Gütersloh
Bertelsmann Stiftung baut in Gütersloh um

Gütersloh (din) - Die Bertelsmann Stiftung will den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Im Mittelpunkt steht dabei die Europäische Union. Ihren Beitrag leistet die Stiftung unter anderem mit Foren, bei denen sie Politiker, Wirtschaftslenker, Wissenschaftler und andere Entscheider zusammenbringt.

Mittwoch, 04.03.2020, 19:21 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 11:17 Uhr

In Zeiten, in denen Demokratien unter wachsenden Druck von Populisten gerieten, brauche man wieder „ein gemeinsames Verständnis von Werten“, sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Liz Mohn am Mittwoch beim Jahresgespräch der Stiftung in Gütersloh. „Toleranz, Freiheit, Solidarität: Sie sind das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft.“

Erforderlich sei der Austausch über Gesellschaftsbereiche hinweg. „Wir brauchen ein Wir-Gefühl. Dazu müssen sich Menschen offen begegnen können. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft müssen zusammenarbeiten, um gemeinsam nachhaltige Lösungen zu entwickeln.“ Mohn verwies zum Beispiel auf eine Veranstaltung Anfang März in Berlin mit Außenminister Heiko Maas (SPD), bei der 75 Teilnehmer aus Polen, Frankreich und Deutschland die Frage erörterten, was die Bürger bewegt.

Einen zweiten Arbeitsschwerpunkt will die Stiftung in diesem Jahr beim Thema Innovation setzen. „Wir müssen die kleinen und mittelständischen Unternehmen insbesondere im ländlichen Raum befähigen, sich Innovationen zunutze zu machen und anschlussfähig zu werden an die internationalen technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen“, erklärte Vorstandsmitglied Dr. Brigitte Mohn. Die Region Ostwestfalen-Lippe sei dabei schon Vorbild und der Mittelstand sehr stark. „Unser Anspruch muss es sein, dass die Digitalisierung und Innovationen regionale Unterschiede nicht verstärken, sondern helfen, sie zu verringern.“

Mit dem Thema Innovation beschäftigt sich auch der Reinhard-Mohn-Preis. Er wird am 3. September im Gütersloher Theater an Chemi Peres (61), israelischer Unternehmer und Vorsitzender des „Peres Center for Peace and Innovation“ (Tel Aviv), verliehen. Der Sohn des 2016 gestorbenen Friedensnobelpreisträgers Shimon Peres setzt sich laut Brigitte Mohn „mit großer Tatkraft und Weitsicht für die Förderung von Innovationen und wirtschaftlichem Fortschritt in Israel ein“. Die Laudatio hält Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt.

Work-Café mit individuellen Arbeitsplätzen

Unterdessen wird am Stiftungssitz an der Carl-Bertelsmann-Straße im ehemaligen Innenhof gebaut. Das Erdgeschoss wird geschlossen und es entsteht unter anderem ein Work-Café mit individuellen Arbeitsplätzen. Die Kosten für die noch bis Ende des Jahres laufenden umfangreichen Baumaßnahmen bezifferte Vorstandsmitglied Dr. Jörg Dräger auf rund 3,5 Millionen Euro.

Bereits seit dem Spätherbst genutzt wird die neue Außenstelle am Werderschen Markt in Berlin. Dort hat die Stiftung in einem Neubau vier Etagen gekauft, auf denen Büros, Konferenz- und Empfangsräume zur Verfügung stehen. Dauerhaft arbeiten in Berlin das Team Asien und das Europaprogramm sowie das Portal Weiße Liste. Eine offizielle Eröffnung soll am 27. April folgen.

Vorstandschef kommt im August

Nach dem Ausscheiden des Niederländers Aart De Geus zum Jahresende hat die Bertelsmann Stiftung zurzeit keinen Vorstandsvorsitzenden. Der bereits vom Kuratorium berufene Nachfolger Dr. Ralph Heck wird seinen Posten Anfang August antreten. Er nehme schon an Sitzungen teil, berichtete Liz Mohn.

Die Bertelsmann Stiftung hat im Jahr 2019 70 Projekte aus den Themenfeldern Bildung, Demokratie, Europa, Gesundheit, Werte und Wirtschaft bearbeitet. Für ihre Aufgaben wendete sie 90,5 Millionen Euro auf. Davon wurden 52 Millionen Euro in die direkte Programm- und Projektarbeit investiert.

13,6 Millionen Euro flossen in die Förderung der „Satelliten“ wie zum Beispiel der Founders Foundation in Bielefeld. Damit haben sich die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um rund 3,5 Millionen Euro erhöht. Für 2020 wird laut Jörg Dräger mit einem Gesamtaufwand von 92 bis 95 Millionen Euro gerechnet.

Vom Bertelsmann-Konzern hat die Stiftung 2019 eine Dividende von 124,2 Millionen Euro erhalten. Hinzu kamen weitere Erträge in Höhe von 5,8 Millionen Euro. Die Rücklage wurde um 42 Millionen auf 534 Millionen Euro erhöht.

Die Bertelsmann Stiftung beschäftigt derzeit 386 Mitarbeiter (Vorjahr 380), darunter 334 Ganztagskräfte.

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