Spätestens am Dienstag muss eine Entscheidung getroffen werden
Wird der Lockdown verlängert?

Wie lange dauern die Einschränkungen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf noch an? Nachdem Warendorf bei einer wichtigen Marke im grünen Bereich ist, schauen nun alle nach Gütersloh. Spätestens Dienstag muss zum regionalen Lockdown eine Entscheidung fallen.

Montag, 29.06.2020, 10:31 Uhr aktualisiert: 29.06.2020, 10:38 Uhr
Mitarbeiter testen am Flughafen Gütersloh in einem Drive-In in einem ehemaligen Hubschrauber-Hangar die Insassen eines Fahrzeuges auf Corona. Für die Landkreise Gütersloh und Warendorf gilt seit dem 23. Juni nach einem massiven Coronavirus-Ausbruch in einem Schlachthof ein Lockdown. Foto: Jonas Güttler/dpa

Gütersloh/Warendorf (dpa). Kurz vor der Entscheidung über das Auslaufen oder Verlängern des regionalen Lockdowns in zwei Kreisen von Nordrhein-Westfalen gibt es Lichtblicke in der Region. Allerdings liegt der besonders stark vom Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies betroffene Kreis Gütersloh bei einer wichtigen Kennziffer in der Pandemie-Bekämpfung noch zu hoch – trotz einer weiter sinkenden Tendenz.

Deshalb scheint bisher für den Kreis Gütersloh auch eine Verlängerung des regionalen Lockdowns um einige wenige Tage nicht ausgeschlossen zu sein. Im benachbarten Kreis Warendorf bewegt sich die sogenannte Sieben Tage-Inzidenz hingegen schon seit Tagen deutlich unter der entscheidenden Marke von 50, die in der Diskussion um Schutzmaßnahmen sowie der Bundesländern eine Rolle spielt.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte am Samstag erklärt, dass nach der Auswertung von erwarteten weiteren Tausenden Testergebnissen eine Entscheidung zu den Einschränkungen in der Region getroffen werden solle. Die Entscheidung muss spätestens am Dienstag fallen, weil der regionale Lockdown bis 30. Juni befristet ist.

Am Montagnachmittag treten um 15 Uhr die Landräte der Kreise Gütersloh und Warendorf sowie die Landesregierung vor die Presse, um über die aktuelle Lage in der Region zu informieren.

Bisher „Lockdown light“

Die erneuten Einschränkungen waren in den Kreisen Gütersloh und Warendorf am Mittwoch in Kraft getreten. Betroffen sind rund 640 000 Einwohner. Im öffentlichen Raum dürfen nur noch zwei Menschen oder Menschen aus einem Familien- oder Haushaltsverbund zusammentreffen.

Eine Reihe von Freizeitaktivitäten soll unterbleiben. Museen, Kinos, Fitnessstudios und Hallenschwimmbäder müssen geschlossen bleiben. Kitas ebenfalls. Vertreter der Kreise sprachen von einem „Lockdown light“, da Geschäfte und Restaurants weiter öffnen dürften.

Infektionsgeschehen außerhalb von Tönnies überschaubar

Nach dem großen Corona-Ausbruch in einem Tönnies-Fleischbetrieb im Kreis Gütersloh sehen die Behörden in NRW bisher keine Anzeichen dafür, dass sich das Virus in größerem Umfang in der Bevölkerung verbreitet hat.

Der Kreis Gütersloh berichtete am Samstagabend, die Zahl der nachweislich mit Sars-CoV-2 Infizierten, die keinen direkten Bezug zur Tönnies-Belegschaft haben, sei zuletzt zwar merklich angestiegen. Der Grund seien aber wohl vor allem die deutlich umfangreicheren Tests. Viele der Infizierten zeigten keine Symptome.

Vom 21. bis 27. Juni sind demnach 107 Fälle in der übrigen Bevölkerung des Kreises Gütersloh bekannt geworden. Das sind 32 mehr als am Vortag berichtet. Ein gutes Zeichen sei, dass es keinen Anstieg der Erkrankten gebe, erläuterte der Kreis in einer Mitteilung vom Sonntag.

Laumann berichtete nach dem Besuch eines Testzentrums auf einem ehemaligen Militärflugplatz in Gütersloh, dass bei rund 4100 Tests in der Allgemeinbevölkerung nur neun Infektionen nachgewiesen worden seien. Diese Zahlen beziehen sich laut dem Kreis auf die Diagnosezentren.

Testungen auch in Pflegeheimen und bei Erntehelfern

Der Kreis Warendorf sieht nach dem Ausbruch bei Tönnies bisher keine Anzeichen für eine Ausbreitung des Virus unter der übrigen Bevölkerung, wie Landrat Olaf Gericke (CDU) am späten Samstagabend erklärte. Nach Angaben des Kreises waren nur zwei der insgesamt 4491 Corona-Tests positiv, die bis Samstagnachmittag in den Testzentren Oelde und Ahlen sowie bei Ärzten ausgewertet wurden.

Unabhängig von den freiwilligen Reihentests der Bevölkerung habe es Testungen in Pflegeheimen, bei Erntehelfern und in Fleischbetrieben gegeben. „Über 7000 Ergebnisse davon liegen vor – alle waren negativ“, hieß es.

Kennziffer der Neuinfektionen liegt über 50

Nach den jüngsten Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) von Montag ist die Kennziffer der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage im Kreis Gütersloh auf 112,6 solcher Fälle zurückgegangen. Zuvor lag die Sieben Tage-Inzidenz bei 132,9 am Sonntag und 164,2 am Samstag. Am Dienstag betrug der Wert laut NRW-Gesundheitsministerium noch 270,2.

Im benachbarten Kreis Warendorf, in dem ebenfalls viele Mitarbeiter aus dem Tönnies-Werk Rheda-Wiedenbrück wohnen, hat die Kennziffer der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner am Montag nach den RKI-Daten 22,0 betragen; Sonntag lag der Wert bei 21,2.

Infektionsherd Tönnies

Mehr als 1500 Tönnies-Mitarbeiter waren nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Das hatte umfangreiche Schutzmaßnahmen von einer Quarantäne für Tausende Menschen bis hin zur Schließung von Schulen und Kitas in der Region geführt.

In den vergangenen Tagen gab es in der Region einen großen Andrang auf die Corona-Testungen. Viele Menschen, die in den Urlaub fahren wollen, standen stundenlang Schlange, um ein Testergebnis wegen möglicher Vorgaben in einigen deutschen Urlaubsregionen vorweisen zu können. Die Bundesländer einigten sich auf ein einheitliches Vorgehen. Die Sommerferien begannen im bevölkerungsreichsten Bundesland am Samstag.

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