Gütersloh
Mehr Bürokratie für Gütersloher Briten

Gütersloh (gl). Was macht eigentlich ein Gütersloher Brite nach dem Brexit? Ein neues Aufenthaltsdokument ist laut Mitteilung der Stadt Pflicht - egal wie lange man in Deutschland lebt.

Samstag, 10.04.2021, 17:58 Uhr aktualisiert: 10.04.2021, 18:31 Uhr
Zwingend notwendig: Nach dem Informationsgespräch mit Nicole Pollklas, Leiterin der Gütersloher Ausländerbehörde, folgen für Gütersloh-Briten Michael Tucker Unterschrift und Fingerabdruck.

„Ich hab’ nie gedacht, dass ich sowas mal beantragen muss.“ Michael Tucker seufzt. Der Musiker und Inhaber der Gütersloher Musik-Galerie am Dreiecksplatz ist in Gütersloh geboren und aufgewachsen. Der Akzent ist – wenn überhaupt – westfälisch.

Brexit bringt mehr Bürokratie mit sich

Und dennoch: Tucker ist britischer Staatsbürger und das bedeutet seit Jahresbeginn zunächst einmal ein bisschen mehr Bürokratie. Denn der Brexit erfordert ein neues Aufenthaltsdokument. So wie Michael Tucker hat Nicole Pollklas, Leiterin der Ausländerbehörde im Gütersloher Rathaus, in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Menschen beraten und Auskunft gegeben, denen es ähnlich geht. Viele Anrufe, besonders von älteren Menschen, habe es gegeben, auch Unsicherheit und immer wieder mal die Frage: „Muss das wirklich sein?“

250 Briten wurden angeschrieben

Ja, es muss sein, denn mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Ende 2020 sind deshalb rund 250 Briten und Britinnen in Gütersloh von der Verwaltung angeschrieben und gebeten worden, ihren Aufenthalt in Deutschland der Ausländerbehörde spätestens bis Juni dieses Jahres anzuzeigen.

Übergangsdokumente

„Die meisten, die sich hier bisher zurückgemeldet haben, haben längst ein Daueraufenthaltsrecht erworben, weil sie schon lange hier wohnen und arbeiten,“ sagt Nicole Pollklas. So haben Anfang des Jahres bereits 140 Menschen mit britischer Staatsangehörigkeit Übergangsdokumente erhalten, da zu dieser Zeit noch keine elektronischen Aufenthaltstitel – „EATs“ genannt – erstellt werden konnten. Sie wurden als erste eingeladen, die nötigen Vorgaben für den „EAT“ zu erbringen: Fingerabdrücke, Augenfarbe und Größe werden beim persönlichen Termin abgenommen, um das Aufenthaltsdokument im Scheckkartenformat zu bestellen, das dann bis zu zehn Jahre Gültigkeit hat. 

Unterschrift und Fingerabdrücke

Auch Michael Tucker hat im Dezember Post bekommen und schnell reagiert. Beim Termin mit Nicole Pollklas sind alle nötigen Dokumente beisammen, Fingerabdrücke werden gemäß Corona- Hygiene-Vorgaben mit dem nötigen Abstand und Trennscheibe genommen, Unterschriften geleistet – und das war’s dann für den Gütersloher Briten Michael Tucker.

Im Herzen weiterhin Brite

Im täglichen Leben bleibt für ihn alles wie gewohnt – abgesehen von den Einschränkungen durch Corona. Er plant, im nächsten Schritt die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen, und bleibt doch im Herzen Brite: als Fan des FC Liverpool und Teil einer sehr britischen Familie, zu der als Tuckers Großvater der legendäre Chef des Symphonischen Blasorchesters P. B. Smith gehörte.

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