Konzern verbucht im Corona-Halbjahr Rückgänge bei Umsatz und Gewinn – Verkaufserlös hilft
Licht und Schatten bei Bertelsmann

Gütersloh (WB). Der Gütersloher Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann ist relativ gut durch das von der Corona-Krise geprägte erste Halbjahr gekommen. Langfristig sieht Vorstandschef Thomas Rabe sogar Vorteile durch den im Zuge der Pandemie ausgelösten Digitalisierungsschub. „Dieser wird von Dauer sein. Und von dieser Entwicklung profitieren wir, weil wir in den vergangenen Jahren unsere Digitalangebote ausgebaut haben.“

Mittwoch, 02.09.2020, 03:00 Uhr
Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender Thomas Rabe spricht angesichts der Herausforderungen durch die Corona-Krise von einem guten ersten Halbjahr 2020. Die Hälfte des Konzernergebnisses geht aber auch auf den Mehrheitsverkauf einer Finanztochter zurück. Foto: dpa

Kurzfristig traf die Krise aber auch Bertelsmann. Die Umsätze reduzierten sich von Januar bis Ende Juni gegenüber dem Vorjahr um knapp neun Prozent von 8,6 auf 7,8 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn blieb mit 488 nach 502 Millionen auf den ersten Blick zwar fast konstant. Das war aber vor allem dem 60-Prozent-Verkauf einer Finanztochter zu verdanken. Darauf geht rund die Hälfte des Gewinns zurück.

Unabhängig davon sieht Rabe den Konzern auf Kurs. Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstandschef erneut mit einem Konzernergebnis über der Marke von einer Milliarde Euro. „Die Herausforderungen durch Corona haben wir insgesamt gut gemeistert, auch weil wir so breit aufgestellt sind.“ Zudem steuerte Bertelsmann massiv gegen die Krise an. „Zwei Drittel des Umsatzrückgangs haben wir durch Einsparungen kompensiert“, sagt Rabe. Dazu trug vor allem auch Kurzarbeit bei. „In der Spitze waren in Deutschland mehr als 7000 Mitarbeiter in Kurzarbeit, aktuell sind es noch etwas mehr als 1000.“

70 Prozent der 126.400 Beschäftigten im Homeoffice

Weltweit seien in der Spitze 17.500 in Kurzarbeit-ähnlichen Instrumenten gewesen und arbeiteten 70 Prozent der 126.400 Beschäftigten im Homeoffice. Vorteile des hybriden Arbeitens, mal von zuhause, mal im Büro will der Konzern dauerhaft nutzen.

„Zudem haben wir die Programmkosten bei RTL gesenkt, haben Reisekosten gespart, Stellen nicht oder später besetzt und auch Boni reduziert.“ Um Geld in der Kasse zu behalten, wurden weder bei Bertelsmann noch bei RTL Dividenden für 2019 gezahlt. Die Mitarbeiter-Gewinnbeteiligung wird indes, wie zugesagt, nach einer ersten Tranche im Juni nun im September ausgeschüttet.

„Ich bin stolz, dass wir in dieser Krise die Mitarbeiterzahl konstant halten konnten“, sagt Rabe. Allein im Raum Gütersloh beschäftigt Bertelsmann weiterhin rund 11.000 Menschen. „Wir haben gezeigt, dass wir auch kurzfristig sehr anpassungsfähig sind.“

Die Corona-Folgen sind bei den einzelnen Geschäftsbereichen völlig unterschiedlich ausgefallen. Unbeeindruckt hat sich die Dienstleistungs- und Logistiksparte Arvato gezeigt, die den Umsatz um 2,2 Prozent auf 2,1 Milliarden steigerte und das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 16 Prozent auf 305 Millionen. Der Musikrechteverlag BMG profitiert vom Streamingboom, erhöhte die Erlöse um 4,8 Prozent auf 282 Millionen bei konstantem operativem Ergebnis von 49 Millionen.

Auch das Buchgeschäft der nun 100-prozentigen Tochter Penguin Random House entwickelte sich nahezu stabil bei Umsatz (1,63 Milliarden) und Ergebnis (209 Millionen). Ähnlich sah es im Bildungsbereich aus.

Am meisten gelitten haben indes die sonst als Gewinnbringer bekannte TV-Gruppe RTL sowie der Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr. „Die Werbemärkte lagen in Europa im zweiten Quartal mit 40 Prozent im Minus“, nennt Rabe einen wesentlichen Grund. „Wir rechnen im weiteren Jahresverlauf aber mit einer Erholung, erwarten im dritten Quartal noch ein Minus von 10 Prozent.“

Umsatz der RTL-Group sank um 16,5 Prozent

Der Umsatz der RTL-Group sank um 16,5 Prozent auf 2,65 Milliarden Euro, der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gab um 42,5 Prozent auf 382 Millionen nach. Rabe: „Wir haben aber Marktanteile gewonnen.“ Zudem erhöhte sich in der Corona-Krise die Zahl der kostenpflichtigen Abos des Streamingportals „TV Now“ in Deutschland und „Videoland“ in den Niederlanden um 45 Prozent auf 1,77 Millionen.

Die ohnehin unter rückläufigem Geschäft leidende Drucksparte Bertelsmann Printing Group büßte 15 Prozent des Umsatzes ein, erlöste noch 650 Millionen Euro. Das operative Ergebnis lag noch bei 19 Millionen. Hier hat Bertelsmann den Abbau von 470 der fast 2000 Stellen in den kommenden Jahren angekündigt. „Das soll möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen“, sagt Rabe. Der Schritt sei unumgänglich, um die Sparte langfristig zu sichern.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7562364?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Vergewaltigung im Krankenhaus: Anzeige gegen Chefarzt
Eine der vergewaltigten Frauen fand eine Flasche eines Narkosemittels in ihrem Bett und machte ein Foto davon. Foto: Christian Althoff
Nachrichten-Ticker