Antrag zur Öffnung einzelner Bereiche möglich – Tierärzte warnen vor Tierschutzproblemen
Landrat: Tönnies-Konzept beantwortet bei Weitem nicht alle Fragen

Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück (dpa). Der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer rechnet nicht mit einem kurzfristigen Hochfahren der Produktion im Schlachtbetrieb von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. „Das Konzept, das die Firma vorgelegt hat, beantwortet bei Weitem nicht alle Fragen, die geklärt werden müssen. Also bis der Betrieb wieder anläuft, kann es noch dauern!“, sagte der CDU-Politiker am Montag unmittelbar vor einem Treffen von Vertretern der Behörden und des Unternehmens im Kreishaus.

Montag, 06.07.2020, 16:10 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 18:04 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Seit Montagmorgen sprechen Vertreter der Bezirksregierung, des Kreises und der Stadt Rheda-Wiedenbrück über das von Tönnies in der vergangenen Woche vorgelegte Hygiene-Konzept. Die Stadt Rheda-Wiedenbrück hatte die Schließungsverfügung der gesamten Schlacht- und Fleischfabrik bis zum 17. Juli verlängert . Mit einem Ergebnis wird in Verhandlungskreisen erst in den nächsten Tagen gerechnet.

Tönnies kann Antrag stellen

Das Unternehmen kann einen Antrag stellen, dass die Verfügung für einzelne Bereiche aufgehoben werden soll. Voraussetzung ist ein Konzept zum Gesundheits- und Arbeitsschutz, das den Vorgaben der Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen entspricht.

Hintergrund sind über 1000 positiv auf das Coronavirus getestete Tönnies-Mitarbeiter am Standort in Rheda-Wiedenbrück. Die Befunde hatten zu regionalen Einschränkungen im öffentlichen Leben in den Kreisen Gütersloh und Warendorf geführt.

Infektionszahlen waren zuletzt gesunken

Für den Kreis Gütersloh gelten die Einschränkungen noch bis in die Nacht auf Mittwoch 0 Uhr. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner im Kreis in den vergangenen sieben Tagen war zuletzt weiter gesunken. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 50,5 und damit nur noch knapp über dem Grenzwert von 50, bei dem regionale Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie in Betracht gezogen werden müssen.

Zum Höhepunkt des Corona-Ausbruchs bei Tönnies lag der Wert bei 270,2. Für den benachbarten Kreis Warendorf waren die erneuten Einschränkungen im öffentlichen Leben Ende Juni aufgehoben worden.

Tierärzte warnen vor überfüllten Ställen

Tierärzte warnen angesichts geschlossener Schlachthöfe und verringerter Schlachtkapazitäten vor überfüllten Ställen und längeren Tiertransporten. Durch den Wegfall von mehreren Zehntausend Schlachtungen pro Tag ergäben sich „große Tierschutzprobleme“, teilte die Bundestierärztekammer am Montag mit.

Enger besetzte und überfüllte Ställe könnten besonders bei sommerlichen Temperaturen zu Kreislaufbelastungen für Tiere führen. „Es ist nicht auszuschließen, dass dadurch vermehrt Tiere verenden“, warnten die Experten. Die Transportwege zu anderen Schlachtstätten würden „deutlich länger“.

Laschet wirbt für Hotspot-Strategie

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat in der CDU-Spitze derweil für eine gezielte Hotspot-Strategie im Kampf gegen die Corona-Pandemie geworben. Es solle aus seiner Sicht eine mehr regionale Differenzierung bei möglichen Maßnahmen gegen das Auftreten von Corona-Infektionen an Hotspots geben, zitierten Teilnehmerkreise Laschet am Montag aus der letzten Videoschalte der CDU-Spitze vor der Sommerpause. Eine solche zielgerichtete Strategie dürfe nicht an Kreisgrenzen halt machen. Laschet habe sich zudem für ein Beibehalten der Maskenpflicht im Handel ausgesprochen.

Der aus dem NRW-Kreis Gütersloh stammende Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) lobte Laschet nach diesen Informationen in den Beratungen von Präsidium und Vorstand für dessen „konsequentes Vorgehen“ im Fall Tönnies. Laschet sei voll ins Risiko gegangen, als er dem gesamten Kreis Gütersloh wieder strikte Beschränkungen auferlegt habe. Nun sehe man die Erfolge. Mehrere Sitzungsteilnehmer hoben hervor, Brinkhaus habe Laschet außergewöhnlich deutlich gelobt.

Laschet, der sich wie der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen um den CDU-Vorsitz bewirbt, liegt in der Frage nach dem nächsten Kanzlerkandidaten der Union weit hinter CSU-Chef Markus Söder. Ihm wurde im Gegensatz zu Söder zu forsches Vorgehen bei der Öffnung des öffentlichen Lebens in der Corona-Krise vorgehalten.

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