Gütersloh
Schiffchen stehen für großes Leid

Gütersloh (rol) - Es ist eine erschütternde Zahl. 1319 Menschen sind im Jahr 2019 auf der Flucht von Afrika nach Europa im Mittelmeer ertrunken. Ebensoviele Papierschiffchen hat die Evangelische Frauenhilfe der Gütersloher Johanneskirche gefaltet, um an unvorstellbares Leid zu erinnern.

Dienstag, 08.12.2020, 19:17 Uhr aktualisiert: 08.12.2020, 20:01 Uhr

Ursprünglich wollten Helga Lindert, Ingeburg Steinke, Rita Piepenstock, Pfarrerin Erika Engelbrecht, Erika Tiggemann und Angelika Nolteculmann die filigranen Kunstwerke zum morgigen Tag der Menschenrechte auf dem Berliner Platz zeigen.

„Man lässt keine Menschen ertrinken“

Angesichts der Corona-Pandemie sind die Schiffchen nun für kurze Zeit im Lukassaal am Pavenstädter Weg zu sehen. „Wir werden sie bald einmotten und im nächsten Jahr am 10. Dezember zum Berliner Platz bringen“, erklärt Erika Engelbrecht. Die Anzahl der Boote wird dann das Leid der Ertrunkenen des Jahres 2020 widerspiegeln.

Beim evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund nahm die Idee zum Bau der Schiffchen erste Züge an. Pfarrerin Sandra Bils – eine Delegierte der Hannoverschen Landeskirche – formulierte dort einen eindringlichen Appell. „Man lässt keine Menschen ertrinken“, sagte sie und forderte mehr Mitmenschlichkeit ein.

Papierschiffe sind Teil eines digitalen Adventskalenders

Beim Treffen der Landeskirche Westfalens folgte der Entschluss, mit 1319 Papierbooten den Blick auf das Sterben an der Nahtstelle zwischen Afrika und dem scheinbar sicheren Europa zu schärfen. Die Evangelische Frauenhilfe des Gotteshauses am Pavenstädter Weg erfüllte den Gedanken mit Leben und begann mit dem Bau der symbolträchtigen Schiffchen.

Sie werden Bestandteil des digitalen Adventskalenders der Evangelischen Kirchengemeinde sein. Pastor Stefan Prill fertigte am gestrigen Dienstag ein sechs bis sieben Minuten langes Video an, das die Gläubigen ebenso wie weitere Online-Beiträge am heimischen Computer über den Verlust des persönlichen Miteinanders hinwegtrösten soll.

Evangelische Kirche unterstützt zwei Rettungsboote

Noch gelingt es der Gütersloher Gemeinde, in den zugehörigen Kirchen die üblichen Gottesdienstangebote am Wochenende aufrechtzuerhalten. „Es kommen aber weniger Menschen, weil sich viele, besonders die Älteren, vor einer Ansteckung fürchten“, informiert Pfarrerin Erika Engelbrecht. Sie vermutet, dass „man die Gemeinden nach der Corona-Pandemie neu aufbauen muss“.

Die aktuelle Situation mindert auch die aus Kollekten stammende Spendensumme, mit der die Evangelische Kirche Deutschlands unterem anderem direkt vor Ort auf dem Mittelmeer Hilfe leisten. „Unsere Kirche unterstützt derzeit zwei Rettungsboote: die Seawatch 4 und die Sea-Eye 4“, sagt Pastor Stefan Prill. Es ist ein bedeutsamer Beitrag der Kirche bei dem Versuch, dem fortwährenden Leid und dem Tod vieler Flüchtender entschlossen entgegenzutreten.

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