Im Kreis Gütersloh haben Ärzte ihren Ruhestand unterbrochen, um bei den Corona-Impfungen zu helfen
Die zwei von der Impfstelle

Gütersloh -

Zwei pensionierte Ärzte sind seit drei Wochen ohne einen Tag Pause für den medizinischen Ablauf im Impfzentrum des Kreises Gütersloh zuständig. Eine Ende ihres Einsatzes ist nicht in Sicht: Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärte am Montag, man werde die Impfzentren noch sehr lange benötigen.

Dienstag, 02.03.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 06:44 Uhr
Das Impfzentrum des Kreises Gütersloh liegt in Nachbarschaft des früheren britischen Militärflughafens. Foto: Althoff

Schluss mit Ruhestand! 20 Jahre lang war Dr. Michael Hanraths (66) Ärztlicher Direktor, zuletzt im Krankenhaus Halle. Dann kam die Rente. Und Polizeiarzt Dr. Clemens Kloppenburg (67) hatte sich drei Jahrzehnte lang um die Beamten und Angestellten der sieben Polizeibehörden in Ostwestfalen-Lippe gekümmert, bevor er verabschiedet wurde. Doch jetzt sind die beiden Oldies wieder da und wuppen gemeinsam den medizinischen Part im Impfzentrum des Kreises Gütersloh.

Dr. Clemens Kloppenburg (67).

Dr. Clemens Kloppenburg (67). Foto: Christian Althoff

Die Arbeitsbelastung, das räumen beide Ärzte ein, sei nicht ohne. Seit dem 8. Februar stehen sie an vorderer Front – sieben Tage in der Woche, bis heute ohne Unterbrechung. „Das merkt man schon“, sagt Dr. Hanraths. Und doch habe er nicht gezögert, als die Kassenärztliche Vereinigung ihn gefragt habe, ob er die Ärztliche Leitung des Impfzentrums übernehme. „Impfen ist der einzige Weg zurück in ein normales Leben. Dabei zu helfen ist eine segensreiche Aufgabe.“

Dankesbriefe

Auch sein Stellvertreter Dr. Kloppenburg musste nicht lange überlegen. „Ruhestand hin oder her – als Arzt kann man sich in einer Notlage nicht verweigern.“ Für ihre Arbeit würden sie täglich belohnt, sagen die Mediziner. „Die Menschen sind unendlich dankbar, dass sie ihre Impfung endlich bekommen. Das hören wir immer wieder“, sagt Dr. Hanraths. Und sein Kollege erzählt von Dankesschreiben, die Bürger an die Kreisverwaltung schickten: „Die richten sich an das ganze Team hier.“

Dr. Michael Hanraths (66).

Dr. Michael Hanraths (66). Foto: Christian Althoff

Die beiden Ärzte, die sich vorher nicht kannten, betonen, sie hätten es im Impfzentrum gut angetroffen. Der Kreis und sein organisatorischer Leiter Bernhard Riepe hätten ganze Arbeit geleistet. Clemens Kloppenburg: „Die Organisation ist spitze, und Landrat Adenauer hat die richtigen Leute aus seiner Verwaltung abgeordnet. Die hängen sich voll rein, obwohl sie manchmal an der Hotline, die sie auch betreuen, nicht nur freundliche Worte zu hören bekommen.“ Auch die Mitarbeiter vom Deutschem Roten Kreuz und von den Maltesern, die die Menschen durchs Impfzentrum begleiteten, seien immer freundlich und top motiviert, lobt Dr. Hanraths.

Arbeiten in Schichten

Das Impfzentrum ist in dem früheren Supermarkt der britischen Streitkräfte eingerichtet und jeden Tag von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Einer der beiden leitenden Ärzte macht die Frühschicht, der andere die Spätschicht. Mittags überlappen sich ihre Dienste für die Übergabe und Absprachen.

