Gütersloh
Corona-Schutz aus Gütersloh für den Landtag

Gütersloh (dop) -  Aus Gütersloh kommen nicht nur Hiobsbotschaften zu Corona, sondern auch gute: Dass die NRW-Landtags-Politiker  ihre letzte Sitzung vor der Sommerpause ohne Abstandsregelung halten konnten, haben sie einem Gütersloher zu verdanken: Frederik Flötotto und seinen Acrylglas-Kabinen.

Mittwoch, 24.06.2020, 15:57 Uhr aktualisiert: 24.06.2020, 16:46 Uhr

 Der Geschäftsführer der gleichnamigen Möbelfirma in Isselhorst hat den Düsseldorfer Plenarsaal mit einem speziellen Virenschutz ausgestattet. 240 Boxen wurden installiert.

Bei Flötottos Produkt „Protect parliament“ handelt es sich um die gleiche Nies- und Hustenschutz-Vorrichtung, die das heimische Unternehmen – wie berichtet – im Mai für Klassenräume unter dem Namen „Protect classroom“ vorgestellt hat. Die Acrylglas-Kabinen bestehen aus jeweils drei verschraubbaren Plexiglasscheiben, die mit Saugnäpfen auf den Tischen befestigt werden, so dass sie mobil einsetzbar sind und rückstandslos wieder entfernt werden können. Weshalb Flötotto sich letztlich wohl auch gegen konkurrierende Anbieter durchgesetzt hat.

Für die Politiker haben die Isselhorster Einrichtungssystem-Spezialisten das Projekt sogar noch dahingehend weiterentwickelt, dass sie maßlich angepasst wurden an die variierenden Tischgrößen in den Plenarsaalreihen. Die Schul-Produkt-Linie ist standardisiert. L

andtags-Präsident André Kuper freut sich, dass die Kabinen aus seinem Heimatkreis geliefert wurden. „Als Abgeordnete, die aus ganz Nordrhein-Westfalen zusammenkommen, haben wir eine Verantwortung für die Menschen im Land. Und diese Verantwortung nehmen wir unter besonderen Bedingungen im Plenarsaal wahr. Es ist wichtig, dass wir das Infektionsrisiko gering halten.“

32 000 Euro hat Düsseldorf für die Kabinen bezahlt. Fest installierte Boxen hätten das Doppelte gekostet. Das hat auch die Politiker in Baden-Württemberg, Bayern, Bremen und Rheinland-Pfalz aufhorchen lassen. Sie haben jetzt ihr Interesse bekundet. Gegenüber dieser Zeitung erklärte Frederik Flötotto: „Unsere Chancen scheinen gut zu stehen. Wir sind mit den vier Landesparlamenten schon in der sogenannten Begutachtungsphase.“

Wobei die Isselhorster Möbelmacher auch einen Anschlussvertrag für den Düsseldorfer Landtag nicht aus den Augen verlieren wollen. Dort sollen in den Sommerferien die beiden größten Ausschusssäle auch noch mit den Acrylglas-Kabinen made in Gütersloh ausgestattet werden, damit auch in Corona-Zeiten wieder mehr Ausschüsse in normaler Größe und voller Besetzung tagen können und auch mehr Plätze für Besucher und Presse zur Verfügung stehen. 

Hergestellt wird der durchsichtige Virenschutz allerdings nicht in Isselhorst, sondern im niederrheinischen Rees im Kreis Kleve. Um sich vor Raubkopien zu schützen, hat Frederick Flötotto das bestehende Design für Klassenzimmer und Parlamente schützen lassen. Es ist nun als sogenanntes „Gemeinschafts- und Gebrauchsmuster“ beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) im spanischen Alicante angemeldet. Eine Vorstufe zum Patent.

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