Gütersloh
Image: „Die besten Botschafter sind wir“

Gütersloh (din) - Der Sensenmann hat den letzten Cowboy aus Gütersloh abgelöst. Im Internet kursiert ein zynisches Musikvideo, vielfach geteilt, in dem der schwarze Mann mit dem Zug nach Gütersloh fährt. Auch an Karikaturen mit Gütersloh-Bezug herrscht gerade kein Mangel. Trägt die Stadt einen dauerhaften Imageschaden davon?

Freitag, 03.07.2020, 19:12 Uhr aktualisiert: 03.07.2020, 20:31 Uhr

 „,Image’ heißt ,Bild’, und das Bild von Stadt und Kreis reduziert sich gerade auf ein Thema, das auf ganz unterschiedlichen Ebenen starke Emotionen hervorruft“, sagt Stadtsprecherin Susanne Zimmermann, die quasi von Berufs wegen in Sorge sein muss. Dagegen könne man protestieren, wie im Fall der Ausraster, denen Gütersloher aufgrund ihres Kennzeichens und ihrer Herkunft derzeit begegneten. Und man könne, wie Bürgermeister Henning Schulz (CDU) das in zahlreichen Statements und Interviews ebenfalls getan habe, unermüdlich zum genauen Hinschauen aufrufen.

„Die besten Botschafter für das Image unserer Stadt sind jedoch wir, die Gütersloher und Gütersloherinnen“, erklärt Zimmermann. Deshalb sei es neben allen professionellen Maßnahmen des Stadtmarketings „ebenso entscheidend, dass wir selbst gerade jetzt die Kraft behalten, selbstbewusst und bei jeder Gelegenheit die Stärken unserer Stadt vertreten, Zusammenhalt zeigen und Gegenpole gegen die Reduzierung auf einen Corona-Hotspot setzen“. Das sei in den digitalen Netzwerken in Text, Bild, Herzchen und Likes und manchmal auch mit Trotz durchaus schon wahrzunehmen.

„Gütersloh wird aktuell leider immer wieder im negativen Zusammenhang mit den Vorkommnissen bei Tönnies erwähnt und somit ist natürlich ein Imageschaden für die Stadt und den ganzen Kreis entstanden“, sagt auch Jan-Erik Weinekötter, Geschäftsführer von Gütersloh Marketing. „Da diese akute Situation zeitlich begrenzt ist, gilt es danach, sehr schnell wieder zu der Betonung der positiven Werte für unseren Kreis und unsere Stadt zurückzukehren.“ Auch Gütersloh Marketing werde dazu durch verschiedene Projekte, Formate und nochmals verstärkte Marketingaktivitäten „einen hohen Beitrag hierzu leisten können“. Für die zweite Jahreshälfte würden Formate in mehreren Alternativen geplant, „um auf die dynamischen Veränderungen der Gesamtsituation besonders bei Veranstaltungen und anderen innerstädtischen Aktivitäten reagieren zu können“. In der jetzigen Situation sei es „sehr schwierig“, konkreter zu werden, erklärt Weinekötter.

„Wer wünscht sich nicht, den Namen seiner Stadt einmal in allen großen internationalen Medien zu hören und zu lesen“, räumt Zimmermann ein. „Der Anlass ist allerdings alles andere als wünschenswert.“ Ähnlich formulierte es Schulz in der jüngsten Ratssitzung. Als Bürgermeister sähe man sich gern in der „New York Times“ – aber nicht so . . .

Gütersloh ist nicht Rheda-Wiedenbrück

Was viele Gütersloher besonders ärgert: Außerhalb des Kreises wird oftmals von Gütersloh gesprochen, obwohl Tönnies, Ursache des gesamten Geschehens, seinen Sitz in Rheda-Wiedenbrück hat. Das bleibe noch länger an der Stadt haften, klagte unlängst Matthias Trepper (SPD) im Rat. Und Bürgermeister Henning Schulz (CDU) wies darauf hin, die Stadt Gütersloh habe von Tönnies „keinen Cent Gewerbesteuer“ gesehen und trage nur die sozialen Lasten. Man könnte hinzufügen: und den Imageschaden.

„Zeit“-Autor Peter Dausend, der im Internet zur Dalkestadt recherchiert hat und dabei auf den Pavenstädter Becher gestoßen ist, stellt die Frage: „Vielleicht sollte man ihn in diesen Tagen mit Steinhäger Wacholderschnaps oder Verler Heimatwasser füllen – dann können die Einheimischen ihren Ärger und ihren Frust wenigstens mit Hochprozentigem aus der Region runterspülen. Und aus einem Gefäß, das in seinen Ausmaßen an Ärger und Frust wenigstens halbwegs heranreicht.“

Der aus dem 17. Jahrhundert stammende und 1951 im Mündungsgebiet von Dalke und Wapel gefundene Ton-Becher misst immerhin 40 Zentimeter in der Höhe und fasst 12 Liter. Bechern ist sicher keine Lösung. Vielmehr könnten „Ruhe und Gelassenheit“ helfen, Eigenschaften, die der „Zeit“-Autor den Güterslohern ebenfalls zuordnet.

„Im Übrigen macht auch der Erfahrungshorizont derer Mut, die Ähnliches durchgemacht haben“, sagt Susanne Zimmermann: „Danke Heinsberg.“

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