Gütersloh
Sohn nach Angriff auf Mutter in Psychiatrie

Gütersloh (gdd) - „Er handelte mit Tötungsabsicht. Aber ist strafrechtlich nicht verantwortlich.“ Dr. Christoph Meyring, Vorsitzender Richter der zehnten Strafkammer des Landgerichts Bielefeld, ordnete am Montag den Maßregelvollzug an. Somit muss ein 33 Jahre alter Mann aus Verl mit einem mehrjährigen Aufenthalt in einem psychiatrischen Krankenhaus rechnen.

Montag, 05.10.2020, 19:35 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 20:46 Uhr

Er hatte seine Mutter in einem Anfall von Wahnsinn schwer verletzt. Der Staatsanwalt, der von vornherein den Maßregelvollzug gefordert hatte, bezog sich im Plädoyer auf einen forensischen Gutachter. Dieser habe eine „vom Drogenkonsum unabhängige manifestierte Psychose“ des 33-Jährigen erkannt. Der Anklagevertreter: „Er glaubte, man wolle ihm etwas Böses antun, so auch seine Mutter. Am Tattag war seine Wahnvorstellung, er müsse sich jetzt wehren, weil es sonst kein Morgen mehr für ihn gäbe.“ Er habe dabei Hammer und Auto als Waffen eingesetzt. 

Am Nachmittag des 11. März 2020 begegnete der drogenabhängige Mann, im Auto unterwegs, in Friedrichsdorf zufällig im Gegenverkehr seinen Eltern. Er rammte den väterlichen Wagen, setzte zurück, fuhr erneut los und erfasste seine Mutter, die nach der Kollision ausgestiegen war. Die Frau wurde auf die Motorhaube seines Wagens geworfen, der an einem Gartenzaun stoppte. Der Sohn stürzte sich mit einem Hammer auf die bereits Schwerstverletzte und schlug auf ihren Kopf ein. 

„Er fühlte sich von ihr verfolgt“, stellte der Richter in der Urteilsbegründung fest. „In einem lichten Moment hat er erkannt, dass das, was er gerade tun wollte, zum Tod der Mutter führen würde. Er hat es nicht getan – und dies gilt es zu würdigen.“ Meyring nannte den Angeklagten hochintelligent. Er habe sich im Vorfeld seiner Erkrankung 2019 gegenüber den Eltern und seiner Freundin dahingehend offenbart, dass er sich verfolgt fühle. Ärzte habe er nur über seinen Konsum von Amphetaminen und Cannabis informiert, weil er eine Therapie anstrebte. 

Noch am zweiten Prozesstag, am 14. September, erklärte der Richter weiter, habe die Kammer seine psychische Erkrankung, die die Tat auslöste, erkannt. Eine Bewährung, so begründete Meyring, gebe es für den Angeklagten nicht – „weil ihm die Einsicht fehlt. Wir sehen in ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit.“ Der Verteidiger hatte keinen Antrag gestellt. Er verwies darauf, der Täter könne sich des „familiären Zusammenhalts“ weiterhin sicher sein.

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