Heimische Ornithologen sichten beim »Bird Race« im Kreis 129 Arten Watvögel warten auf Wetterwechsel

Halle/Kreis Gütersloh (WB). Die alten Eichen und Kastanien am Schloss haben es dem Mittelspecht offensichtlich angetan. Mindestens drei Paare haben heimische Vogelschützer jetzt beim »Bird Race« beobachtet. Der hierzulande relativ seltene Vogel, ein typischer Buntspecht mit schwarz-weißem Gefieder, ist in diesem Frühjahr ein Star beim Wettbewerb der Ornithologen.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Bernhard Walter, Frank Püchel-Wieling, Dr. Oliver Krüger, Dr. Anna-Katharina Müller und Klaus Nottmeyer (von links).
Bernhard Walter, Frank Püchel-Wieling, Dr. Oliver Krüger, Dr. Anna-Katharina Müller und Klaus Nottmeyer (von links). Foto: Genuit

Es zwitschert und zietschert, singt, tiriliert und flötet, gurrt und sägt dort, wo das fachkundige Quintett unterwegs ist: ein vielstimmiges Konzert im Tatenhausener Wald, aber auch an der Alten Lederfabrik in Halle, im Versmolder Bruch, den Rietberger Emsniederungen, den Rieselfeldern Windel – und im Gewerbegebiet Ravenna-Park. Zwischen den Parkplätzen des Gerry-Weber-Outlets springt den Gütersloher Teilnehmern tatsächlich noch ein Rebhuhn über den Weg. Fünf oder sechs Reviere hat der gut getarnte Hühnervogel dort noch vor wenigen Jahren besetzt. Jetzt fürchtet Bernhard Walter um den Bestand der kleinen Population.

Der Mittelspecht brütet in Tatenhausen. Foto: Walter

Der Leiter der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld macht beim »Bird Race« mit seinem Kollegen Frank Püchel-Wieling und Klaus Nottmeyer von der Bio-Station Kreis Herford, Prof. Dr. Oliver Krüger und Dr. Anna-Katharina Müller (beide Universität Bielefeld, Fakultät für Biologie, Verhaltensforschung) zum 18. Mal eine optisch-akustische Bestandsaufnahme der heimischen Vogelwelt, wenn auch nicht zu vergleichen mit einer echten Kartierung. Dennoch gab es ein erstaunliches Ergebnis: Mit 129 Arten, die sie vor Augen und Ohren haben, erzielen die Gütersloher geradezu ein Rekordergebnis.

Das ist nicht nur Sammlerglück an einem guten Tag, der morgens um 4 Uhr beginnt. Zum Teil führt er die hohe Zahl auf die Wetterlage zurück. Bei der »Trockenzeit« ringsherum führen die »Blänken« in den Feuchtwiesen in Hörste und im Versmolder Bruch noch Wasser. Darum sammeln sich dort die Limikolen auf dem Durchzug nach Norden, Watvögel wie die Strandläufer und Zwergstrandläufer, Kampfläufer, Bruchwasserläufer und Flusswasserläufer. »Das Wetter hat uns in die Karten gespielt. Die ganze Palette der Limikolen wartet in den Feuchtgebieten auf Südwind«, sagt Bernhard Walter. Für die gefiederten Gäste seien die heimischen Feuchtwiesenschutzgebiete, in denen auch der Wiesenpieper brütet, enorm wichtig.

Der Verlust von Lebensraum bedroht viele Vogelarten. Darum freut es die Vogelschützer besonders, dass sie auch die Feldlerche tirilieren hören. Wahrscheinlich nur, weil ein Streifen Ackerland in Tatenhausen extensiv bewirtschaftet worden ist – erkennbar an dem, was dem Laie als Gestrüpp auffällt. Auch die Heidelerche ist später noch zu hören.

Den Erlenzeisig, der ebenfalls längst im Norden sein sollte, hat Bernhard Walter erst zum zweiten Mal in 18 Jahren zu Gesicht bekommen. Zudem hat das Quintett Grauschnepper, Schafstelze, Waldschnepfe und Waldlaubsänger vor die Ferngläser bekommen, am Greffener Landweg die Waldohreule und den Waldkauz, in der Patthorst den Kolkraben und den Baumpieper. Und in Halle tauchte auch der Girlitz auf. Die Bestände des einst häufigen »Antennenvogels« sind ziemlich zurückgegangen. Doch auf den hohen, alten Fichten an der Alten Lederfabrik singt er ebenso gern wie früher auf Dächern. Walter: »Wir brauchen auch in den Gärten und Parks in der Stadt abwechslungsreiche Strukturen, wenn wir etwas für die Vogelwelt tun wollen. Das Projekt ›Artenreiche Feldflur‹, bei dem auch Kreis und Landwirtschaft im Boot sind, ist jedenfalls schon mal in der freien Landschaft ein guter Ansatz, mehr zu machen.«

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