anni natürlich Hauswirtschaft lernten, wurde Franz Landmaschinenschlosser, Gerd Klempner, Willi Gärtner, Alfons Automechaniker und Hubert Zimmermann. »Für uns ist Onkel Hubert aus Hörste ›Bob, der Baumeister‹, eine zentrale Figur in der Familie. Denn alle Geschwister haben sich ein Haus gebaut, und er hatte immer die Übersicht. Die Gewerke, die noch fehlten, wurden dazu geheiratet«, sagt Franz Schäper schmunzelnd.

Mit Rückepferden Fuhrunternehmen aufgebaut

Die Sippe wuchs rasch. Kurioserweise heirateten zwei Schwestern zwei Brüder, und drei Schäpers aus Halle und Freckenhorst schlossen die Ehe mit drei Schwesterrn aus Melle.

Hoferbe Heinrich Schäper jedenfalls holte sich seine Frau Ursula aus Verl-Sürenheide. Sie wurden fünffache Eltern: Franz und Heinrich-Otto (in Halle nur Heiner genannt) kamen zur Welt, Christine, Hedwig und Ludger. Schon Großvater Franz hatte mit Rückepferden im Tatenhausener Forst ein kleines Fuhrunternehmen aufgebaut. Damit entstand eine Basis für den Metallbaubetrieb, den die Brüder Franz und Heiner heute betreiben. Die Landwirtschaft auf dem Hof, den Franz Schäper 1993 von Graf Max von Korff-Schmiesing gekauft hat, läuft längst im Nebenerwerb: Die Pferdepension bietet 22 Boxen.

Längst ist die nächste Generation auf dem Hof Schäper aufgewachsen: Franz und Evas Söhne Markus (31) und Stefan (29), der bereits im Betrieb mitarbeitet. Keine Frage, dass auch sie mitgefeiert haben beim Geburtstagsfest. Drei Onkel und Tanten waren noch mit dabei und fast alle der 45 Cousins und Cousinen. »Mit so einer Menge kann so schnell keiner aufwarten. Wir kennen uns alle und kommen gut miteinander aus«, sagt Franz Schäper stolz.

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