Gütersloh
Phoenix baut seinem Idol ein Denkmal

Gütersloh (wh) - Es ist jammerschade, dass die Bemühungen der Theatermacher um ein attraktives Programm in dieser Zeit immer wieder auf den Kopf gestellt werden. Das Konzert des Münchner Quartetts „Phoenix“ um den Lautisten Joel Frederiksen wird das einzige in diesem Monat bleiben.

Montag, 02.11.2020, 18:19 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 18:46 Uhr

Ob andere spannende Projekte in den Monaten danach einen Weg auf die heimische Bühne finden werden, ist vielfach offen (wie am Samstag berichtet). Der Allerheiligentag ist ein gut gewählter Termin für den Auftritt dieses herausragenden, wenngleich auch speziellen Ensembles. Es verwebt in seinem Programm „Requiem for a Pink Moon“ mittelalterliche Musik mit Liedern der Neuzeit. Joel Frederiksen verbindet darin höfische Werke von John Dowland und Thomas Campion mit Popsongs des 1974 verstorbenen britischen Songwriters Nick Drake. Die Verschmelzung von Altem, aus der Übergangszeit vom 16. ins 17. Jahrhundert, mit Neuem und das hergebrachte Instrumentarium mit verschiedenen Lauteninstrumenten (außer Joel Frederikson spielt Axel Wolf), Viola da Gamba (Domen Marincic) sowie klassischer Tenor- (Colin Balzer) und Bassstimme (Frederikson) schaffen eine Melancholie, wie sie typisch für das Elisabethanische Zeitalter gewesen sein mag. Dort hinein fügen sich Drakes bewegende Texte und seine komplexe, von der Gitarre auf Laute transponierte Begleitung in schönster Schlichtheit, aber auch Erhabenheit.

 Diese Heilige Messe ist für Nick Drake geschaffen worden, zum Ge- und Andenken an einen zu Lebzeiten wenig wahrgenommenen und psychisch anfälligen Künstler, der posthum zum Idol avancierte. Mit der Gegenüberstellung zweier Epochen britischer Liedkomposition, in der Form eines gregorianischen Chorals mit rhythmischen Elementen im Stil von Drakes Folk-Gitarre und weiteren Einflüssen aus den 1960er- und 70er-Jahren, setzt Frederiksen seinem Vorbild ein Denkmal. Sogar im Titel hat er sich von dessen letzter LP „Pink Moon“ inspirieren lassen.

 Was oberflächlich nach einem gut konstruierten Crossover aussieht, erlaubt bei genauerem Hinhören tiefe Einblicke in zeitgebundene Kompositionstechniken, wirft aber auch einen hoffnungsvollen Blick voraus auf die überdauernde Kraft der Musik. Sogar dort, wo Frederiksen eine eigene Komposition („Ocean“) in das Requiem einfügt und damit den Bogen zum Heute schlägt. Drake machte in seinen Songs häufig und bildhaft von diesem Begriff Gebrauch. Da liegt es nah, dass Joel Frederiksen seine Gedanken über die Lieder des Nick Drakes und dessen Leben ebenfalls unter diesem Thema festhält.

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