Ohne Westumgehung hätte es Zeltstadt schwer getroffen – Wetterwarnung im Internet Windhose bedrohte auch das Stadion

Halle (WB). Der Mini-Tornado am Dienstagabend hat Bäume am Sportpark-Stadion entwurzelt, gewaltige Äste herausgerissen, das Dach einer Lagerhalle bei Holz-Speckmann zertrümmert und durch die Luft gewirbelt. Mit dem Wetter-Phänomen um 20.10 Uhr hat in Halle keiner gerechnet. Doch ein Metereologe hatte tatsächlich im Internet vor einer Tornadobildung gewarnt.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Der Morgen nach dem Sturm: Opfer der Windhose wurde auch eine Linde, die den Wintergarten am Sportpark-Hotel beschattet hat. Stadionleiter Michael Lehmann: »Der Wall Westumgehung hat uns wohl gerettet«.
Der Morgen nach dem Sturm: Opfer der Windhose wurde auch eine Linde, die den Wintergarten am Sportpark-Hotel beschattet hat. Stadionleiter Michael Lehmann: »Der Wall Westumgehung hat uns wohl gerettet«. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Der Wetterdienst von Jörg Kachelmann hatte um 19.30 Uhr acht Kilometer östlich von Hilter ein Gewitter registriert und Rotationen an einer Wolke festgestellt. Ein Tornado könnte unter anderem Melle oder Werther treffen, hieß es auf Kachelmann-Wetter.

Wegen Sogwirkung flogen Dachstücke weg

Bei den Aufräumarbeiten konnten die Haller aufatmen: Menschen sind glücklicherweise nicht verletzt worden, als die Windhose gut vier Minuten über die Parkplätze, das Stadiongelände bis über die B 68 zog .

Seinen Anfang genommen hat der Sturm offensichtlich im Garten eines Feuerwehrmannes am Fasanenweg. Dort soll sich eine Windhose entwickelt und dabei ein Kindertrampolin drei, vier Meter in die Höhe gerissen haben.

Von dort fegte der Sturm über das Plexiglas-Dach einer Lagerhalle und riss über mehr als 50 Meter Länge und 1,50 Meter Breite ein Lichtband auf. »Bei einer offenen Lagerhalle kann die Sogwirkung des Windes so stark werden. Unten steht ja alles kerzengerade und unverrückt«, berichtete Speckmann-Chef Christian Brinkkötter nach einem Gespräch mit einem Versicherungs-Fachmann. Zudem habe der Sturm Pfannen vom Wohnhaus des Betriebsleiters verschwinden lassen und ein zwölf Meter breites Hof-Schiebetor aufgedrückt und krumm gebogen. Christian Brinkkötter: »So etwas habe ich noch nicht gesehen.«

Zersplitterte Einzelteile flogen in Gärten und rund ums Stadion, fanden sich sogar auf dem Hof der Feuerwache. Bei Speckmann kippte der Sturm zudem zwei Gartenhäuser um und riss Fahnen vom Mast.

Mobiles Dach auf dem Stadion blieb unbeschädigt

Gut zwei Wochen vor den Gerry Weber Open sorgte der Mini-Tornado für einigen Schrecken: Auf den Parkplätzen legte die Windhose eine Werbetafel auf die Seite und knickte eine andere in Bodennähe ab. Ein Spülzelt flog 70, 80 Meter vom Event-Center bis zur Westumgehung, wo es am Tag darauf aus der Krone eines Baumes »gepflückt« wurde.

17 Einsatzkräfte der Feuerwehr hatten noch am Abend die Weidenstraße und die Roger-Federer-Allee zum Sportpark-Hotel von halben Bäume befreit. Eine Linde mit einem Stammumfang von etwa 30 Zentimetern ist direkt neben dem Wintergarten des Hotels in den Teich gekippt. »Der Wall Westumgehung hat uns wohl gerettet«, stellte Stadionleiter Michael Lehmann fest, der sich umgehend ein Bild von dem Desaster gemacht hatte. Am nächsten Morgen kontrollierte Christoph Schwarz als Haustechnischer Leiter vom Kran aus das mobile Dach des Stadions. »Das ist unser Herzstück. Nicht auszudenken, wenn da etwas passiert wäre«, sagte Pressesprecher Frank Hofen.

Gefahr von Mini-Tornados nimmt zu

Gefährlich war es zeitweise auch an der Bismarckstraße. Dort riss der Sturm einen Bauzaun vom Mittelberg-Gelände. Im Laibachtal entwurzelte er ebenfalls einen Baum. Weil sich dicke Stämme fast quer legten, traute sich eine Besucherin am Sportpark kaum aus dem Auto.

»Solche Windhosen hat es immer schon gegeben«, berichtete Halles Umweltbeauftragter Stephan Borghoff von »Staubteufeln« auf Ackerland, vor allem bei größeren Temperatur-Gegensätzen. Borghoff beobachtet allerdings, dass die Temperatur-Extreme zunehmen: »Diese schwül-heißen Perioden bei uns scheinen inzwischen länger anzudauern und häufiger zu werden. Damit steigt tendenziell das Risiko von Mini-Tornados«.

Welchen finanziellen Schaden die Windhose angerichtet hat, konnte noch niemand sagen. So hoch wie bei einer Windhose, die den Altkreis Halle am 1. März 1982 getroffen hat, dürfte er wohl kaum ausfallen. Damals musste eine Versicherung allein im Raum Hörste Schadensfälle auf mindestens 15 betroffenen Höfen regulieren – bis zu 200.000 Euro.

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