Gütersloh
Kirmesorgel erklingt vor Seniorenheimen

Gütersloh (jed) - In Altenheimen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern herrscht striktes Besuchsverbot. Nicht sanktioniert ist die lebensbereichernde musikalische Unterhaltung für Bewohner, Patienten oder Personal vor dem Gebäude.

Freitag, 03.04.2020, 20:25 Uhr aktualisiert: 04.04.2020, 05:01 Uhr

Genau das machten sich am Freitag Kirmeschef August Schneider (89) und sein jüngerer Bruder Walter (88) zunutze. Organisatorisch unterstützt von Veranstaltungsmanager Nobby Morkes, schenkte das Duo den Bewohnern des Katharina-Luther-Hauses, des Kursana-Domizils, des Seniorenzentrums am Bachschemm sowie des Klinikums Gütersloh mit einer historischen Musikorgel jeweils halbstündige Gratis-Konzerte.

Mit ihren mehr als 100 Jahren ist Schneiders Konzertorgel nur unwesentlich älter als die Brüder. Sie gilt immer noch als technisches Meisterwerk. Das um die Jahrhundertwende von August Schneiders Großvater Fritz erworbene Musikinstrument mit seinen 336 Stimmen ist seit mittlerweile vier Generationen im Besitz der Schaustellerfamilie. In den 1930er-Jahren diente sie auf Volksfesten zur Unterhaltung der Besucher. 1970 wurde sie restauriert.

Laut Aufschrift auf den aufklappbaren Seitenteilen vereint das Instrument „den Tonumfang einer Kirchenorgel mit der Lautstärke einer Blaskapelle und der Mixtur einer Flöte“. Genau das stellte das Instrument mit Liedern wie „Das ist die Berliner Luft“ , „Wenn die Liebe stirbt“ und „Es war in Schöneberg“ eindrucksvoll unter Beweis. Besitzer Walter Schneider hatte aus seiner umfangreichen Vorlagensammlung bewusst nur „die Kiste mit den ganz alten Schätzchen“ heraus gesucht.

Die Idee der Livemusikkonzerte für betagte Senioren stammte vom Präsidenten des Schaustellerverbands höchstpersönlich. An seinem Wohnort Essen bescherte Albert Ritter den Frauen und Männern eines Awo-Altersheimes mit einer ebenfalls antiken Musikorgel einen wunderbaren Nachmittag.

Als der Gütersloher Kirmeschef davon hörte, nahm er umgehend Kontakt zum jüngsten seiner beiden Brüder auf. Nach einem „viertägigen Kraftakt“ hatte Nobby Morkes außer den notwendigen städtischen Genehmigungen auch den Fahrplan für Freitag stehen. Die Organisatoren der vier Gratis-Konzerte wollten damit laut August Schneider ihre „Solidarität mit älteren Menschen in Krisenzeiten“ unter Beweis stellen.

Nobby Morkes: „Für jüngere Leute gibt es derzeit jede Menge Streaming-Angebote oder Musik im Internet. Menschen in den Pflegeeinrichtungen haben oftmals kein iPad oder iPhone, deshalb die Musikorgel.“

Bei den Hausleitungen wurden die Schausteller mit offenen Armen empfangen. Siegfried Wolff vom Katharina-Luther-Haus: „Die Musikorgel steht für Unterhaltung und Teilhabe am Leben. Der Alltag unserer 99 Bewohner hier ist derzeit stark eingeschränkt. Sie dürfen nicht hinaus, ihre Angehörigen nicht hinein.“

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