Sprengmeister Hans Vieth aus Gütersloh mit 81 Jahren gestorben
Er ließ es so richtig krachen

Gütersloh (WB). Er legte bundesweit mehr als 400 Schornsteine und Hochhäuser flach: Der bekannte Sprengmeister Hans Vieth aus Gütersloh ist am 22. Juli mit 81 Jahren gestorben. Er wird heute in Gütersloh beerdigt.

Mittwoch, 05.08.2020, 06:00 Uhr
Schlosser und Sprengmeister Hans Vieth. Foto: Schlöffel

Wo er arbeitete, wurde es einmal richtig laut. Und ab und zu ging auch die eine oder andere Fensterscheibe zu Bruch. Das sei aber gerade dann, wenn die Gebäude nah aneinander stünden, nie zu vermeiden, sagte der gelernte Schlosser einmal in einem Interview. So war es auch bei der Sprengung von drei Hochhäusern in Brakel (Kreis Höxter) im Juni 2000. „Natürlich hätte man vorher auch alle Fenster in der Umgebung öffnen können. Aber dann wäre der ganze Staub in den Wohnungen gelandet.”

Erfahrungen gerne weitergegeben

Vieth betonte gegenüber potenziellen Auftraggebern stets die Vorteile der Sprengmethode: „Ein maschineller Abriss ist mit Baggern zwar auch möglich. Er dauert aber deutlich länger und belastet die Nachbarn durch andauernden Staub und Lärm. Wenn ich auf den Knopf drücke, liegt das Gebäude wenig später am Boden. Meistens kann man die Nachbarn zu dem Ereignis einladen, den Grill anschmeißen und dann sind alle glücklich!“

Seine Erfahrung gab Vieth gerne weiter. Denn Sprengberechtigter kann in Deutschland nur werden, wer bei mindestens 50 Sprengungen als Helfer dabei war. Während andere Firmen Helfer oft aus Angst vor künftiger Konkurrenz ablehnten, griff Vieth dem interessierten Nachwuchs unter die Arme. Wer mithalf, bekam sein Testat. Vieth war ehrenamtlich im Technischen Hilfswerk engagiert. Er ermöglichte daher auch vielen THW-Sprengberechtigten eine umfangreiche praktische Ausbildung in seinem Betrieb.

Eine seiner größten Sprengungen dürfte die Sprengung eines Hochhauses in Paderborn-Elsen im Februar 2005 gewesen sein. An einem Sonntagmorgen drückte der Sprengmeister, der meistens mit seiner Frau Rosie und seinem lärmunempfindlichen Hund unterwegs war, auf den roten Auslöseknopf. 1.000 Volt flossen durch die Zündleitung und lösten 380 Sprengladungen aus. Ein Knall hallte durch Elsen. Doch dann passierte sekundenlang nichts. Das Gesicht des Sprengmeisters war wie versteinert. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit setzte sich das Gebäude doch noch in Bewegung und kippte um.

Sammelleidenschaft wird ihm zum Verhängnis

Mehrfach erlebte der Fachmann, dass Bauzeichnungen nicht stimmten. „Früher wurde bei der Errichtung von Gebäuden gerne viel mehr Baustahl eingebracht als vorgesehen, damit das länger hält.“ So sollte Vieth im März 2002 im Landkreis Osnabrück einen 20 Meter hohen Betonsilo sprengen. Die berechneten zehn Kilogramm Sprengstoff rissen aber nur ein kleines Loch in die Wand. Als sich der Staub verzogen hatte, zeigte sich eine massive Stahl-Armierung, die nicht in den Bauplänen stand. Sechs weitere Sprengungen vollendeten schließlich das Werk.

Der Sprengmeister, der auch als Jäger, Imker und Kleingärtner aktiv war, war ein leidenschaftlicher Sammler. Das wurde ihm beruflich zum Verhängnis. 2012 kam es auf seinem Betriebsgelände in Bielefeld zu mehreren Explosionen in einem Schuppen. Darin lagerten – wohl unzulässig – Feuerwerkskörper und Sprengschnüre. Bei den anschließenden Ermittlungen wurde auf dem Gelände verbotene Munition entdeckt. Vieth gab seine Sprengstofferlaubnis bei der Bezirksregierung Detmold ab und setzte sich zur Ruhe. Von wem er die Munition hatte, hat er nie öffentlich erklärt. Dieses Wissen nimmt er nun mit in sein Grab. Zum Schluss wird es noch einmal laut: Mit den Jagdhorn-Signalen „Jagd vorbei“ und „Halali“ soll Hans Vieth diesen Mittwoch verabschiedet werden.

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