Gütersloh
Kniefall gegen Rassismus vor dem Rathaus

Gütersloh (jhr) - Auch in Gütersloh haben sich am Samstag Demonstranten gegen Rassismus und Gewalt ausgesprochen. Mehrere 100 meist junge Bürger protestierten vor dem Rathaus.

Sonntag, 07.06.2020, 15:50 Uhr aktualisiert: 07.06.2020, 16:31 Uhr

Minneapolis, USA, 25. Mai 2020, 20.29 Uhr Ortszeit: Der Afroamerikaner George Floyd wird nach einem gewaltsamen Polizeieinsatz mit dem Krankenwagen abtransportiert und wenig später im Krankenhaus für tot erklärt. Dieser Vorfall hat heftige Proteste in den Vereinigten Staaten von Amerika ausgelöst – und inzwischen auch in Europa.

Kniefall als Symbol des Widerstands

Auch in Gütersloh haben Bürger gegen Diskriminierung protestiert. Am Samstagmittag versammelten sich etwa 100 Bürger vor dem Gütersloher Rathaus, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren und ein Zeichen für Toleranz und Menschenrechte zu setzen. Organisiert hatte die Demonstration die Abiturientin Greta Giesen (18) mit ihren Freundinnen Emily Kim Büdinger (16) und Júlia Celma Werthwein (18). Um 14 Uhr wurde mit einer Schweigeminute des Verstorbenen Floyd und aller Toten, die Opfer rassistischer Gewalt wurden, gedacht. Dazu knieten sich die Teilnehmer auf den Rathausplatz und streckten ihre Fäuste gen Himmel. Der Kniefall – eigentlich eine Geste der Demut – ist inzwischen zum Symbol des Widerstands gegen Rassismus geworden.

Jedes Leben gleich wertvoll

In einer flammenden Rede griff die Organisatorin Greta Giesen die Worte George Floyds auf. „I can’t breathe (Ich kann nicht atmen)“, sagte er, als drei Polizisten Druck auf seinen Nacken, seinen Bauch und seine Beine ausübten. „Ich kann nicht atmen, wenn ich sehe, dass auch bei uns in Deutschland immer noch Menschen wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden“, rief Greta Giesen am Samstag ihren Mitstreitern zu. „Es kann nicht sein, weil es nur eine Rasse auf dieser Erde gibt: den Menschen. Ich finde es wahnsinnig traurig, dass wir hier heute stehen und daran erinnern müssen, dass jedes Leben gleich wertvoll ist. Es sollte selbstverständlich sein.“ Tosender Applaus.

Schweigen ist Gewalt

Die Demonstranten hielten selbstgebastelte Plakate in den Händen. Sie trugen die Aufschriften „Black Lives matter (Schwarze Leben zählen)“, „Enough is enough (Genug ist genug)“ oder „Silence is Violence (Schweigen ist Gewalt)“. Es waren überwiegend junge Menschen aber auch viele Erwachsene, die sich an der Demonstration beteiligten. Die Redner wurden nicht vorher festgelegt, sondern durften nach dem „Open Mind Prinzip“ sprechen: Jeder der etwas sagen wollte, durfte das tun.

„Ich bin genauso deutsch wie ihr alle“

Besonders emotional ist der Beitrag von Sarah Efeoghene Rukvwe Alawuru: Die in Gütersloh geborene Frau berichtet von Alltagsrassismus. „Als ich in die Schule kam, sagte meine Mutter nicht zu mir: ,Viel Spaß in der Schule‘ sondern: ,Pass auf, dass du keinen Ärger bekommst, weil du anders bist als die anderen‘. Ich fühle mich als Gütersloherin, weil ich hier geboren wurde. Ich bin genauso deutsch wie ihr alle.“ Wieder tosender Applaus.

Hoffnung, dass die nächste Generation keine Probleme mit Rassismus mehr hat

Mit Tränen in den Augen schildert Sarah Efeoghene Rukvwe Alawuru ein Erlebnis im Zug. Als sie ihre Fahrkarte dem Kontrolleur zeigt, sagt er zu ihr, dass Schwarzfahren in Deutschland nicht erlaubt sei. „Ich habe es satt, zu hören, ich bin kein Rassist, aber . . . Entweder du bist Rassist oder du bist keiner.“ Dazwischen gebe es keine Grauzone. „Ich bin stolz darauf, hier zu leben“, betont die junge Frau. „Und ich wünsche mir, dass meine Kinder irgendwann nicht mehr diese Probleme haben, gegen die wir heute ein Zeichen setzen.“ Mit diesen Worten schließt sie ihre Rede und verlässt unter dem Jubel der Menge das Podium. Ein anderer Redner bringt es auf den Punkt: „Rassismus geht uns alle an. Und wer wegschaut, ist kein Unbeteiligter, sondern Teil des Problems.“

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