Simon Bethlehem vom Verein Grünhelme baut Schulen in armen Ländern
Warten auf die Rückkehr nach Afrika

Gütersloh (WB). Das Wasser und den Sand für den Beton holen die Dorfbewohner jeden Morgen aus dem Fluss, der durch Mansadu fließt. Und weil der Sand keine Kieselsteine enthält, die für den Beton nötig sind, machen sich die Menschen die kleinen Steine selbst – indem sie Stücke von größeren Brocken abschlagen.

Donnerstag, 04.06.2020, 03:50 Uhr aktualisiert: 04.06.2020, 05:01 Uhr
Corona hat den Gütersloher Simon Bethlehem nach Hause geführt. Foto: Althoff

„Es macht Spaß, zu sehen, dass man auch so ans Ziel kommt”, sagt Simon Bethlehem (33) aus Gütersloh. Der Tischler ist einer von drei hauptberuflichen Mitarbeitern der Grünhelme. Die deutsche Hilfsorganisation wurde 2003 von Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck ins Leben gerufen und baut in armen Ländern Schulen und andere Gemeinschaftsstrukturen – weil es sie dort noch nie gab oder sie durch Naturkatastrophen oder Kriege zerstört wurden.

„Wir sind am 22. März mit der letzten Maschine aus Sierra Leone herausgekommen, bevor der Flughafen wegen Corona geschlossen wurde”, sagt der 33-Jährige, der im Moment wieder in Gütersloh lebt. In dem westafrikanischen Land hatte er seit 2019 in Mansadu den Bau einer Dorfschule geleitet. „Sie ist fast fertig. Ich hoffe, dass wir sie im Herbst vollenden können.”

Simon Bethlehem ist nicht nur Tischler. Er hat auch einen Abschluss in Politik und Volkswirtschaft und einen Master in Friedens- und Konfliktforschung. Als Student arbeitete er in den Semesterferien ehrenamtlich für die Grünhelme, seit 2017 ist das nun sein Beruf. Der hat den Projektleiter schon nach Mosambik, in den Libanon, den Irak, nach Nepal, Mauretanien, nach Kenia und in den Kongo geführt. Und nicht immer waren die Einsätze so ungefährlich wie der aktuelle in Sierra Leone: „Im Irak kämpfte der IS drei Kilometer von uns entfernt.”

Den Grünhelmen ist es wichtig, die Menschen in anderen Ländern vom ersten Tag an in die Projekte einzubeziehen. „In afrikanischen Ländern spreche ich immer erst mit dem Bildungsministerium und den Schulbehörden und höre deren Vorschläge für Schulstandorte.” Dann fahre er dorthin und unterhalte sich mit dem örtlichen Chief. „Das ist so eine Art Häuptling. Der hat das Sagen. Der entscheidet einen Nachbarstreit um eine Ziege, der ist aber auch für die Verteilung von Land zuständig.” Die Schulen gibt es nicht geschenkt, die Dörfer müssen mithelfen. „Und das geht nur, wenn der Chief dahintersteht.”

In Mansadu zum Beispiel musste das Dorf organisieren, dass Freiwillige jeden Morgen um 7 Uhr Sand und Wasser aus dem Fluss zur Baustelle schaffen. „Die Anlaufschwierigkeiten kann man sich vorstellen”, sagt Simon Bethlehem und lacht. Auf der Baustelle werden Dorfbewohner von der deutschen Hilfsorganisation zum ortsüblichen Tageslohn beschäftigt: 2,50 Euro für Hilfsarbeiter, fünf Euro für Fachkräfte.

In Mosambik konnten Einheimische aus dem Lehmboden Ziegel für ihre Schule brennen. Das ist in Sierra Leone nicht möglich: „Der Boden eignet sich nicht. Wir haben deshalb Formen aus Stahl geschweißt und stellen vor Ort Hohlblocksteine aus Zement her”, sagt Bethlehem. Angeleitet werden die einheimischen Arbeiter von Freiwilligen aus Deutschland – Architekten, Maurern und Zimmerleuten, die sich für mindestens drei Monate in den Dienst der Grünhelme stellen und ihr Wissen an die örtlichen Arbeiter weitergeben. Simon Bethlehem: „Ich überwache ein Projekt meistens die ersten vier Wochen. Wenn es läuft, betreue ich den Bau aus der Ferne weiter und starte das nächste Projekt.” Für die freiwilligen Helfer aus Deutschland sei die Arbeit in Afrika oft eine große Umstellung, sagt der Westfale. „In Mansadu zum Beispiel gibt es nur Reis mit Maniokblättern, Reis mit Erdnusssoße und Reis mit Süßkartoffelblättern. Sonst nichts. Das Klo ist ein Loch im Boden und das Bad ein Eimer mit Wasser aus dem Brunnen. Und manchmal leben wir zu dritt in einem kleinen Raum.”

Der Corona-Shutdown hat das Projekt in Sierra Leone vorerst gestoppt. „Für die Menschen dort ist das Virus eine Katastrophe. Wenn einer positiv getestet ist, sperren sie ihn in sein Haus und stellen einen Soldaten davor. Dass der Betroffene sich nicht mehr um seine Familie kümmern kann und die deshalb vielleicht nichts zu essen hat – das kümmert niemanden.”

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7434897?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Bundestag beschließt schrittweisen Kohleausstieg
Ein Schaufelradbagger soll bis 2038 weiter machen können.
Nachrichten-Ticker