Gütersloh
„Luxusanlage“ in der Grundschule

Gütersloh (sib) - Nachdem Thorsten Schröder im November eine eigens entworfene Lüftungsanlage in einem Klassenraum der Grundschule Isselhorst hat installieren lassen, folgt der zweite Streich - eine weitere Probeanlage. Sie arbeitet mit Wärmerückgewinnung und kann die Luftfeuchtigkeit regulieren.

Donnerstag, 07.01.2021, 18:47 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 19:31 Uhr
Letzte Handgriffe: Der Bau der mittlerweile zweiten Lüftungsanlage an der Isselhorster Grundschule wurde am Mittwoch fertiggestellt. Sie soll das Querlüften ermöglichen, ohne dass dafür die Fenster geöffnet werden müssen.

Es ist bitterkalt, regnerisch und ungemütlich, als Thorsten Schröder das Projekt auf dem Schulhof vorstellt. Die Szene passt gut. Immerhin ist Kälte einer der Gründe für die Installation der Anlage.

Pilotprojekt wird am Donnerstag fertiggestellt

Denn in den älteren Schulgebäuden in Gütersloh funktioniert der Luftaustausch über das Öffnen und Schließen der Fenster in den Klassenräumen – in Corona-Zeiten alle 20 Minuten, um den CO2-Wert gering zu halten.

Im Vergleich zur im November installierten Variante handele es sich bei der neuen Version um eine „Luxusanlage“, versichert Schröder, Juniorchef der Henrich Schröder GmbH. Am Donnerstag sei sie fertiggestellt worden.

„Wir können ja nicht einfach 25 Schüler bestellen“

Bis zum ersten Praxistest wird es wohl länger dauern als geplant, weil der Präsenzunterricht noch nicht in der kommenden Woche startet. „Und wir können ja nicht einfach 25 Schüler bestellen, die sich in den Klassenraum setzen, um die Lüftungsanlage zu testen“, scherzt Jan-Gerd Pahlitzsch.

Pahlitzsch kommt von der Schulpflegschaft und ist mit zwei Elternvertreterinnen zur Vorstellung der Anlage gekommen. Langfristig sei das Ziel, jede Gütersloher Schule mit einer Lüftungsanlage auszustatten, versichert er.

Planungsausschuss soll sich mit der Lüftung befassen

Ob es das Modell von Thorsten Schröder wird sowie wann und wie das Ganze installiert werden soll, steht zwar noch in den Sternen. „Aber wir stehen mit der Politik in Kontakt und hoffen, dass das Thema bald im Planungsausschuss auf den Tisch kommt“, sagt Pahlitzsch.

Ende des vergangenen Jahres habe man den Fraktionsvertretern die Ergebnisse der ersten Anlage – Temperaturen und CO2-Werte – vorgestellt. Mit positiver Rückmeldung.

CO2-Wert und Temperatur konstant halten

Das zeigte sich unter anderem bei einer Mitteilung, die die Grünen kurz darauf veröffentlichten und in der sie ausdrücklich darauf hinwiesen, das Vorhaben zu unterstützen (diese Zeitung berichtete).

Ziel der Anlage ist, die Temperatur und den CO2-Wert in der Luft konstant über festgelegten Messwerten zu halten. Die CO2-Konzentration soll laut Thorsten Schröder dauerhaft unter 1000 ppm (Parts per Million), die Temperatur über 20 Grad Celsius liegen.

Warum braucht es überhaupt die aktualisierte Variante?

Hintergrund

Maßgeblicher Katalysator für Entwicklung und Installation der Lüftungsanlage war laut Schulpflegschaft und Thorsten Schröder die Corona-Pandemie. Immerhin war es das Virus, das aus der Empfehlung, zu lüften, eine Pflicht gemacht hat. „Dabei gab es schon zu meinen Schulzeiten das Problem, dass es eine hohe CO2-Konzentration in den Klassenräumen gab“, sagt Thorsten Schröder, dessen Kinder die Bildungseinrichtung in Isselhorst besuchen. „Die Corona-Krise hat nur besonders stark verdeutlicht, dass dieses Problem existiert“, erläutert er.

