Wissenschaftler untersuchen tausendfachen Ausbruch bei Tönnies
Nach Tönnies-Ausbruch: NRW fördert Gütersloh-Studie

Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück (WB). Das Gesundheitsministerium NRW fördert eine wissenschaftliche Studie, die den massenhaften Corona-Ausbruch im Fleischwerk Tönnies untersuchen wird.

Montag, 10.08.2020, 05:10 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 06:56 Uhr

Die sogenannte Gütersloh-Studie ist hinsichtlich der Fallzahlen die bisher größte Corona-Studie in Deutschland. Koordiniert wird die Untersuchung, an der auch die Universitäten Bonn und Düsseldorf sowie das Robert-Koch-Institut teilnehmen, von Prof. Dr. Carsten Tiemann vom Labor Krone in Bad Salzuflen und der Ärztin Dr. Anne Bunte, Leiterin des Gesundheitsamts im Kreis Gütersloh.

Bis heute hat das Labor Krone im Auftrag von Ärzten, Krankenhäusern und Gesundheitsämtern mehrere hunderttausend Rachenabstriche auf das Coronavirus untersucht. „Als wir im Februar die ersten Abstriche bekamen, ahnten wir schon, dass uns das Thema lange beschäftigen wird”, sagt Prof. Tiemann. Deshalb vernichtete das Labor die untersuchten Abstriche nicht, sondern lagerte sie in einer speziellen Flüssigkeit, die das Abstrichmaterial stabilisiert. So verfügt das Labor heute über tausende archivierter Proben. „Das bloße Aufbewahren ist uns erlaubt, jede weitere Verwendung muss aber von Ethik-Kommissionen geprüft werden.” Entsprechende positive Voten der Ethiker der Universitäten Bonn und Düsseldorf lägen inzwischen vor, sagt der Wissenschaftler.

Ziel: Ursprung der Infektion ermitteln

Europaweit sei ihm kein anderer Corona-Hotspot bekannt, bei dem es in einem so kleinen Gebiet so viele Infizierte gegeben habe, sagt der Molekularbiologe. Die Gütersloh-Studie habe das Ziel, den Ursprung der Infektionen zu ermitteln und den weiteren Verlauf der Infektionskette nachzuzeichnen. „Wir hoffen, dass sich zum Schluss auch Präventionsmöglichkeiten aus der Studie ableiten lassen.”

Das Bad Salzufler Labor verfügt über etwa 2000 positive Abstriche aus dem Infektionsgeschehen im Kreis Gütersloh. Diese werden in den nächsten Wochen in der Uni Bonn untersucht. Prof. Tiemann: „Die Wissenschaftler dort haben nicht nur die technischen Voraussetzungen, sondern sind auch führend darin, den genetischen Fingerabdruck eines Virus zu bestimmen.” Unterschiedliche „Fingerabdrücke“ könnten zum Beispiel ein Hinweis auf unterschiedliche Infektionsquellen sein. Die von den Bonner Wissenschaftlern ermittelten Daten (ausgedruckt wären das tausende Seiten Papier) werden dann von Forschern der Universität Düsseldorf mit Hilfe von Großrechnern ausgewertet.

Neben diesen rein medizinischen Daten fließen aber auch epidemiologische Informationen in die Studie ein, über die die Forscher nicht verfügen, wohl aber die Behörden. Tiemann: „Das Gesundheitsamt weiß zum Beispiel, ob eine Probe einem Mann oder einer Frau zuzuordnen ist, wie alt diese Person ist, mit wem sie zusammen wohnt, und an welcher Stelle im Fleischwerk Tönnies sie arbeitet.” Für die Einbindung dieser anonymisierten Informationen in die Studie sind das Gesundheitsamt des Kreises Gütersloh, das Landeszentrum Gesundheit NRW (LZG) in Bochum sowie das Robert-Koch-Institut (RKI) zuständig.

Das wissenschaftliche Konsortium hofft, die Gütersloh-Studie in sechs Monaten abgeschlossen zu haben.

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