Mit einer Spende aus Halle für eine Delfintherapie soll der 13-jährige Borgholzhausener wieder mobil werden Jan Lukas tauscht Rolli gegen Wasser

Halle/Borgholzhauen (WB). »An dieser Stelle ist unser Geld richtig angelegt.« Als Norbert Böhm aus Halle und Christoph Geiermann aus Hessisch Oldendorf Jan Lukas Fliegel und seine Mutter Heike kennen lernen, seufzen sie erleichtert auf. Schließlich wissen sie jetzt ihre Spende wirklich in guten Händen: Mit einer Summe von 1823,55 Euro unterstützen sie eine Delfin-Therapie in der Türkei für den jungen Borgholzhausener.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Vom coolen  BVB-Rollstuhl ins Wasser: Eine Spende zur Finanzierung einer Delfin-Therapie haben Norbert Böhm (rechts) und Christoph Geiermann jetzt an Heike Fliegel und ihren Sohn Jan Lukas (13) aus Borgholzhausen überreicht. 
Vom coolen BVB-Rollstuhl ins Wasser: Eine Spende zur Finanzierung einer Delfin-Therapie haben Norbert Böhm (rechts) und Christoph Geiermann jetzt an Heike Fliegel und ihren Sohn Jan Lukas (13) aus Borgholzhausen überreicht.  Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Das Geld stammt aus dem Fonds eines deutschlandweit agierenden Fußbodenarbeitskreises Technik. Die Fachleute aus verschiedenen Firmen der Bauchemie haben sich über Jahre immer wieder zum Erfahrungsaustausch getroffen. Und dazu hat jedes Unternehmen einen Beitrag geleistet. Doch irgendwann wurde die Termin-Koordinierung unter den Wettbewerbern zu schwierig. Man kam überein, den Arbeitskreis aufzulösen.

Drei seltene Erkrankungen

Norbert Böhm aus Halle war Vorsitzender. Und als der 56-Jährige  im WESTFALEN-BLATT vom Schicksal des dreifach erkrankten jungen Piumers Jan Lukas und der bevorstehenden Delfin-Therapie erfuhr,  stimmten die anderen Techniker seinem Spendenvorschlag gern zu. In Halle übergaben  Norbert Böhm und Kassenwart Christoph Geiermann das Geld jetzt an Familie Fliegel.

Zur Erinnerung: Jan Lukas Grunderkrankung ist die Diastrophische Dysplasie, der Kleinwuchs. Hinzu kommen das Pierre-Robin-Syndrom, das unter anderem mit einer Kiefer-Gaumen-Spalte und einem Herzfehler einher ging, sowie eine Fehlstellung von Händen und Füßen in einer »Hitch-Hiker-Position«. »Das sind drei seltene Erkrankungen, die bisher wohl noch nie zusammen aufgetreten sind«, berichtete Heike Fliegel. Als man Jan Lukas vor Jahren  an der Blutbank in Baltimore medizinisch registriert habe, sei er jedenfalls weltweit wohl das einzige Kind mit diesen drei Erkrankungen gewesen.

Operation folgte auf Operation. Gerade hat Jan Lukas die 13.  hinter sich. Dabei wurde seine untere Wirbelsäule versteift, damit er gerade sitzen kann. Acht Wochen hat der Junge, der ein leidenschaftlicher Dortmund-Fan ist und wie andere in seinem Alter vom Fußball träumt, jetzt im Pflegebett gelegen. Eigentlich hat er jetzt eine Reha nötig. Die finanzieren  die Krankenkassen allerdings ebenso wenig wie eine Delfin-Therapie.

»Lucky Dolphins for Lucky Children«

Doch gerade von solch einer Geschichte bei der Organisation »Lucky Dolphins for Lucky Children« aus Westerkappeln verspricht sich Familie Fliegel viel. Heike Lukas: »Ein Freund von Jan Lukas aus der Rolli-Sportgruppe hat so etwas schon einmal mitgemacht. Weil Delfine so sensibel sind und Laute von sich geben, stärken sie das Selbstbewusstsein der Kinder. Und wir hoffen, dass eine Delfin-Therapie Jan Lukas auch wieder mobiler macht.«

Knapp über 10 000 Euro kostet solch eine Therapie. 14 Tage in der Türkei, in denen auch die regulären, täglichen  medizinischen Therapien, die Jan Lukas helfen sollen, weiterlaufen. Der Türkei-Aufenthalt bietet dem 13-Jährigen eine Chance, von der viel abhängt. Die Fußboden-Fachleute haben mit Familie Fliegel jedenfalls ausgemacht, dass sie sie auf dem Laufenden hält. Norbert Böhm: »Hoffentlich können sie uns bald von gesundheitlichen Fortschritten berichten.«

Kommentare

Delfintherapie ist wissenschaftlich umstritten

Bei allem Respekt und Verständnis für die Eltern und den Wunsch des Kindes, eine Delfintherapie durchzuführen, so bin ich doch immer wieder entsetzt, dass die hochsozialen und sensiblen Tiere für uns Menschen den 'Doktor Delfin' machen müssen!

Die Krankenkassen untersützen diese Therapie völlig zu recht nicht, da Erfolge in keiner Weise wissenschaftlich belegt sind.
Gerade die Anlagen in der Türkei sind in meinen Augen katastrophale Anlagen, die die Delfine auf engsten Raum einpferchen. In der freien Natur schwimmen die Tiere tägl. mehrere Hundert Kilometer und tauchen bis zu 300 Meter tief. Sie jagen in Verbänden und ihr Sozialsystem ist komplex. Sie verständigen sich untereinander und geben untereinander Namen. All das und noch viel mehr wird ihnen in Gefangenschaft verwehrt.

Es gibt so gute Alternativen wie die http://www.aquawelle.de/ , die mit Delfinlauten arbeiten.
Oder die Dog-Water-Therapie (http://www.dog-water-therapie.de/) von Frau Elke Otto, die sogar mit den Krankenkassen abgerechnet werden kann.

In keiner der Alternativen werden Wildtiere eingesetzt, die all ihrer elementaren Grundbedürnisse beraubt werden.

Weitere Information zur Delfintherapie bietet die weltweit anerkannte Delfin- und Meeresschutzorganisation WDC.
DORT wären Spenden zugunsten der Delfine, die tagtäglich mit den von Menschen gemachten Problemen zu kämpfen haben, weitaus besser angebracht!
http://de.whales.org/themen/delfintherapie-dolphin-assisted-therapy-dat

Bitte sehen sie von der Delfintherapie ab. Den Delfinen zuliebe !

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