Gütersloh
Altenheime bereit für Schnelltests

Gütersloh (eff) - Die rund 170 000 Bewohner der Alten- und Pflegeheime in Nordrhein-Westfalen sollen nach dem Willen der Landesregierung als erste mit den jetzt verfügbaren Corona-Schnelltests versorgt werden. Wie sieht es in den Gütersloher Häusern aus? Einige sind bereit, andere rüsten sich noch.

Dienstag, 10.11.2020, 17:36 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 18:01 Uhr

Alle jedoch warten auf das grüne Licht des Gesundheitsamts, ergab eine Stichprobe dieser Zeitung. „Nächste oder übernächste Woche geht es los“, sagt Siegfried Wolff, der Leiter des Katharina-Luther-Hauses an der Feuerbornstraße. „Aber das vor zehn Tagen entwickelte und jetzt nachgebesserte Konzept muss von der Heimaufsicht und vom Gesundheitsamt genehmigt sein.“ Am Freitag seien 9 der 125 Pflegekräfte von einem Gütersloher Internisten im Testverfahren geschult worden, so Wolff. Am Mittwoch würden 1000 Schnelltests aus der Bielefelder Zentrale geliefert. Das Katharina-Luther-Haus arbeitet unter dem Dach des Evangelischen Johanneswerks. Der Träger stelle einen ambulanten Dienst, der alle 14 Tage die Tests in den Heimen durchführe, erläutert Siegfried Wolff und ist froh über die Unterstützung. „Sonst müssten wir noch Pflegehelfer einstellen.“

 Die Durchführung der Schnelltests ist mit einem erheblichen organisatorischen Aufwand verbunden. Ein Testraum müsse ebenso eingerichtet werden wie ein Wartezimmer, sagt der Heimleiter. Angehörige und Betreuer seien bereits angeschrieben worden. „Denn ohne Einverständnis dürfen wir gar nicht testen, da es sonst als Körperverletzung gewertet wird.“ Und weil es bei einigen Bewohnern daure, bis sie in Begleitung überhaupt zum Testraum gelangten, nehme die gesamte Testprozedur für die 103 betreuten Senioren etwa eine Woche in Anspruch. 

Während sich die Mitarbeiter gegenseitig testen sollten, „falls jemand mal ein Kratzen im Hals hat“, sind Angehörige von der Maßnahme im Katharina-Luther-Haus ausgeschlossen. Siegfried Wolff: „Aus ethischen Gründen machten wir eine Ausnahme, wenn die Kinder kommen, weil Mutter oder Vater im Sterben liegen.“ Die Schnelltests gehörten zum Maßnahmepaket, um das Covid-19-Virus fernzuhalten. Das sei bis jetzt gelungen. „Falls es im Haus zu Infektionen käme, würden es in dem Alter viele nicht überleben“, gibt Wolff zu bedenken.

Dienstags die Mitarbeiter testen, am Donnerstagmorgen die Bewohner und dann nachmittags die Angehörigen – und das „angesichts der hohen Inzidenzzahlen einmal pro Woche“. Das ist der Plan von Marion Liebschwager, Leiterin des Pflegewohnstifts Am Nordring. Dort kümmern sich 85 Pflegekräfte um 83 Senioren. Die Mitarbeiter seien bereits in der vergangenen Woche getestet worden, so Liebschwager. Zugleich weist sie darauf hin, dass die Tests freiwillig seien und niemand dazu gezwungen werden könne. 

Bisher habe die Einrichtung 200 Schnelltests erhalten. Der Einkauf der Muttergesellschaft Deutsche Seniorenstift Gesellschaft kümmere sich um Nachschub. Elf Pflegekräfte seien von einem Arzt in der Durchführung des Schnelltests unterwiesen worden. Zwei müssten zudem dafür abgestellt werden, bestimmte Heimbewohner unter Einhaltung der Hygienerichtlinien beim Umzug zur Teststation zu begleiten. 

Personal wird abgezogen

100 Schnelltests hat Christina Bartelheimer-Pätzold bereits in ihrem Büro stehen. „Am Mittwoch können wir weitere 1000 von der Bielefelder Zentrale abholen“, sagt die Leiterin des Wilhelm-Florin-Hauses an der Berliner Straße. Es gehört zum Evangelischen Johanneswerk und beherbergt 85 Bewohner. Sieben examinierte Kräfte plus zwei Angestellte für die Tagespflege seien bereits geschult worden. „Jetzt müssen wir es irgendwie zurechtruckeln“, sagt die Chefin zur kniffligen Organisation. Zwar werden Angehörige nicht getestet, sondern beim Besuch „nur“ auf Fieber überprüft („Sonst würde uns das immens überfordern“, so die Leiterin), aber auch die Tests bei den Heimbewohnern allein binde schon viel Personal. Das im Übrigen woanders benötigt werde. Christina Bartelheimer-Pätzold: „Das wird direkt von der Pflege abgezogen.“ Sie versuche trotzdem, praktisch und ruhig zu bleiben. 

Im Pflegezentrum Dr. Murken an der Neuenkirchener Straße werde die Lieferung der Schnelltests in den nächsten fünf Werktagen erwartet, teilt der Sprecher des Mutterunternehmens, der Charleston Holding, Jens Büker, auf Nachfrage mit. Die Einweisung der Pflegekräfte könne jederzeit durchgeführt werden. „Wir gehen von einem enormen Personalaufwand aus, um die Testungen durchzuführen“, so Büker. Außerdem sei zu erwarten, dass es zu vermehrten Personalausfällen komme, wenn Mitarbeiter positiv getestet würden. Es sei geplant, den Schnelltest für Bewohner, Mitarbeiter und regelmäßige Besucher einmal wöchentlich durchzuführen.

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