„Einer von uns ist immer spätestens um 7.30 Uhr hier“, sagt Dr. Hanraths. Dann würden sechs Ärzte und sechs Medizinische Fachangestellte für die erste Schicht eingewiesen – jeden Tag neue. „Wer hier helfen möchte, kann sich auf eine Liste der Kassenärztlichen Vereinigung setzen lassen und wird dann von der KV eingeteilt.“ Tausende haben sich in Westfalen-Lippe für den bezahlten Dienst gemeldet, und deshalb sehen die beiden Chefs beim morgendlichen oder mittäglichen Briefing nur selten ein bekanntes Gesicht.

Dünne Nadeln bei Blutungsneigung

Das Impfzentrum hat sechs sogenannte Impfstraßen, die die Patienten durchlaufen. Ärzte übernehmen das Aufklärungsgespräch und die Beratung der Impflinge, Medizinische Fachangestellte das Spritzen. Bei Menschen, die Blutverdünner nehmen – das sind in der älteren Generation viele – benutzen sie besonders dünne Nadeln und pressen den Tupfer ganz fest auf die Einstichstelle.

Dr. Hanraths hat es zu einer seiner Hauptaufgaben gemacht, das Ansetzen des Impfstoffs durch Pharmazeutisch-Technische Angestellte zu koordinieren. „Bei uns wird nichts auf Vorrat hergestellt. Wir unternehmen alles, um am Ende der Schicht möglichst keine Dosis übrig zu haben.“ Deshalb gleicht er immer wieder die Zahl erschienener Menschen mit der der Impfdosen ab. Dass gar keine Dosis übrig bleibe, sei fast nicht zu schaffen, sagt der Internist. „Wir sind super zufrieden, wenn es nur eine oder zwei sind.“ Dann werde ein Berechtigter aus der vorgeschriebenen Priorisierungsgruppe gesucht, und wenn der es nicht zeitig ins Impfzentrum schaffe, kämen andere dran. „Polizisten zum Beispiel.“

Nicht jeder wird geimpft

Die meisten Impflinge hätten schon viel gelesen und deshalb nur wenige Fragen, sagt Dr. Hanraths. „Menschen, die Covid hatten, sind allerdings überrascht, wenn wir sie ungeimpft wieder nach Hause schicken.“ Denn zwischen einer durchgemachten Infektion und einer Impfung sollten mindestens sechs Monate liegen, um den Körper nicht zu überfordern.

Fast 6000 Menschen sind bisher im Gütersloher Impfzentrum versorgt worden. „Und wir haben nicht einen einzigen Allergieschock oder eine andere schwere Nebenwirkung gehabt“, sagt der Ärztliche Leiter. Etwas Unerwartetes hat der 66-Jährige aber trotzdem erlebt: „Wir hatten hier eine alte Dame, die nach der Impfung über starke Schmerzen im Bein klagte. Es stellte sich heraus, dass sie einen Oberschenkelhalsbruch hatte. Sie war morgens im Schnee gestürzt, wollte aber ihren Impftermin auf keinen Fall absagen und hatte sich deshalb mit einem Rollstuhl zu uns bringen lassen.“

Mehr als zwei Millionen Impfdosen angekündigt

Das Gesundheitsministerium NRW erwartet im März deutlich größere Impfstofflieferungen als bisher. ASTRAZENECA: Die ersten avisierten Fläschchen mit Impfstoff werden heute erwartet, die letzten am 1. April – insgesamt 89.520 Stück. Bei zehn Impfdosen pro Phiole sind das 895.200 Dosen. BIONTECH: Im März werden zu Beginn jeder Woche zwischen 33.150 und 36.075 Fläschchen erwartet, insgesamt 176.475 Stück. Da aus jeder dieser Phiolen sechs Dosen gewonnen werden können, entspricht das 1.058.850 Dosen. MODERNA: Von diesem Impfstoff ist gegenwärtig nur wenig verfügbar. In der kommenden Woche werden 9240 Phiolen erwartet, in der Woche darauf 14.160. Bei zehn Portionen pro Fläschchen sind das 234.000 Dosen. Bei allen drei Impfstoffen ist eine Zweitimpfung nötig – bei Biontech erfolgt diese nach drei Wochen, bei Moderna nach vier Wochen und bei Astrazeneca sollte man sich neun bis zwölf Wochen Zeit lassen.

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