Rundwanderung der pro Wirtschaft Gütersloh mit 120 Teilnehmern Über die Himmelsleiter zur Familiengruft

Halle(WB). Die Gruft geplündert und sogar Zinksärge zu Geld gemacht – am Begräbnis der Familie Vogelsang mag am Sonntag so manchem Wanderfreund ein Schauer den Rücken herunter gelaufen sein. Was der Haller Heimathistoriker Wolfgang Kosubek jedenfalls zu erzählen wusste über die in Westfalen einzigartigen Waldgräber, das war für viele ein Höhepunkt einer romantischen Rundwanderung durch den Teutoburger Wald bei Halle.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
120 Teilnehmer aus dem ganzen Kreisgebiet hatten sich zur Rundwanderung der pro Wirtschaft Gütersloh angemeldet. Am Vogelsang-Begräbnis – acht Platten bedecken die Familiengruft – berichtete Wolfgang Kosubek.
120 Teilnehmer aus dem ganzen Kreisgebiet hatten sich zur Rundwanderung der pro Wirtschaft Gütersloh angemeldet. Am Vogelsang-Begräbnis – acht Platten bedecken die Familiengruft – berichtete Wolfgang Kosubek. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Eingeladen hatte die pro Wirtschaft Gütersloh, »um Bürger aus dem Südkreis nach Norden zu locken«, wie Tourismus-Referentin Marion Lauterbach am Bürgerzentrum Remise sagte. Das Konzept sei aufgegangen, freute sie sich über 120 Anmeldungen aus allen Kommunen des Kreises abgesehen von Schloß Holte, darunter viele »Südstaatler«. Sie begrüßte viele Stammgäste, aber auch Neulinge.

Einblicke in Stadtgeschichte bei Waldgräbern

Auch Anne Rodenbrock-Wesselmann marschierte ein Stück mit auf der Strecke, die die Apotheker Straße hinauf, am Storkenberg vorbei über die Himmelsleiter zu den Waldbegräbnissen am Lotteberg führte. Die Bürgermeisterin erwähnte bei ihrem Halle-Rundblick das »Herzstück der Stadt«, die St. Johanniskirche, die ehemaligen Kiskerschen Brennereigebäude, aber auch Stadion und Firma Storck und bedankte sich dafür, dass Stadtführer Wolfgang Kosubek die Wanderer an seinem »großen Wissen« teilhaben ließ. Anschließend ging es unter Führung von Hartmut Lüker vom Teutoburger-Wald-Verein auf die Strecke. Angelika Lüker bildete das »Schlusslicht«, um verspätete Wanderer einzusammeln, die womöglich bei den steilen Anstiegen ein wenig ins Pusten gekommen sind.

Schöner Blick von der »Kaffeemühle«

Die Strecke geizt bekanntlich nicht mit herrlichen Fernsichten vom Gartnischberg und von der »Kaffeemühle« im Stadtwald – obwohl so mancher erst einmal den Nebel bedauerte. Aber 40 Kirchtürme – so viele sollen es tatsächlich gewesen sein – lassen sich ohnehin kaum jemals noch vom Aussichtsturm am Knüll entdecken. Dafür entschädigten die klassizistisch gestalteten Waldgräber. Angelegt haben sie Honoratioren der Stadt, die im 18. Jahrhundert Haus und Grund in der Lindenstadt besaßen. Damals verkaufte Friedrich II. sein »Tafelsilber«, um Kriegsschulden zu bezahlen – das Land der Gemeinde, in dem alle Haller ihr Vieh weiden ließen und ihr Holz schlugen.

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