Gütersloh
Cantara: Brückenschlag für Wolkenstürmer

Gütersloh (dop) - Über den Wolken muss die Freiheit bekanntlich grenzenlos sein. Aber wehe, man schaut herunter. Wer heute aus einem Wolkenschiff auf die Erde blickt, der erkennt, dass da manches im Argen liegt. Denn Leichtsinn, Dummheit und Gewinnsucht zerstören die Natur. Da muss doch etwas getan werden.

Freitag, 06.03.2020, 09:57 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 11:16 Uhr

 Wie man solch ein sperriges Thema mit viel Charme, offensichtlicher Spiel- und ansteckender Gesangsfreude einem Publikum näherbringt, das hat gestern der Cantara-Kinderchor im Theater Gütersloh gezeigt. 62 Jungen und Mädchen aus 15 Nationen stellten mit großer Begeisterung das ökologische Lehrstück „Florian auf der Wolke“ nach dem gleichnamigen Buch von James Krüss und mit der eingängigen Musik von Erfolgskomponist Christian Bruhn auf der großen Bühne vor.

Hintergrund:
Mit 30 000 Euro fördert die Liz Mohn Musik- und Kulturstiftung seit 2016 das Kinderchorprojekt „Cantara“. Ziel ist das Zusammenwachsen von zugewanderten und ansässigen Kindern. Die Vermittlung elementarer Kulturtechniken in Musik, Theater, Kunst und Spiel hilft dabei, weil sie Begegnungen schafft, Teilhabe ermöglicht und kulturelle Vielfalt erlebbar macht. Das Singspiel „Florian auf der Wolke“ ist nach den bisherigen kurzen Auftritten des Chors in den Schulen oder beim Kinderschutzbund die erste große Bühnenproduktion
In fünf Monaten haben die Kinder aus den Gütersloher Grundschulen Blankenhagen, Kattenstroth und Sundern das ebenso heitere wie mahnende Musical erarbeitet. Die Fäden in der Hand hielten dabei der Bielefelder Theaterpädagoge und Regisseur Canip Gündogdu und Leila Benazzouz. Die gebürtige Syrerin, als Politikwissenschaftlerin in der Bertelsmann Stiftung tätig, ist ausgebildete Chorleiterin. Gemeinsam mit Liz Mohn hatte sie 2016 die Idee zu einem international besetzten Kinderchor. Die beiden engagierten Frauen reagierten damit auf die Flüchtlingswelle, wollten Migrantenkindern helfen, sich in ihrem neuen Leben einzufinden. „Denn Musik“, so betonte Liz Mohn gestern, „ist eine Sprache, die jedes Kind versteht, die hilft, andere näher kennenzulernen. Sie verbindet Menschen überall auf der Welt.“

 Nicht von ungefähr wurde der Chor „Cantara“ genannt, nach dem italienischen Wort für Singen – und dem arabischen für Brücke. Wie gut es sich über diese Brücke gehen lässt, vor allem wenn die musikalischen Eckpfeiler so souverän gestemmt werden wie von den Mitgliedern des Ensembles Vinorosso unter der Leitung von Klarinettist Florian Stubenvoll, war gestern zu erleben.

Ken Alali spielte und sang den Jungen Florian. Er wurde nicht nur von einem tschilpenden Spatz (Öyku Kaplan) samt Schwarm und von munteren Meisen umflattert, sondern lernte auch Fische, die im verschmutzten See leiden, und Seevögel, die aufgrund ölverpesteten Gefieders nicht mehr fliegen können, kennen. Das Leben lehrt: Freud und Leid liegen oft eng beieinander. Der gesungene Schlussappell „Menschen müssen bleiben, doch wir hoffen, dass ihr Treiben in der Zukunft besser sei“, setzt da in Greta-Zeiten das richtige Ausrufezeichen.

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