Stadt gewinnt enges Rennen um Fördergeld – Anschluss auch am »letzten Kotten« Millionen für Halles Glasfaser-Ausbau

Halle (WB). Es war dem Vernehmen nach ein enger Zieleinlauf, doch Halle hat es geschafft. Die Stadt wird insgesamt 6,7 Millionen Euro Fördergelder von Bund und Land bekommen, um in einem ersten Ausbauschritt ein Glasfasernetz im Außenbereich auszubauen. Pro Haus werden dabei für den Glasfaseranschluss etwa 15 000 Euro aufgewandt. Spätestens 2018 soll der direkte Glasfaseranschluss bei insgesamt 550 Häusern im Haller Außenbereich nutzbar sein.

Von Stefan Küppers
Bislang hat die Telekom in Halle Glasfaser nur bis zu Verteilerkästen verlegt. Von dort geht es mit herkömmlichen Kupferkabeln bis zum Abnehmer. Die Stadt strebt einen weitaus höheren technischen Standard beim Glasfaser-Ausbau an.
Bislang hat die Telekom in Halle Glasfaser nur bis zu Verteilerkästen verlegt. Von dort geht es mit herkömmlichen Kupferkabeln bis zum Abnehmer. Die Stadt strebt einen weitaus höheren technischen Standard beim Glasfaser-Ausbau an. Foto: Stefan Küppers

Gesamtinvestition von mehr als acht Millionen Euro

Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann und der für den Haller Glasfaserausbau federführende Fachbereichsleiter Jochen Strieckmann haben Dienstag, 20. März, einen Termin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Dort steht eine Förderung von genau 3 729 998 Euro in Aussicht. »Ist ein Projekt erst als förderfähig anerkannt, gibt es auch das Geld, das beantragt worden ist«, erläutert Strieckmann. Und das Schöne am Bundeszuschuss ist: Vom Land NRW wird es weitere 2 983 998 Euro Zuschuss für das Haller Glasfaser-Projekt geben, ohne dass das Land noch einmal separat prüfen würde. Der Netto-Eigenanteil der Stadt Halle liegt bei 750 000 Euro, weitere Mittel werden durch die Verpachtung der Glasfaserleitungen an einen noch auszuwählenden privatwirtschaftlichen Pächter gewonnen, so dass am Ende eine Gesamtinvestition von mehr als acht Millionen Euro anfallen dürfte.

Anschlusskosten von 15.000 Euro pro Haus sind durch Fördermittel gedeckt

Bei nur insgesamt 550 Häusern im Haller Außenbereich ergeben sich besagte etwa 15.000 Euro Kosten pro Anschluss. »Kein Wunder bei solchen Kosten, dass privatwirtschaftliche Unternehmen nicht gerne in die Fläche gehen wollen«, sagt Strieckmann. Das ehrgeizige Haller Projekt, auch »den letzten Kotten« mit Glasfaser zu versorgen, funktioniert also nur aufgrund der erheblichen Zuschüsse. Strieckmann ist sogar davon überzeugt, dass es das öffentliche Geld nur in einem begrenzten Zeitfenster geben wird. »In spätestens fünf Jahren wird man feststellen, dass die derzeit noch zum Beispiel von der Telekom genutzte Vectoring-Technik mit herkömmlichen Kupferkabeln nicht mehr ausreichen wird, um die immer weiter anwachsenden Datenmengen noch zu transportieren. Dann werden auch die anderen Glasfaser verlegen, das Halle dann aber schon hat«, sagt er.

Glasfaser schlägt die gebräuchliche Vectoring-Technik um Längen

Für die derzeit im Stadtgebiet aufgerüsteten Leitungen verspricht die Telekom bis zu 200 Mbit Leistung. Die Kabelkanäle von Unitymedia sollen bis zu 400 Mbit leisten. Das Glasfaserkabel hingegen hat laut Strieckmann eine nahezu unbegrenzte Leistungsfähigkeit, die in Gigabyte gemessen wird (ab 1000 Mbit). Gerade für manche Unternehmen sei das besonders wichtig.

Strieckmann ist stolz darauf, dass Halle das Fördergeld bekommen wird. »Außer uns machen es meines Wissens nach nur noch zwei Städte in Bayern so wie wir«, sagt er. Und zuletzt sei er durchaus nervös gewesen, weil das Scoring-Verfahren fürs Fördergeld, das die versorgte Fläche und die Haushalte berücksichtigt, sehr eng ausgegangen sei. Andere Städte hätten das Nachsehen.

Noch 2017 soll Umfrage zum Bedarf nach Glasfaseranschluss starten

Das Fördergeld für den Glasfaser-Ausbau betrifft zunächst nur die »weißen Flecken« im Stadtgebiet, wo bislang kein privatwirtschaftlicher Anbieter Angebote macht. Um später einmal auch in den »grauen« und »schwarzen Flecken« Halles (mit bisher bereits ein bzw. zwei privaten Anbietern) Glasfaser bis ans Haus verlegen zu können, benötigt die Stadt eine wettbewerbsrechtliche Genehmigung der EU (Einzelfallnotifizierung). Um den Bedarf für eine bessere Versorgung nachzuweisen, soll noch 2017 eine Umfrage erfolgen. In dieser haben Aussagen von Unternehmen ein besonderes Gewicht.

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