Dass auch die Stadt das Problem im Blick hat – und beheben will –, hat sie unter anderem damit verdeutlicht, dass sie 2018 den Punkt „Raumlufttechnik“ in ihre Energieleitlinie aufgenommen hat. „In allen normal beheizten Gebäuden mit hohen Luftwechselraten sind Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung einzubauen, die eine Einhaltung der CO2-Grenzwerte der Innenraumluft und eine Nachtentfeuchtung nach Nutzungsende sicherstellen“, heißt es darin. Klimaanlagen sollten nur in Ausnahmefällen – etwa an Versammlungsorte oder in Serverräumen – installiert werden.

 

Bei der im November installierten Anlage seien regelmäßig Messungen durchgeführt worden – mit dem Ergebnis, dass die Werte erreicht werden. Aber warum braucht es dann überhaupt die aktualisierte Variante?

In erster Linie spielt für die Installation der neuen Anlage die Umwelt eine Rolle. Im Gegensatz zum Vorgängermodell nutzt sie das Konzept der Wärmerückgewinnung. Konkret bedeutet das, dass die einströmende Luft mit der ausströmenden Luft erwärmt wird. Die stickige Luft geht, ihre Temperatur bleibt.

Im Sommer wird kühle Außenluft angesaugt

Ohne diese Methode muss die einströmende Luft über einen Gaskessel erhitzt werden – was zusätzliche Energie verbraucht.

Zum anderen kann Thorsten Schröders „Luxusanlage“ die Luftfeuchtigkeit regeln. Und sie nutze einen sogenannten Sommerbypass, erläutert er. Heißt: Die Anlage merkt, wenn es nachts kalt ist, und saugt die kühle Außenluft an.

Eine besonders charmante Funktion

„Das ist in meinen Augen eine besonders charmante Funktion: In manchen Räumen liegen die Temperaturen im Sommer bei weit mehr als 30 Grad“, betont Schulleiterin Claudia Damian.

Das sind zusätzliche Funktionen, die – zumindest im Vergleich mit Pilotprojekt Nummer eins – ein ordentliches Preisschild haben und gleichzeitig mit mehr Aufwand verbunden sind.

Kosten und Aufwand steigen

Während die Anlage im November in gerade einmal einem Tag aufgebaut wurde, braucht es für die neue viermal so lang. Ähnlich exponentiell verhalte es sich mit den Kosten, erläutert Thorsten Schröder. Anlage Nummer eins schlage mit 3500 Euro zu Buche, ihr Nachfolger koste 12 500 Euro.

Immerhin: Seit dem 1. Januar fördere der Bund 20 Prozent der Kosten für die aktualisierte Variante. Ansonsten bezahle das Unternehmen das Ganze aus eigener Tasche. Mit dem Ziel, zu zeigen, was möglich ist.

Fenster müssen praktisch gar nicht mehr geöffnet werden

Und weil das Unternehmen im vergangenen Jahr trotz Corona gut zurechtgekommen sei, habe er ohnehin entschieden, etwas Gutes tun zu wollen. Ein Vorteil der Lüftungsanlage: Die Fenster in den Klassen müssen praktisch gar nicht mehr geöffnet werden.

„Darüber bin ich sehr froh. Wenn alle 20 Minuten gelüftet werden muss, schränkt das den Unterricht doch sehr ein“, sagt Maren Gördes-Rubbenstroth, Vorsitzende der Elternpflegschaft. Denn Grundschüler zögen nicht mal eben die Jacke an und aus, wenn die Fenster auf- und zugingen, und dann sei wieder Ruhe im Klassenraum. Das sei ein Prozess, der immer Unruhe in die Schülerschaft bringe.

Offene Fenster sind kein Garant für Luftaustausch

Außerdem seien offene Fenster nicht immer ein Garant dafür, dass die Innen- und Außenluft tatsächlich ausgetauscht würden. Dem helfe die Anlage auf die Sprünge.

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