Krankenhäuser im Kreis Gütersloh sieben Mal so stark betroffen wie Häuser im Kreis Höxter
Corona-Patienten ungleich verteilt

Gütersloh -

Etwa 400 Corona-Patienten werden aktuell in Ostwestfalen-Lippe stationär behandelt. 73 lagen am Dienstag auf einer Intensivstation, 26 von ihnen wurden beatmet.

Mittwoch, 11.11.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 11.11.2020, 06:35 Uhr
Im städtischen Klinikum Bielefeld wurden am Dienstag 40 Corona-Patienten behandelt, von denen sechs beatmet werden mussten. Foto: Althoff

 (WB).

Dabei ist die Belastung der Krankenhäuser mit den pflegeintensiven Corona-Patienten sehr unterschiedlich. So waren am Dienstag im Kreis Höxter 3,7 Prozent der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Im Kreis Minden-Lübbecke waren es 3,8 Prozent, im Kreis Lippe 6,5, im Kreis Paderborn 6,9, im Kreis Herford 14,7 und in Bielefeld 16,8 Prozent. Am stärksten belastet war der Kreis Gütersloh, wo in 25,6 Prozent der Intensivbetten Corona-Patienten lagen.

Ihre stationäre Behandlung ist nach Angaben von Ärzten besonders personalintensiv. Dr. Christian Hermanns vom Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA): „Gewöhnlich kümmert sich auf einer Intensivstation eine Pflegekraft um zwei bis drei Patienten. Bei Corona-Kranken brauchen wir dagegen meistens eine Eins-zu-Eins-Betreuung.“

Der BDA und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) gehen deshalb nach eigenen Angaben davon aus, dass schon eine Belegung von 20 Prozent der Intensivbetten eines Krankenhauses zu einer Einschränkung der Behandlung von Nicht-Corona-Patienten führen wird.

Die Krankenhäuser im Kreis Gütersloh hatten in den vergangenen Tagen mehrfach ihre Aufnahmegrenze erreicht. Deshalb hatte der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes ein Konzept zur Verlegung von Kranken erarbeitet, das jedoch von der Bezirksregierung in Detmold abgelehnt wurde. Kreis-Sprecher Jan Focken: „Wir arbeiten im Moment an einem neuen Plan.“ Landrat Sven-Georg Adenauer und Regierungspräsidentin Judith Pirscher seien im Gespräch.

Der Berufsverband Deutscher Anästhesisten geht davon aus, dass es demnächst in Deutschland an vielen Stellen zu punktuellen Überlastungen von Krankenhäusern ähnlich wie im Kreis Gütersloh kommen wird, und man versucht, gegenzusteuern. Dr. Hermanns: „Wir schaffen es mit Hilfe der Video-Visite in vielen Fällen, die Verlegung von Corona-Patienten aus kleinen Krankenhäuser in große Kliniken zu vermeiden. Dabei schauen sich Ärzte aus Unikliniken den Patienten aus der Ferne an und beraten das weitere Vorgehen mit den Ärzten vor Ort.“ Das sei sehr erfolgreich, aber nur ein Baustein in Sachen Patientenverteilung. „Wir befürchten so große Corona-Schwerpunkte, dass alle Krankenhäuser einer Region überlastet sind und Patienten über weite Strecken verlegt werden müssen.“ Nach Angaben des BDA haben Bund und Länder für diesen Fall Vorbereitungen getroffen. Diese Pläne beinhalteten auch Verlegungen mit Rettungszügen der Bahn und Bundeswehrflugzeugen. Dr. Hermanns: „So ein Szenario hat es in Deutschland noch nicht gegeben. Wenn das funktionieren soll, sollten schon jetzt alle Fragen, die sich damit im Ernstfall ergeben, beantwortet werden.“

So kann sich der Verband einen Systemwechsel vorstellen: Stabile, intubierte und beatmete Patienten, die nicht mehr infektiös sind, könnten in freie Krankenhäuser verlegt werden, damit akut schwer erkrankte Corona-Patienten diese Reise nicht machen müssen, wie es aktuell noch der Fall sei.

Dr. Georg Rüter, der Geschäftsführer der Katholischen Hospitalvereinigung Ostwestfalen, mahnt unterdessen mehr Gelassenheit an. „Ich sehe das System nicht vor dem Kollaps. Deutschland hat die beste Technik, das beste Personal und die geringsten Infektionszahlen in Europa.“ Im Fall Tönnies habe das kleine St-Vinzenz-Hosital in Rheda-Wiedenbrück im Sommer 25 lebensgefährlich Erkrankte gleichzeitig behandelt und alle gesund entlassen. Dr. Rüter: „Es geht mehr, als mancher denkt.“

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