Über Folie und Drainage blühen wilde Blumen – kaum noch Gas- und Sickerwasser Künsebecker Müllberg wird zugedeckt

Halle-Künsebeck (WB). Deponiegas, Sickerwasser, Gefährdung des Grundwassers – das soll in Künsebeck endgültig der Vergangenheit angehören. Bis Herbst wird die Renaturierung der ehemaligen Mülldeponie abgeschlossen sein. Dann ist der Abfallberg gegen Regenwasser hermetisch abgedichtet und wird schon kommendes Jahr eine blühende Blumenwiese sein.

Von Klaus-Peter Schillig
Vor der Steilwand sind Fachleute gerade dabei, den ehemaligen Müllberg mit Schichten aus Folie, Drainage und Boden abzudecken, im Vordergrund wird noch planiert. In der Senke rechts wird das Regenwasser aufgefangen und ein Feuchtbiotop bilden.
Vor der Steilwand sind Fachleute gerade dabei, den ehemaligen Müllberg mit Schichten aus Folie, Drainage und Boden abzudecken, im Vordergrund wird noch planiert. In der Senke rechts wird das Regenwasser aufgefangen und ein Feuchtbiotop bilden. Foto: Ulrich Fälker

»Wenn kein Regenwasser mehr eindringt, wird der Müllberg ausgetrocknet. Es finden dann keine biologischen Prozesse mehr statt, folglich wird dann auch kein Gas mehr produziert«, erklärt Ralf Engelhardt, Diplom-Ingenieur bei der GEG, Gesellschaft für Entsorgung Kreis Gütersloh.

100.000 Quadratmeter

Das wird natürlich nicht von heute auf morgen passieren. Deshalb ragen aus dem schon fertig rekultivierten Teil der Deponie wie auch aus den gerade im Bau befindlichen Flächen immer noch zahlreiche Rohre heraus – die sogenannten Gasbrunnen. Von hier führen Leitungen zum Blockheizkraftwerk.

Bis Ruhe einkehrt auf dem Müllberg und hier nur noch Insekten schwirren, sind allerdings Bagger, riesige Muldenkipper aus Holland und Mitarbeiter der Essener Fachfirma von Witzke im Einsatz. Die sorgen dafür, dass insgesamt 100.000 Quadratmeter ehemalige Deponiefläche abgedichtet werden.

Dafür sorgen mehrere Schichten verdichteten Bodens als Tragschicht, Bentonit, eine 2,5 Millimeter starke und unverrottbare Kunststoffdichtbahn, eine Drainageschicht mit integrierter Kunststoffgitterschicht, Sand als Schutzschicht und darauf Rekultivierungsboden. Als oberste Schicht wird aber nicht Mutterboden eingesetzt, sondern quasi Abraum aus dem benachbarten Steinbruch Müller, eine Mischung aus Sand und Kalkgestein, das zum Brennen nicht geeignet ist.

Bald artenreiches Insektenleben

»Darauf säen wir eine Wildpflanzenmischung aus, die einen Kalkmagerrasen hervorbringt«, berichtet Ralf Engelhardt. Die Mischung ist so zusammengestellt, dass immer irgendwelche Wildpflanzen blühen. »Die artenreiche Vegetation sorgt auch für ein artenreiches Insektenleben«, sagt der Baufachmann, der hier auch für den Umweltschutz arbeitet. Denn ohne Insekten als Nahrungsquelle würden der Fledermaus-Nachwuchs und Jungvögel glatt verhungern.

Insgesamt einen Meter ist die Bodenschicht stark – nicht genug, um große Bäume wachsen zu lassen. Deshalb ist zweimal pro Jahr eine Schafherde auf dem Müllberg unterwegs, um die Vegetation kurz zu halten und Bäume erst gar nicht sprießen zu lassen. Schnell wachsende Birken beispielsweise müssen regelmäßig von Menschenhand eliminiert werden.

Eine Senke zwischen Müllberg und der Steilwand des früher hier betriebenen Steinbruches soll das abfließende Oberflächenwasser aufnehmen und ein Feuchtbiotop bilden. Und das quasi nebenan an der Steilwand befestigte Stahlseil-Gitter möchte Ralf Engelhardt nach Rücksprache mit der Unteren Landschaftsbehörde am liebsten wieder entfernen, damit sich Tiere ansiedeln können.

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