Gütersloh
Corona: Wie die Lage im Kreis ist

Gütersloh (lw) - Seit anderthalb Wochen liegen die Werte der Corona-Infektionen im Kreis Gütersloh über dem Landesdurchschnitt. Vergangene Woche hatten die Krankenhäuser kurz ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Wie sich die Pandemie aktuell darstellt, darauf gab es Montag im Kreisausschuss Antworten.

Montag, 09.11.2020, 18:40 Uhr aktualisiert: 09.11.2020, 19:01 Uhr

Infektionsgeschehen:
Dr. Anne Bunte, Leiterin des Kreisgesundheitsamts, war – wie andere Leiter in der Kreisverwaltung – per Videokonferenz zugeschaltet. Ausbruchsgeschehen gebe es mittlerweile an vielen Stellen. So seien beispielsweise Tagespflegen in Herzebrock-Clarholz und Gütersloh betroffen. Die hohen Fallzahlen seien nur zum Teil darauf zurückzuführen, dass nun mehr getestet werde. Vielmehr gebe es mehr Fälle, weil nun die zweite Welle da sei, sagte Bunte. Dass es mehr Infizierte gebe, könne man an den Patientenzahlen in den Krankenhäusern sehen. 

Die Zahl der Todesfälle habe lange Zeit konstant bei 21 gelegen. „In den vergangenen zwei Wochen sind dann vier hinzugekommen“, so Bunte. Die Verstorbenen hätten an Vorerkrankungen gelitten und zu Risikogruppen gehört. „Die jüngste Person war knapp Mitte 60“, sagte die Leiterin des Kreisgesundheitsamts.

Für die Kontaktverfolgung sei es zunehmend schwer, die Infektionswege zurückzuverfolgen. Etwa bei einem Drittel sei nicht klar, wo sich die Person angesteckt haben könnte. Seit Montag gilt zudem eine neue Einreiseverordnung. Wer aus einem Risikogebiet kommt, muss – mit bestimmten Ausnahmen – zehn Tage in Quarantäne und kann sich frühestens am fünften Tag testen lassen. Dr. Heinz-Josef Sökeland (CDU) wies darauf hin, dass man in den meisten Fällen selbst dafür aufkommen müsse und es keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gebe.

Krankenhäuser:
Die Krankenhäuser seien derzeit saisonal schon ausgelastet, sagte Martin Deicke, Oberarzt beim Rettungsdienst. Als vergangene Woche die Kapazitätsgrenze erreicht worden sei, hätten die vier Einrichtungen intern Ressourcen freigegeben. Man bemühe sich derzeit, eine gerechtere Aufteilung der Covid-19-Patienten zwischen den Häusern zu erreichen, um in einzelnen Krankenhäusern Entlastung zu schaffen. 

Ein Konzept für solche Fälle – auch OWL-weit – gebe es derzeit noch nicht. Krisenstabsleiter Frank Scheffer erklärte, man habe der Bezirksregierung ein Konzept für den Kreis Gütersloh vorgelegt (wohin Patienten in umliegende Landkreise und Städte gebracht werden könnten). Das sei bisher aber nicht genehmigt worden.

Schulen:
In den Schulen selbst gebe es wenige Übertragungen, sagte Sandra Jürgenhake, Leiterin der Abteilung Bildung beim Kreis. Die Schulleitungen handelten bei einer Infektion schnell und schickten einzelne Klassen oder Jahrgänge nach Hause. Das Lüften funktioniere in den meisten Fällen problemlos. In Sporthallen sei dort, wo es möglich sei, die Lüftung auf 100 Prozent Frischluft umgeschaltet worden. Sonst komme ein CO2-Melder zum Einsatz. „Dann kann es sein, dass der Sportunterricht auch mal schneller endet“, sagte sie. 

Die mobilen Endgeräte aus dem Sofortprogramm seien in der Beschaffung. „Wenn wir dieses Jahr noch eine Lieferung bekommen würden, wäre ich froh.“ Wie berichtet, soll zudem geprüft werden, inwieweit die Schulen verschiedene Anfangszeiten bieten können, um die Situation in den Schulbussen zu entlasten.

Kitas:
Mittlerweile müssten immer wieder Gruppen, manchmal auch ganze Einrichtungen geschlossen werden, berichtete Barabara Grube, Sachgebietsleitung Kindertagesbetreuung. Die Corona-Pandemie verschärfe zudem den Personalmangel.

Kurzarbeit:
Mehr als 32 000 Menschen im Kreis Gütersloh waren im April in Kurzarbeit. Das bedeute nicht nur weniger Einkommen, sondern auch den Verlust von sozialen Kontakten, erklärte Fred Kupczyk, Leiter des Jobcenters. Manche Arbeitnehmer hätten ihren Betrieb seit Monaten nicht mehr von innen gesehen. Wie viele 450-Euro-Kräfte, die kein Kurzarbeitergeld bekommen, von den Auswirkungen der Pandemie betroffen seien, darüber gebe es keine Zahlen. „Wenn ich einen Blick in die Glaskugel – in dem Fall eher Milchglas – werfen soll, rechne ich im Frühjahr mit mehr Insolvenzen und steigenden Arbeitslosenzahlen.“

Kreisverwaltung:
45 Soldaten, vier Mitarbeiter des Medizinischen Diensts sowie zwei Scouts des Robert-Koch-Instituts helfen dem Gesundheitsamt aus. Außerdem hat die Kreisverwaltung Mitarbeiter aus anderen Abteilungen abgezogen. Deshalb bleiben in manchen Bereichen die Aufgaben liegen. „Ich bitte daher um Verständnis, wenn manche Serviceleistungen nicht so flott wie sonst erledigt werden können“, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU). Die Pandemie habe nun Priorität.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7670897?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Coronavirus-Newsblog: Die aktuellen Zahlen aus OWL: 15 neue Todesfälle - Länderübergreifende Demo gegen Corona-Maßnahmen - 13 Millionen Infektionen in den USA
 Die Pandemie und ihre Folgen für Ostwestfalen-Lippe, Deutschland und die Welt : Coronavirus-Newsblog: Die aktuellen Zahlen aus OWL: 15 neue Todesf...
Nachrichten-Ticker