IT-Experte Thomas Floß klärt Erwachsene über Internetgefahren auf Bei Payback zahlt man oft teuer zurück

Halle (WB). Falls bei Ihnen eines Morgens mal ein vom Bundesnachrichtendienst geschicktes, schwer bewaffnetes SEK-Kommando vor der Tür stehen sollte, käme der Kontrollblick auf den Internet-Account ihres eigenen Sohnes wohl zu spät. Nur ein »witziges« Szenario? »Von wegen«, sagt Thomas Floß, IT-Experte und digitaler Sicherheitsberater. In Deutschland alles schon vorgekommen.

Von Burkhard Hoeltzenbein
Thomas Floß warnt vor digitalen Gefahren.
Thomas Floß warnt vor digitalen Gefahren. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

So mancher mehr oder weniger spaßig gemeinte »Post« in den (a)sozialen Medien kann – von der falschen Stelle interpretiert – schnell ungeahnte Folgen haben. Am Vormittag sprach Floß vor begeisterten KGH-Schülern, von denen viele richtig »Kenne« haben. Dass es am Dienstagabend »nur« 70 mehr oder weniger »ahnungslose« Erwachsene sind, die sich von Floß auf Einladung des Schulfördervereins des KGH die analogen Grausamkeiten als Folge des leichtfertigen digitalen Umgangs mit Passwörtern (siehe Kasten), Internet- und E-Mail-Nutzung erklären lassen, verwundert. Und lässt Rückschlüsse auf die Dunkelziffer derer zu, die sich über ihr Surf-, Kauf- und Datenschutzverhalten im Netz so überhaupt keine Gedanken machen.

Android: »Gefährlichstes Betriebssystem der Welt«

Sollten sie aber. Schnell wird an dem Abend klar, dass Eltern eben nicht nur bei digitalen Medien auf ihre Kinder, vorzugsweise im besonders gefährdeten »Pubertier«-Alter aufpassen, sondern erst mal bei sich selbst anfangen sollten. Floß, der als »Internetfahnder« von der Polizei und der Justiz bei schwierigen Fällen gerne als Fachmann bei »www-Delikten« hinzugezogen wird, erzählt zwar locker-flockig von den Fallstricken des Netzes, doch seine Botschaften sind bitterernst.

Das geht beim so gut wie ungeschützten Android-Betriebssystemen (»dem gefährlichsten der Welt«) auf Mobiltelefonen los, setzt sich bei den ach so praktischen und kostenlosen Apps fort und endet beim munteren Datenaustausch zwischen Whats-App und dessen Mutterkonzern Facebook. »Die großen IT-Firmen sitzen alle in den USA. Und dort ist es mit dem Datenschutz nicht weit her«, warnt der Versmolder.

Das gelte auch für Drop-Box-Daten oder E-Mails, die, in Halle abgeschickt, im Normalfall erst einmal über den Großen Teich wandern, bevor sie ihren Empfänger wieder in Europa erreichen.

Kostenlose Apps bezahlen Nutzer mit persönlichen Daten

Mit den kostenlosen Apps oder Paybacksystemen wie »Deutschlandcard« fischten die »Big Brothers« für Unternehmen wertvolle Daten ab. »Diese Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts«, mahnt Floß, der bundesweit etwa 30 000 Schülerinnen und Schüler und zunehmend auch deren Eltern aufklärt. Abnehmer dieser Daten fänden sich überall – seien es Konzerne, die ihre Produktwerbung auf allen Kanälen auf den Online-Nutzer zuschneiden – oder die eigene Krankenkasse: Wer sich via Facebook als Fußballer oute, komme als »Risikofall« möglicherweise seltener in den Genuss einer Kur als ein Schachspieler.

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