Anwohner am Sandkamp-Quartier machen sich Sorgen über künftige Entwicklungen »Nicht wieder ein Brennpunkt«

Halle (WB). Viele Nachbarn des Sandkamps haben den Niedergang ihren Quartiers vor Jahren hautnah miterlebt. Der Bereich dürfe nie wieder ein sozialer Brennpunkt werden, haben besorgte Bürger der Bürgermeisterin jetzt ins Stammbuch geschrieben.

Von Stefan Küppers
Das freie Grundstück im Vordergrund am Heidekamp soll mit zwei Mehrfamilienhäusern bebaut werden, in denen zunächst 44 Flüchtlinge unterkommen sollen. Im Hintergrund rechts sind die leer stehenden Sandkamp-Hochhäuser zu sehen, die früher ein sozialer Brennpunkt waren, Dass das Quartier auf Dauer erneut diesen Status gewinnen könnte, ist die Sorge der Bewohner in den Einfamilienhäusern.
Das freie Grundstück im Vordergrund am Heidekamp soll mit zwei Mehrfamilienhäusern bebaut werden, in denen zunächst 44 Flüchtlinge unterkommen sollen. Im Hintergrund rechts sind die leer stehenden Sandkamp-Hochhäuser zu sehen, die früher ein sozialer Brennpunkt waren, Dass das Quartier auf Dauer erneut diesen Status gewinnen könnte, ist die Sorge der Bewohner in den Einfamilienhäusern. Foto: Fälker

Zunächst einmal aber gab es ausdrückliches Lob von den Anwohner des Heidekamps (einer Nachbarstraße des Sandkamps) für den Umstand, dass die Stadt die besorgten Bürger überhaupt noch einmal zu einer Informationsveranstaltung eingeladen hatte, obwohl der Stadtrat den Bau eines Mehrfamilienhauses zur Unterbringung von Flüchtlingen am Heidekamp kürzlich bereits beschlossen hatte.

Knapp 40 Anwohner waren der Einladung der Stadt in die Mensa der Gesamtschule gefolgt, in der es aufgrund eines Heizungsausfalls leider bitterkalt war. Mit dem geplanten Neubau von zwei zweigeschossigen Gebäuden am Heidekamp, die elf Wohnungen für bis zu 44 Flüchtlinge bieten, sind viele Anwohner mittlerweile einigermaßen warm geworden.

Beide Seiten rückten aufeinander zu

Beide Seiten rückten an diesem Abend durchaus aufeinander zu. Die Anwohner betonten, dass sie keine Vorbehalte gegen Flüchtlinge generell hätten, zumal viele ihrerseits einen Migrationshintergrund hätten. Und Anne Rodenbrock-Wesselmann versprach, dass die Stadt bei der Belegung des Objektes Sorgfalt walten lassen werde.

Gleichwohl blieb eine kritische Botschaft sehr deutlich. »Wir haben die Sorge, dass auf Dauer in unserem Quartier ein neues soziales Ghetto entsteht«, brachte es ein Anwohner auf den Punkt. Denn neben den unbewohnten Hochhaus-Ruinen gebe es bereits Mehrfamilienhäuser der KWG mit Sozialwohnungen.

»Dort brauchen wir unbedingt einen Mix«

Und auch an der Straße Sandkamp selbst plane die Stadt mit der KWG ja ein weiteres Mehrfamilienhaus mit Sozialwohnungen. Schließlich sei nach dem Rückbau der leer stehenden Hochhäuser auch auf diesem Gelände eine Bebauung mit Geschosswohnungen geplant. »Dort brauchen wir unbedingt einen Mix«, forderte ein Anwohner. Sonst habe man die Sorge, dass sich im Bereich Sandkamp auf lange Sicht wieder Menschen mit sozialen Problemen konzentrierten.

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Die Politik ist sich bewusst, dass wir ein bestimmtes Klientel nicht nur an einer Stelle in der Stadt haben wollen.

Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann

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»Eine Ghettoisierung wollen wir auch nicht. Die Politik ist sich bewusst, dass wir ein bestimmtes Klientel nicht nur an einer Stelle in der Stadt haben wollen«, sagte die Bürgermeisterin. »Es kann heute niemand sagen, ob das auf dem Sandkamp-Gelände später einmal alles Sozialwohnungen werden. Da haben auch die Grundeigentümer ein Wort mitzureden«, fügte Fachbereichsleiter Jürgen Keil hinzu.

Viel Kriminalität und Drogen erlebt

Die Anwohner baten darum, ihre Sorgen ernst zu nehmen. Als die Hochhäuser noch bewohnt waren, habe man viel Kriminalität und Drogen erlebt. Und noch heute schlichen durch das unübersichtliche Sandkamp-Gelände zwielichtige Gestalten. Die Bürgermeisterin machte sich hierzu viele Notizen.

Ursula Rutschkowski von der Kripo ermunterte dazu, bei verdächtigen Beobachtungen immer die 110 anzurufen. Im übrigen konstatierte sie trotz des Anstiegs auf 450 Flüchtlinge in Halle, dass die Kriminalität im Ort sogar gesunken ist.

Die Flüchtlingsberater Christian Jansen und Karin Elsing machten deutlich, dass sie sich auch als Ansprechpartner für die Bürger verstehen, wenn diese Schwierigkeiten mit Flüchtlingen haben. Jansen berichtete über eine ihn bereichernde Arbeit: »Es wird viel Schlechtes über diese Menschen erzählt, aber meine Erfahrung ist das überhaupt nicht.«

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