Gütersloh
Ein ganz besonderer Meilenstein

Gütersloh (dop). „Bislang hat er zu unseren stillen Stars gehört und wurde meist übersehen“, gesteht Denkmalpfleger Ulrich Paschke. Das hat sich dank der Eigeninitiative des engagierten Isselhorster Grafikers Hans-Georg Baumeister jetzt geändert.

Mittwoch, 09.09.2020, 17:53 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 19:01 Uhr

Mit rüstige 75-Jährige restaurierte ehrenamtlich einen preußischen Halbmeilenstein von 1820, pflasterte für ihn an der Berliner Straße 507 (B 61) einen Platz und stellte den Stein gestern dort auf. Gut sichtbar für jedermann.

Die Übergabe an die Öffentlichkeit erfolgte im Beisein von Nachbarn und Freunden sowie Vertretern des Dorf- und Heimatvereins Isselhorst, der Bezirksregierung Detmold und der Denkmalbehörde. Und alle waren sich einig, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass ein Privatier diesen Meilenstein, der seit 1983 mit der Nummer 200 in der Gütersloher Denkmalliste steht, unentgeltlich restauriert.

In Kindertagen Bocksprünge über den Stein gemacht

„Ich kenne den Stein seit Kindertagen, als wir Bocksprünge darüber gemacht haben“, erzählt Baumeister. „Sein kümmerliches Dasein, verdreckt und zugewachsen am Straßenrand, hat mich geärgert.“ Mit Hilfe von Karl-Theodor Mumperow holte der Isselhorster das eine Tonne wiegende Objekt aus Teutoburger Sandstein vor zwei Monaten aus dem Boden, säuberte es, glättete die Innenflächen der Zierrahmen, meißelte die Inschriften teils neu und malte die Buchstaben aus. Auf der einen Seite steht „Kreis Wiedenbrück“, auf der anderen „Landkreis Bielefeld“ und an der Frontseite „1/2 Meile“. Und damit dokumentiert dieses Denkmal sowohl preußische Geschichte als auch kommunale Neugliederung.

Zwillingsbruder in Ummeln

Schon Napoleon plante eine Chaussee von Koblenz nach Minden. Preußen legte dann 1817/18 den Abschnitt zwischen Bielefeld und Gütersloh an und setzte Ganz-, Halb- und Viertelmeilensteine zur Orientierung. Nach Einführung des metrischen Systems 1873 wurden diese Markierungen aber bedeutungslos. Während der obeliskenförmige Ganzmeilenstein auf Gütersloher Gebiet 1910 abgebaut und im Stadtpark neuaufgestellt wurde, blieb sein Zwillingsbruder in Ummeln an Ort und Stelle erhalten.

Baumeister sucht neue Beschäftigung

Der Halbmeilenstein, der ursprünglich an der Kreuzung Upmann stand, wurde bei Straßensanierungen und Radwegebau mehrfach umgesetzt und bekam erst mit der kommunalen Neugliederung in den 1970er-Jahren wieder eine Bedeutung – als Kreisgrenzstein. „Jetzt muss ich mir wohl eine neue Beschäftigung suchen“, erklärte Baumeister gut gelaunt und horchte gleich auf, als Denkmalpfleger Paschke auf den Grenzstein 24 Richtung Wiedenbrück hinwies . . .

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