Gütersloh
Ein Button wie ein Ritterschlag

Gütersloh (jed) - Als stolze Großmutter ihrer beiden Enkelkinder Anna (10) und Anton (6) trägt die Alt-Bürgermeisterin Maria Unger ihren „Jede Oma zählt“-Button so würdevoll wie nach einem Ritterschlag am Revers. Die 67-Jährige ist Teil der weltweiten Help-Age-Kampagne.

Donnerstag, 09.07.2020, 18:02 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 18:31 Uhr

Dafür strickt eine privat organisierte Gruppe von zwölf Gütersloher Frauen unter dem „Jede Oma zählt“-Logo seit der Gründung 2013 für bedürftige Großmütter in Afrika. Die Erlöse aus dem Verkauf der selbstgestrickten Artikel werden vollständig an Help Age weitergeleitet.

Sieben Euro zusätzliche Rente für afrikanische Frauen

Initiatorin Andrea Nordhorn: „Jede von uns Charmützen bezahlt ihre Wolle ganz allein. Wir behalten nicht einen Cent für uns.“ Die vergleichsweise niedrige Summe von sieben Euro zusätzlicher Rente im Monat sichere dutzenden Afrikanerinnen das Überleben.

Als Maria Unger 2013 im Rahmen ihrer Tätigkeit als Verwaltungschefin den ersten Kontakt mit dem Strickclub der Charmützen hatte, war sie gleich „fasziniert davon, was zwölf Frauen auf die Beine stellen. Das ist einfach eine Herz-zu-Herz-Aktion. Was hier geleistet wird, ist wirklich unglaublich“, sagt sie selbst. Ihr Engagement als Schirmherrin des gemeinnützigen Vereins ist für „Mensch Maria“, wie sie einst ein Wahlslogan nannte, „pure „Selbstverständlichkeit“.

Über den Idealistinnen ziehen dunkle Wolken auf

Seit den Anfängen kommt durch den ganzjährigen Verkauf von rund 800 selbstgestrickten Produkten bei 25 bis 30 Veranstaltungen im Jahr eine niedrige fünfstellige Summe zusammen. Durch die Corona-Pandemie mitsamt der ausgesprochenen Kontaktverbote sind vor gut vier Monaten dunkle Wolken über den Idealistinnen aufgezogen.

Andrea Nordhorn: „Eine Veranstaltung nach der anderen wurde abgesagt.“ Ohne den Verkauf von Mützen, Schals, Loops, Socken, Babymützen, Babypuschen, Handstulpen, gehäkelten Einkaufsnetzen, Baumwoll-Einkaufstaschen und Ähnlichem bei öffentlichen Anlässen drohte ein dickes Loch in der Kasse.

„Man kann die Hilfe nicht einfach so für ein paar Monate einstellen“

Aussetzen oder Pausieren kam für die Charmützen indes nicht in Frage. „Wir finanzieren mit unseren Verkäufen die Renten und das Überleben der Frauen in Afrika. Das muss kontinuierlich weiterlaufen“, sagt Andrea Nordhorn. Man könne „die Hilfe nicht einfach so für ein paar Monate einstellen.“

Das Ausbleiben der Unterstützung aus Deutschland hätte unweigerlich den vermutlich qualvollen Hungertod vieler Großmütter in Afrika zur Folge. Die Frage ist nur: Wie kann das klappen, Einnahmen sammeln ohne Veranstaltungen?

Frauen bieten Artikel im Freundes- und Bekanntenkreis an

Um nicht in Vergessenheit zu geraten, haben sich die Wohltätigkeitsstrickerinnen „der Zeit angepasst“, wie Andrea Nordhorn sagt, und ihre privaten Netzwerke für neue Verkaufsstrategien aktiviert. Als Zugeständnis an „schwierige Zeiten“ bieten die Frauen des gemeinnützigen Vereins ihre Artikel seit Wochen über diverse Whats-App-Gruppen im Freundes- und Bekanntenkreis an.

Auf Wunsch werden nach einer E-Mail an charmuetze@helpage.de auch Fotos der Wunschartikel verschickt. Alternativ werden sie zur Auswahl frei Haus geliefert. Als extrem geschäftstüchtig erwies sich auch der Verkauf der pandemiebedingt ins Programm genommenen Schutzmasken. „Die sind gelaufen wie geschnitten Brot“, freut sich Andrea Nordhorn über binnen kürzester Zeit 150 bis 200 veräußerte Mund-Nasen-Schutzmasken.

Zwei Tage lang Verkauf auf dem Wochenmarkt?

Obwohl durch mannigfache Verkaufsaktivitäten im Verborgenen „bisher kaum Einnahmeverluste“ zu beklagen sind, unterstreicht Andrea Nordhorn das primäre Problem der Wohltätigkeitsstrickerinnen: „Im Sinne des Spendenzwecks sind wir dringend auf den Verkauf der Produkte angewiesen.“

Trotz vieler positiver Signale führt im Rahmen der Kontinuität zur Sicherung des Spendenzwecks langfristig kein Weg an der Rückkehr in die Öffentlichkeit vorbei. Dieser Tage habe die Stadt Gütersloh für Ende September und Ende Oktober an zwei Tagen die Möglichkeit von Verkaufsständen auf dem Wochenmarkt in Aussicht gestellt. Für die ehrenamtlichen Strickerinnen ein Silberstreif am Horizont.

„Hoffentlich ist die Corona-Zeit bald zu Ende“

Mit der Spielkiste in Gütersloh und dem Reformhaus Shah in Verl gibt es zwei offizielle Verkaufsstellen für die Masken. Sollte ein Gütersloher Geschäftsmann den Charity-Frauen für die breitere Positionierung in der Öffentlichkeit übergangsweise „eine kleine Ausstellungsfläche zur Verfügung stellen, würden wir uns nicht dagegen wehren“, sagt Andrea Nordhorn und lacht. Ansonsten hoffen die Idealistinnen im Sinne des Überlebens der Großmütter in Afrika auf eines. Petra Lauch: „Hoffentlich ist Corona-Zeit bald zu Ende.“

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