Kreis Gütersloh: 7-Tage-Inzidenz am Montag bei 49,7 – RKI: 50,5
Infektionsrate pendelt um Grenzwert

Gütersloh (WB). Kurz vor dem möglichen Auslaufen des aktuell bis Dienstag, 24 Uhr, befristeten Lockdowns pendelt die Infektionsrate im Kreis Gütersloh um den Grenzwert von 50. Auf Basis der am Montagvormittag veröffentlichten Daten der Kreisverwaltung liegt die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner aktuell bei 49,7. Am Sonntag lag dieser Wert bei 48 . Das Robert-Koch-Institut (RKI), dessen Daten nachlaufen, errechnete für Montag eine Infektionsrate von 50,5. Das Land muss spätestens morgen über das Ende oder eine weitere Verlängerung des Lockdowns entscheiden.

Montag, 06.07.2020, 12:10 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 19:28 Uhr
Helfer im Drive-In-Testzentrum am Gütersloher Flughafen nehmen von im Auto sitzenden Bürgern Proben für Corona-Tests. Foto: dpa

Wie der Kreis Gütersloh am Montag mitteilte, erhöhte sich die Zahl der bestätigten Infektionen gegenüber dem Vortag um 44 auf nunmehr 2467 Fälle seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der akut Infizierten stieg um 40 auf 513, die der Genesenen erhöhte sich zu Sonntag um 4 auf 1933. Der relativ hohe Zuwachs an neuen Corona-Fällen – der höchste auf Tagesbasis seit fast einer Woche – steht vor allem im Zusammenhang mit den am Wochenende erfolgten Nachtestungen in Tönnies-Haushalten.

Neue Positivfälle bei Nachtestungen in Tönnies-Haushalten

40 mobile Teams waren vor allem in Haushalten mit Tönnies-Beschäftigten unterwegs, in denen bis dato alle Personen negativ getestet worden waren. Hier kam es nun aber offenbar innerhalb der Inkubationszeit auch zu mehreren Positivfällen. Der Kreis sprach am Sonntag von bis dahin rund 1000 Befunden, von denen „fast alle negativ“ gewesen seien. Am Montagnachmittag teilte der Kreis mit, dass von den 44 neuen Positivfällen 42 einen Bezug zum Fleischkonzern haben.

Durch Positivfälle bei diesen Nachtestungen kann die Infektionsrate nach oben getrieben werden. Ob das Land seine Entscheidung über das weitere Vorgehen hiervon abhängig macht, ist aber fraglich. Denn die Tönnies-Beschäftigten und ihre Mitbewohner befinden sich seit mehr als 14 Tagen in Quarantäne, so dass es hier zu keinerlei Übertragung mehr in die Allgemeinbevölkerung gekommen sein dürfte.

Quarantäne-Ende nach weiterem Negativtest

Es stünden aber auch weitere Tests in Tönnies-Haushalten an, die bislang noch gar nicht erfasst und getestet worden seien, sagte Focken. Es kämen durch Hinweise von Ordnungsämtern, aber auch Meldungen der betroffenen Personen selbst weiterhin neue Adressen hinzu. Betroffene können sich beim Kreis per E-Mail (test-me@kreis-guetersloh.de) melden. Zudem wird auch weiterhin in Haushalten getestet, in denen positiv und negativ getestete Personen zusammen leben. In Haushalten von Tönnies-Mitarbeitern wird nur durch entsprechende Negativtests nach Ablauf der 14-tägigen Inkubationszeit die vom Land bis zum 17. Juli verlängerte Quarantäne vorzeitig aufgehoben. Die Ergebnise würden vom Kreis an die Ordnungsämter der Städte weitergegeben, die dann die Quarantäne aufheben. Dies soll inzwischen bei mehreren Hundert Personen der Fall sein.

Abweichungen zwischen Daten von Kreis und RKI

Während der Kreis Gütersloh täglich im Laufe des Tages neueste Zahlen veröffentlicht, wertet das RKI seine Daten immer um 0 Uhr aus und hat damit in der Regel einen zeitlichen Verzug von einem Tag. Das erklärt die – meist geringfügigen – Abweichungen. Daraus ergibt sich auch bei der Infektionsrate eine gewisse Schwankungsbreite. Auf die 364.000 Einwohner des Kreises Gütersloh bezogen bedeutet der Grenzwert von 50 Neuinfektionen binnen einer Woche konkret 182 Fälle. Der Kreis meldete am Montag 181 neue Fälle innerhalb der vergangenen sieben Tage, das RKI mit seiner Stichpunktbewertung 184.

Land hat Entscheidung über Lockdown noch nicht terminiert

Wann das Land über ein Ende oder eine zweite Verlängerung des bis Dienstag, 24 Uhr, befristeten Lockdowns entscheidet, ist noch nicht terminiert. Regierungssprecher Christian Wiermer teilte dem WESTFALEN-BLATT mit, dass Montag oder Dienstag eine Entscheidung getroffen werde, ein genauer Zeitpunkt stehe noch nicht fest. Die formale Zuständigkeit liege einerseits bei Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann sowie bei Maßnahmen vor Ort wie den Kita-Schließungen im Kreis Gütersloh bei Landrat Sven-Georg Adenauer (beide CDU).

Zuletzt hatte die Landesregierung am vergangenen Montag die Verlängerung des Lockdowns für den Kreis Gütersloh um eine zweite Woche bekanntgegeben. Für den Nachbarkreis Warendorf, der soeben bei der Infektionrate den Grenzwert von 50 unterschritten hatte, war zeitgleich verkündet worden, dass die Beschränkungen am Tag darauf auslaufen.

Beratung über Wiederinbetriebnahme des Tönnies-Werks

Derweil sollen an diesem Montag Beratungen zwischen den Behörden und dem Fleischkonzern Tönnies über die Voraussetzungen für eine Wiederinbetriebnahme des Werks in Rheda-Wiedenbrück stattfinden. Nach dem massenhaften Corona-Ausbruch mit mehr als 1300 infizierten Mitarbeitern war der Betrieb am 20. Juni stillgelegt worden. Für das Fleischwerk mit 7000 Beschäftigten besteht offiziell bis zum 17. Juli ein Betriebs- und Betretungsverbot. Unter bestimmten Voraussetzungen und mit einem strengen Hygienekonzept soll die Arbeit aber zumindest in einzelnen Abteilungen auch vorher wieder aufgenommen werden können. Dies muss jeweils genehmigt werden.

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