Gütersloh
Hagedorn wirbt um Frauen auf dem Bau

Gütersloh (dop) - Die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel. Da macht der Bau keine Ausnahme. Um das zu ändern, geht das heimische Unternehmen Hagedorn, nun neue Wege: Es versucht, mit der Kampagne „Strukturwandler:in & Du?“ speziell Frauen für die Arbeit auf dem Bau zu gewinnen.

Dienstag, 01.12.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 22:31 Uhr

 Mit großen Plakaten und Bannern sowie 140 City-Light-Postern startet der deutschlandweite Abbruch-Marktführer sowie Spezialist für Sanierung und Recycling von Bauschutt, aber auch im Bereich Tiefbau sowie in der Revitalisierung von Konversionsflächen, jetzt in Gütersloh seinen Werbefeldzug. 2021 soll er bundesweit ausgeweitet werden.

 „Wir wollen nicht nur Berge auf unseren Baustellen versetzen“, erklärt Barbara Hagedorn, „sondern auch in den Köpfen.“ Die Geschäftsführerin der Firma, die den Dumper (Vorderkipper) als ihre Lieblingsmaschine angibt, ist überzeugt, dass es keinen Job auf dem Bau gibt, den eine Frau heute nicht bewerkstelligen könnte. „Neue Arbeitsmethoden und der technologische Fortschritt helfen uns dabei. Körperkraft allein ist nicht mehr entscheidend. Was zählt, sind Köpfchen und Fingerspitzengefühl.“ Es gelte, Schluss zu machen mit Klischees, und lieber neue Vorbilder für Frauen zu schaffen, „die Lust auf Bau“ haben, so wie Barbara Hagedorn selbst.

 Nach eigenem Bekunden liebt sie es, „Projekte anzuschieben, unkonventionelle Wege zu gehen, neue Ideen zu entwickeln und aus guten Köpfen starke Teams zu formen. Dabei habe ich mir den Freiraum erarbeitet, Dinge nach meinen Vorstellungen zu gestalten.“ Von potenziellen Bewerberinnen – egal ob als Auszubildende, Facharbeiterin, Maschinistin oder Projektmanagerin erwartet sie Freude am Umgang mit der Technik, Belastbarkeit und Flexibilität. Wobei das Familienunternehmen laut Barbara Hagedorn bemüht ist, individuell auf unterschiedliche Situationen und Bedürfnisse einzugehen: „Eine Kollegin mit kleinen Kindern übernimmt zum Beispiel nur Baustellen in ihrer unmittelbaren Umgebung.“

Köpfchen, Fingerspitzengefühl und Selbstbewusstsein sind gefragt

 Gefordert ist zudem Selbstbewusstsein. „Der Ton auf dem Bau ist schon anders als in einem Büro. Bau ist eben Bau und nicht Mode. Die Sprache ist oft knapp, klar
und direkt. Das ist okay. Nicht okay ist, wenn es persönlich verletzt oder herabsetzt. Das muss in der Truppe auf den Tisch und wird da geklärt.“ Außerdem, so die Geschäftsführerin, lerne man die klaren Ansagen, das ehrliche Miteinander, zu schätzen. Und sie ist sich sicher: Der Einsatz von Frauen werde das Klima auf den Baustellen ohnehin verändern.

Das bestätigt auch Mitarbeiterin Agnes Borchers, das Gesicht der Kampagne. „Es hilft, einen guten Spruch auf Lager zu haben und auch mal kontern zu können. Aber das kommt von allein.“ Borchers kommt aus dem Landschafts- und Gartenbau. Schon als Kind war sie in Maschinen, vor allem in Bagger, vernarrt. Heute, bei Hagedorn, geht sie am liebsten mit dem Radlader von Caterpillar um. „Ich finde, die schiere Kraft und Größe der Maschinen unglaublich. Wahnsinn, was dadurch für Massen bewegt werden können. Gleichzeitig ist die Technik innerhalb der Kabine derart sensibel und feinfühlig, dass man präzise und zentimetergenau arbeiten kannst. Auch Jahre nach einem Projektabschluss finde ich es immer noch großartig, an einer ehemaligen Baustelle vorbeizufahren und sagen zu können: Daran habe ich mitgewirkt.’“

Chancen für Frauen auf dem Bau sind gut

Die Chancen für Frauen auf einen gut bezahlten Job in der Baubranche stehen gut. Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es aktuell nur 15 Prozent Frauen im Bauhauptgewerbe. Im Handwerk (Tief- und Hochbau) sind es sogar noch weniger: Dort gibt es nur ein bis drei Prozent weibliche Fachkräfte. „Der Abbruchmarkt boomt“, wirbt Barbara Hagedorn. In den kommenden zehn Jahren werde aber ein Viertel der Baufacharbeiter altersbedingt ausscheiden. Und viele Schulabgänger ziehe es eher ins Studium als ins Handwerk. Diese Vakanzen gelte es aufzufangen. Bislang sind von den 40 000 Azubis in der Branche nur knapp 7 Prozent weiblich. Auch bei Hagedorn liegt der weibliche Anteil an der Gesamtmitarbeiterzahl von 650 bei knapp 10 Prozent. Von den aktuell 24 Azubis sind vier junge Frauen. 12 Frauen haben leitende Positionen im Unternehmen. „Wir sind weit entfernt von perfekt“, gibt Barbara Hagedorn zu. „Auch bei uns sind Frauen nach wir vor klar in der Unterzahl. Aber genau das wollen wir ändern.

Schritt für Schritt die dazu notwendigen Strukturen schaffen.“ Erstes Ziel für 2021 sei es, mindestens drei weibliche Azubis für Hagedorn außerhalb der Verwaltung einzustellen. Ihre individuelle Begleitung und Förderung unter anderem durch Angebote der hauseigenen Akademie sei selbstverständlich. „Wir reden nicht nur über Werte, wir leben sie“, sagt Barbara Hagedorn.

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