Gütersloh
Richter zieht Bilanz für Runden Tisch

Gütersloh (akl) - Die Aufgabe ist bekannt: Im Rahmen der EU-Freizügigkeit ziehen seit 2012 vermehrt Migranten aus Osteuropa auch nach Gütersloh. Unter ihnen befinden sich viele Werkvertragsarbeiter. In Gütersloh leben aktuell gut 5000 Menschen aus Bulgarien, Polen und Rumänien.

Mittwoch, 10.06.2020, 16:26 Uhr aktualisiert: 10.06.2020, 20:46 Uhr

Im April 2018 hat der Rat der Stadt einen Runden Tisch WerkvertragsarbeitnehmerInnen eingerichtet. Vertreter der Verwaltung und des Rates der Stadt, Wohlfahrtsverbände und beteiligte Firmen beschäftigten sich in bisher fünf Sitzungen mit der Situation der Werkvertragsarbeitnehmer in Gütersloh. Volker Richter, Vorsitzender des Runden Tischs und Bürgermeister-Kandidat der SPD, stellte am Mittwoch in einem Pressegespräch die bisherigen Ergebnisse und Schlussfolgerungen vor.

Die Runde stellte demnach erhebliche Integrationsdefizite unter den Migranten fest. Sie sollen durch gezielte Maßnahmen besser gefördert werden. Ansonsten besteht laut Richter die Gefahr, dass eine Parallelgesellschaft entstehe. Die aus knapp 30 Personen bestehende Runde einigte sich darauf, dass Maßnahmen im Bereich Sprache, Bildung, Beratung und Wohnen ergriffen werden müssen.

Gerade das Erlernen der deutschen Sprache sei eine grundlegende Voraussetzung zur Integration. Organisatorische Einzelheiten, wie Angebote zum Spracherwerb etabliert werden sollen, sind jedoch noch nicht geklärt. Wer trägt die Kosten? Wie kann eine regelmäßige Teilnahme bei Arbeit in Wechselschichten garantiert werden? Wo finden die Kurse statt? All diese Fragen sind noch zu klären.

Im Bereich Bildung soll es mehr Schulsozialarbeiter geben, zudem Freistellungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer, um an Elterngesprächen in der Schule teilnehmen zu können. Da die Migranten in einem fremden Land Hilfe im Umgang mit Behörden, Schulen und zur Gestaltung des Alltags benötigen, sind sie auf Beratung und Unterstützung angewiesen. Beratungsangebote sollen kostenlos für die Migranten zugängig sein. Festgelegt werden sollen Standards für den Wohnraum der Werkvertragsarbeitnehmer. Dabei kommt es zu einer Kooperation mit der Stadt Rheda-Wiedenbrück, wo es solche Standards bereits gibt. Im Blickpunkt stehen die Probleme der eingeschränkten Möglichkeiten der Wohnraumkontrolle und die Kopplung von Arbeits- und Mietvertrag.

Nach zwei abschließenden Treffen will der Runde Tisch im August einen Beschluss mit verbindlichen und konkreten Maßnahmen im Sozialausschuss vorlegen. Bei den Kosten der Maßnahmen hielt sich der Vorsitzende Richter noch bedeckt. Erst wenn die konkreten Maßnahmen feststehen, könne man diese beziffern. Einfluss haben wird außerdem ein neues Gesetz von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), das Werkverträge in der Fleischindustrie ab dem 1. Januar 2021 verbietet. „Die sozialen Probleme der Arbeiter werden sich dadurch jedoch nicht in Luft auflösen“, so Richter.

Zudem sei nicht ausschließlich die Fleischindustrie, sondern unter anderem auch die Logistikbranche betroffen. „Wir befinden uns in einem Prozess, der noch lange andauern wird“, sagt Richter als Ausblick in die Zukunft.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7445063?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Als Curko den Fehdehandschuh warf
Der 20. Oktober 2000 war der Tag, an dem Goran Curko bei Arminia die Brocken hinwarf. Der damals 32 Jahre alte Serbe hatte sich mit den Fans angelegt. Weil er beim Spiel gegen Mannheim vorzeitig den Platz verließ, durfte Dennis Eilhoff ins Tor. Foto: Hörttrich
Nachrichten-Ticker