An heißen Sommertagen verschmähen offenbar viele Haller das Lindenbad Die große Leere auf der Liegewiese

Halle (WB). Wenn der Abrissbagger am Parkdeck nicht so scheppern würde, wäre die Stille himmlisch. Weder Kindergeschrei noch laut plätscherndes Wasser stört die Badegäste. 30 Grad schon am Mittag und höchstens eine Handvoll Leute genießen draußen die Sonne. Das ist der Sommer im Haller Lindenbad.

Von Klaudia Genuit-Thiessen, Stefan Küppers
Ein heißer Sommertag und jede Menge Platz auf den Liegen und erst recht auf der Liegewiese. Wo früher Decke an Decke, Handtuch an Handtuch lag, hat Birgit Johanning, die Leitende Schwimmmeisterin, heute kein Problem mit der Übersicht.
Ein heißer Sommertag und jede Menge Platz auf den Liegen und erst recht auf der Liegewiese. Wo früher Decke an Decke, Handtuch an Handtuch lag, hat Birgit Johanning, die Leitende Schwimmmeisterin, heute kein Problem mit der Übersicht. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Eine Dame im Liegestuhl hat den Strohhut übers Gesicht gezogen. Ums Eck sonnen sich noch zwei Männer und ein langbeiniger Teenie. Die Liegewiese: leer. Der Sandkasten: leer. Das Beach-Volleyballfeld: leer. Kein Vergleich mit früher. Die »Blagen«, die blau gefroren nur deshalb aus dem Wasser kommen, um sich ein Eis oder eine Pommes zu holen, sind wohl anderswo.

Leitende Schwimmmeisterin Birgit Johanning vermisst sie nicht unbedingt. »Das hat früher schon Spaß gemacht, wenn das Haus so richtig voll war. Aber wir haben hier jetzt viele Eltern und Großeltern mit kleineren Kindern. Die wollen sowieso nicht so lange in der Sonne bleiben.«

Im Babybecken ist wenig los

Jürgen Keil ist derselben Ansicht. Halles Vize-Verwaltungschef tummelt sich mit seinem just 15 Monate alten Enkel im Babybecken. »Das ist doch viel entspannter so«, ist seine ganz private Meinung. Und tatsächlich: Klein-Oskar kann an seiner Hand ganz friedlich das Rutschen üben. Wieder und wieder und noch einmal. Hier wartet kein anderer, der auch mal rutschen will. Für die Kinder und Erwachsenen im recht ordentlich besuchten Nichtschwimmerbecken ist das Niedrigwasser verständlicherweise total uninteressant.

Zwei von fünf Doppeltüren stehen offen. Zu wenig für ein Gartenhallenbad. Aber aus diesen ersten Planungen ist ja ohnehin nichts geworden. »Architekten und Projektsteuerung hatten uns damals von einem Gartenhallenbad mit Schiebetüren abgeraten, weil so etwas sehr reparaturanfällig ist«, erinnert Birgit Johanning. Türen geöffnet oder geschlossen: Das Lindenbad-Team richtet sich jetzt gern nach den Wünschen der Besucher. Und wenn es ein bisschen kühler ist, findet halt der ein oder andere schnell, dass es von draußen zieht.

Schönwetter-Periode zu unbeständig

»Es gibt auch nicht mehr so oft schönes Standwetter«, meint die Leitende Schwimmmeisterin mit Blick auf die Sonne. Früher habe es auch zwei, drei Tage gedauert, bis die Haller dem Wetter getraut hätten und baden gegangen seien, bedauert sie fehlende längere Schönwetterperioden.

»Gerade bei diesem Wetter geht man doch gern schwimmen. Was machen denn die Daheimgebliebenen?«, meint Anke Ruprecht. Sie ist Mitglied der Initiative Badesee für Halle und hat die Hoffnung noch nicht völlig aufgegeben, Wasser zu finden, das weder von Anglern besetzt ist, noch an seinen Ufern Anwohner mit Bedenken hat. Anke Ruprecht: »Das gestaltet sich wirklich schwierig. Aber aus den Köpfen ist die Idee noch nicht.«

Die Vize-Vorsitzende des Haller DLRG hat schon überlegt, nächstes Jahr zumindest einen Shuttle-Dienst für die Ferienspiele einzurichten – um den Kindern, die keine Fahrgelegenheit haben, wenigstens etwas zu bieten. »Wir haben ringsherum Freibäder. Dorthin zu kommen ist vielleicht sogar einfacher als zu einem Badesee in Sandforth oder Kölkebeck«, meint Eckhard Hoffmann. Der Abteilungsleiter aus dem Haller Rathaus ist der Ansicht, bei einem kostspieligen Freibad müsse man zumindest »interkommunal denken«.

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