Gütersloh Cinestar gibt Standort Gütersloh auf

Gütersloh (sib/din) - Die Kinokette Cinemaxx übernimmt den Wettbewerber Cinestar - unter Auflagen. Das Bundeskartellamt hat am Montag angewiesen, dass die Betreiber vor dem Zusammenschluss Kinos in sechs Städten an Mitbewerber verkaufen müssen. Betroffen ist auch der Standort Gütersloh.

„In sechs Regionen hätte die Übernahme dazu geführt, dass ein Großteil des Kinoangebots künftig von einem einzigen Unternehmen angeboten worden wäre. Eine solche Beeinträchtigung des Wettbewerbs kann zu Nachteilen für die Verbraucher führen“, argumentierte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts.

Außer Gütersloh seien die Cinestar-Standorte in Augsburg, Bremen, Magdeburg und Remscheid sowie das Cinemaxx-Kino in Mülheim an der Ruhr betroffen - sie müssen innerhalb der nächsten sechs Monate verkauft werden.

Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock begrüßte die Entscheidung: „Wir freuen uns, eine bedingte Genehmigungsentscheidung vom Bundeskartellamt erhalten zu haben. Beide Parteien werden nun auf eine effiziente und pragmatische Art und Weise die geforderte Veräußerung der sechs Standorte umsetzen. Kinogutscheine behalten ihre Gültigkeit.“

Darüber, was das genau bedeuten soll, wann das Gütersloher Cinestar-Kino verkauft werden soll und was das für die Zukunft bedeutet – sowohl für die hiesige Kinolandschaft als auch für die Mitarbeiter – gab der Betreiber auf Anfrage dieser Zeitung noch keine Auskunft.

Mehr Auskunft gibt die Eigentümerin 2. Victoria GmbH & Co. KG. Die hatte im Herbst 2019 eine Anzeige auf einer Immobilien-Webseite geschaltet, in der sie das Gebäude an der Kaiserstraße 15 zum Verkauf anbietet – für 15 Millionen Euro. In der Anzeige wird das Gebäude mit 4200 Quadratmetern Grundfläche und fünf Stockwerken beziffert.

„Wir würden begrüßen, wenn wieder ein Kino in die Räume an der Kaiserstraße zieht“, sagt Klaus Peter Hampel, Geschäftsführer der Eigentümerin. Um das Gebäude für Interessenten attraktiver zu machen, müssten Investitionen erfolgen, um das Kino auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen – 2000 wurde das Gebäude errichtet. „Dafür sollte der Erbbaurechtsvertrag verlängert werden, der aktuell nur bis 2058 reicht. Einen entsprechenden Antrag haben wir an die Stadt Gütersloh gestellt“, ergänzt Hampel.

Dass der Wert der Immobilie durch den Verlust des Cinestar deutlich sinken könnte, ist gut möglich. Immerhin wird das Gebäude online damit angepriesen, dass die Mietverträge bis 2030 laufen. Durch die Aufgabe des hiesigen Standorts der Kinokette ändert sich diese Perspektive.

Welche Auswirkungen hat der anstehende Cinestar-Verkauf auf den Wettbewerb der Gütersloher Kinoketten? Ganz einfach: Er verschwindet. Zumindest, bis das Gebäude womöglich an einen Mitbewerber veräußert wird. Und was sagt man an der Bogenstraße dazu, dass man jetzt auf einmal allein dasteht? Ulrike Schüler, Vertreterin des Bambi-Kinos: „Es gibt eine geringe Schnittmenge zwischen Multiplex-Besuchern und Menschen, die in unser Kino kommen. Viele Filme, für die Besucher zum Cinestar fahren, zeigen wir nicht.“

Das Konsumverhalten ändere sich statistisch gesehen im Alter von 25 Jahren. Unterhalb dieser Grenze sei der Besuch eines Multiplex-Kinos attraktiv, darüber Programmkinos. In die Multiplex-Kinos gingen die Menschen wegen Blockbustern à la Marvel’s Avengers – nicht so sehr für „Enkel für Anfänger“.

Klar, es gebe Filme, die beide Besuchergruppen vor die Leinwand lockten. Beispiele dafür seien die Hape-Kerkeling-Biografie „Der Junge muss an die frische Luft“ oder die aktuell laufende Buchverfilmung „Die Känguru-Chroniken“. „Insofern kann es sein, dass unsere Besucherzahl leicht steigt“, sagt Schüler. Große Veränderungen erwartet sie nicht. Und die braucht es auch gar nicht. „Uns geht es gut“, ergänzt die Bambi-Vertreterin auf Nachfrage dieser Zeitung.

Bedeutsam ist die Zukunft des Standorts an der Kaiserstraße nicht nur für Kino-Fans. Für die Stadt Gütersloh hat das Gebäude zwischen Bahnhof und Busbahnhof eine zentrale städtebauliche Bedeutung. Bekanntlich hegt die Stadt Pläne, den Busbahnhof auf die andere Seite der Kaiserstraße auf das heutige Postgelände zu verlagern.

Sollten diese Pläne umgesetzt werden und die Stadt das Gelände von Hagedorn erwerben, gälte es, auch den gesamte heutigen Busbahnhof und angrenzende Bereiche zu überplanen. Dabei spielt auch das Cinestar-Gebäude eine Rolle. Zumindest in der Politik ist ein Ankauf nach Informationen dieser Zeitung noch kein Thema gewesen. Das war es bei der Post anfangs auch nicht.

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