Homann: Konzern hält an Schließungsplänen fest – NGG droht mit Streiks Gewerkschaft: »Die Hoffnung schwindet«

Dissen/Hannover (WB). Die Chancen auf einen Verbleib des Feinkostherstellers Homann am Stammsitz Dissen (Landkreis Osnabrück) sind weiter gesunken. Ein Spitzentreffen im niedersächsischen Wirtschaftsministerium mit Vertretern des Mutterkonzerns Müller ist am Dienstag erfolglos geblieben.

Von Oliver Horst
Der Homann-Stammsitz in Dissen steht vor dem Aus. Heiner Kamps (rechts), Vorsitzender des Aufsichtsrats des Mutterkonzerns Müller, gab am Dienstag bei einem Spitzentreffen in Hannover kein positives Signal.
Der Homann-Stammsitz in Dissen steht vor dem Aus. Heiner Kamps (rechts), Vorsitzender des Aufsichtsrats des Mutterkonzerns Müller, gab am Dienstag bei einem Spitzentreffen in Hannover kein positives Signal. Foto: Stefan Küppers

Die Müller-Delegation mit Aufsichtsratschef Heiner Kamps sei bei den Plänen zur Schließung von vier Homann-Werken im Jahr 2020 – darunter zwei im Landkreis Osnabrück und eines in Bottrop – geblieben, teilte die niedersächsische Staatskanzlei mit. Die Standorte mit rund 1550 Mitarbeitern sollen in einem bis zu 500 Millionen Euro teuren Neubau aufgehen.

Für die Großinvestition favorisiert die Müller-Gruppe das sächsische Leppersdorf bei Dresden. Eine finale Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Eine Verlagerung nach Polen sei als Alternative genannt worden, teilte die Staatskanzlei nach dem zweistündigen Gespräch mit, an dem auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) teilnahm.

»Wir geben nicht auf«

»Wir haben mit großem Nachdruck auf die Vorzüge des Standortes Dissen hingewiesen. Insbesondere auf die große Zahl vorhandener und motivierter Fachkräfte und auf die Nähe zum Hauptabsatzmarkt in Nordrhein-Westfalen«, sagte Weil. Er appellierte an den Müller-Konzern, die Entscheidung zu überdenken. »Wir geben nicht auf. Wir wollen es dem Unternehmen sehr schwer machen, sich gegen Dissen zu entscheiden.« Es sei vereinbart worden, in Kontakt zu bleiben.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hielt mit seiner Enttäuschung nicht hinterm Berg. Die Entscheidung gegen eine Zukunft in Dissen sei überhaupt nicht begründet worden, beklagte er. »Das Signal, das uns die Unternehmensspitze gesendet hat, ist sehr zurückhaltend bis sehr negativ.« Er habe das Gespräch nicht als offen empfunden, sondern es gebe eine »deutliche Festvorlegung« für Leppersdorf. Lies forderte einen »fairen Wettbewerb der Standorte«. Es gibt Spekulationen über eine Zusage aus Sachsen über 25 Millionen Euro im Falle der Verlagerung.

»Nicht schlauer als vorher«

Müller-Aufsichtsratsvorsitzender Kamps erklärte, die geplante Bündelung der Produktion an einem Standort ab 2020 sei wirtschaftlich zwingend notwendig und diene der Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland. Die bestehenden Werke arbeiteten seit Jahren nicht mehr wirtschaftlich. Es sei auch geprüft worden, ob sie wieder nachhaltig wettbewerbsfähig gemacht werden könnten, erklärte Kamps. Das Angebot an die Beschäftigten zum Wechsel an den neuen Zentralstandort gelte weiterhin.

Homann-Betriebsratschef Andreas Straede stellte fest, dass er »nicht schlauer als vorher« sei. Vor einem weiteren Treffen mit der Konzernspitze am Montag gab er sich aber kämpferisch: »Wir werden darlegen, dass Dissen genauso wettbewerbsfähig produzieren kann wie Leppersdorf.«

»Enttäuschend«

Als »enttäuschend« wertete Uwe Hildebrand, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Osnabrück, das Spitzentreffen. »Die Hoffnung schwindet langsam. Darum werden wir jetzt auch den Druck erhöhen.« Hildebrand kündigte an, Homann zu Tarifverhandlungen aufzufordern.

Die bisherige Vereinbarung war auf Basis des Verbleibs in der Region geschlossen worden. Streiks seien nicht ausgeschlossen. Angesichts der Aussagen des Konzerns sei es »keinem Mitarbeiter mehr zu verdenken, wenn er sich nach Alternativen umschaut«. Mehr als 200 Mitarbeiter hätten bereits ein Arbeitszeugnis angefordert.

Ein Müller-Sprecher betonte: »Fakt ist, dass wir noch drei Jahre in den Werken produzieren müssen und werden, bis der neue Standort steht.«

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