Kreis hat beliebten Weg abgeschnitten – Bach-Renaturierung am Schloss verschoben Trampelpfad stoppt am Laibach

Halle (WB). Jetzt wirft der Bau der Autobahn Spaziergängern und Läufern im Tatenhausener Wald sogar Steine vor die Füße: Ein beliebter Trampelpfad am Vennteich endet abrupt an einem fragilen Holzgitter. Dahinter bremst ein sogenanntes Drosselbauwerk die Wassermenge, die in das neue Bett des Laibaches fließt. Eine Brücke soll es dort vorerst nicht geben – obwohl Unbekannte kürzlich behelfsmäßig Bretter ausgelegt haben.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Ein Stein mehr und die Brücke wäre perfekt: Das Drosselbauwerk reguliert die Wassermenge, die durchs neue Bett des Laibaches fließt. Jetzt endet dort ein beliebter Trampelpfad, der am Vennteich entlang führt.                                                   
Ein Stein mehr und die Brücke wäre perfekt: Das Drosselbauwerk reguliert die Wassermenge, die durchs neue Bett des Laibaches fließt. Jetzt endet dort ein beliebter Trampelpfad, der am Vennteich entlang führt.                                                    Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Dabei hatte der ein oder andere kürzlich den schmalen Durchlass, der bei Hochwasser Sandausspülungen im renaturierten Bach verhindert, durchaus für doppelt sinnvoll gehalten. Denn dank eines weiteren Quaders war eine Natursteinbrücke entstanden. Die hat der Kreis allerdings zurückgebaut.

»Man kann so ein Drosselbauwerk auch so konstruieren, dass man gut drüber gehen kann«, sagt Kreis-Pressesprecher Jan Focken. Allerdings lade man dadurch zwangsläufig Leute ein, möglicherweise auf Privatgrund zu gehen. Genau dort liege das Problem. Denn der springende Punkt ist die Verkehrssicherungspflicht. Verständlicherweise können und wollen Anlieger die nicht übernehmen. Auch wenn der Patt jahrzehntelang genutzt worden ist. »Der Trampelpfad war nur geduldet«, begründet Wilhelm Gröver, Abteilungsleiter Umwelt beim Kreis Gütersloh, den Rückbau des begehbaren Drosselbauwerks. Gröver: »Es ist schwierig, allen Nutzungen gerecht zu werden.«

Weil der Trampelpfad kein ausgewiesener Wanderweg ist, will der Kreis erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. »Der weitergehende Ausbau der Autobahn wird zum Teil für völlig neue Wege- und Wanderbeziehungen sorgen. Wir wollen die neue Wegesituation in diesem Sommer erst einmal mit Zeit und Ruhe beobachten«, begründet Wilhelm Gröver. Zudem müsse darauf geachtet werden, Ruhezonen für Fauna und Flora am Laibach zu erhalten. Falls eine Lücke im Wanderwegenetz erkennbar sei, solle gegebenenfalls mit dem Grundeigentümer und der Stadt gesprochen werden, um Bereiche zu verbessern.

Vorerst versandet ist das Vorhaben des Kreises, den Laibach am Schloss in Tatenhausen ebenfalls zu renaturieren. Wie diese Zeitung berichtete, sollte der Bach eigentlich in einem zweiten Bauabschnitt an der Gräfte entlang ebenfalls einen neuen Weg nehmen und zwar durch die Wiese vor dem Schloss bis hin zum Durchlass unter der Versmolder Straße. »Der zweite Bauabschnitt ist noch nicht konkret«, räumt Jan Focken jetzt auf Nachfrage ein.

Geplant war dieser Ausbau als eine von etwa 3000 Maßnahmen im Kreis für die Einhaltung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Bis 2027 soll das ganze Bündel theoretisch abgearbeitet sein. Praktisch dürfte daraus nichts werden.

Finanz- und Förderfragen sind noch nicht geklärt. Die Wasserbauer beim Kreis wollen zudem das Konzept für die Renaturierung des Laibaches nochmals überarbeiten. »Der Abschnitt ist wegen des extrem sandigen Bodens sehr schwierig. Die Sandfänge unterhalb des Betriebes Schäper und am Eingang zur Orangerie füllen sich schnell und müssen dann ausgebaggert werden«, weist Annette Pagenkemper von der Abteilung Umwelt darauf hin, dass sich das Gewässer in diesem künstlich hergestellten Auenbereich selbst formt und man immer mit Sandfrachten zu rechnen hat. »Deshalb müssen wir auch mit einem Parallellauf von Bach und Gräfte sehr vorsichtig sein«. Um gezielter vorgehen zu können sollen vor dem weiteren Ausbau des Laibaches weitere Grundlagendaten gesammelt werden.

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