Gütersloh
Bürgerantrag wegen Waldorfkindergarten

Gütersloh (dl) - Mit Spannung erwartet der Gütersloher Verein Waldorf vor Ort die Baugenehmigung für die Kindertagesstätte im Norden der Stadt. Doch in der Anwohnerschaft gibt es Bedenken: Mit einem Bürgerantrag wollen 31 Beteiligte das Genehmigungsverfahren für die Einrichtung aussetzen lassen.

Samstag, 07.03.2020, 14:00 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 11:16 Uhr

Unter anderem mit diesem Anliegen beschäftigt sich der Hauptausschuss am Montag, 16. März 2020, ab 17 Uhr im Ratssaal. 31 Bewohner der Welplagestraße und des Heckenwegs haben den Antrag an Bürgermeister Henning Schulz unterzeichnet.

Die Bebauung des vorgesehenen Areals sei unrealistisch. „Der angrenzende Schlangenbach steht zeitweise bei viel Niederschlag einschließlich der geplanten Baufläche im Wasser“, heißt es im Bürgerantrag, in dem auch von einem „Wasserloch“ die Rede ist. Zudem sei das Gebiet 1994 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden, was eine Bebauung ausschließe.

Sorgen bereitet den Anwohnern die verkehrliche Situation. „Die Belastung durch den Bring- und Abholverkehr sowie die Umweltbelastung sind unzumutbar“, heißt es in dem Antrag. Der Heckenweg und die Welplagestraße mit einer Breite von jeweils vier Metern seien nur für Anliegerverkehr ausgerichtet. Probleme könnten auch für Rettungs-, Feuerwehr- und Müllfahrzeuge entstehen. Und die geplanten Stellplätze für das Kita-Personal reichten nicht aus.

Des Weiteren führen die Antragsteller Naturschutzaspekte ins Feld. Im angrenzenden Wäldchen seien Fledermäuse und verschiedene Vogelarten zu Hause. Der Schlangenbachwald sei nicht geforstet. Die Bäume seien wegen des feuchten Untergrunds entwurzelt und hingen, halb umgefallen, in den Nachbarbäumen. „Es besteht höchste Unfallgefahr für Personen, die sich im Wald aufhalten“, betonen die Antragsteller.

Am Ende des Schreibens zweifeln die Anwohner den Bedarf einer Kita - fünf Gruppen soll die Einrichtung stark sein - an. 50 Jahre seien vergangen, seit die Stadt die Fläche für einen Kindergarten ausgewiesen habe, heißt es in dem Antrag. Seitdem habe sich viel verändert. „Es ist verwunderlich, dass diese Ausweisung noch Gültigkeit hat“, meinen die Antragsteller.

Die Siedlungsbebauung sei aus den 1950er- und 1960er-Jahren. „Es ist kein Kindergartenbedarf zu erkennen, auch nicht für einen Waldorfkindergarten“, heißt es in dem Schreiben abschließend. Laut Beschlussvorlage der Verwaltung will diese selbst über den Antrag entscheiden.

Susanne Zimmermann, Pressesprecherin der Stadt Gütersloh, teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit, dass die Fläche nicht im Überschwemmungsgebiet liege. Der Bauantrag sei gestellt und befinde sich im Verfahren. Aus verkehrstechnischer Sicht seien keine grundsätzlichen Bedenken bezüglich der Erschließung vorgebracht worden. Und einen Bedarf an weiteren Kita-Plätzen gebe es auf jeden Fall, wie jüngst im Jugendhilfeausschuss berichtet.

Auf ein freundschaftliches Nebeneinander setzt der Verein Waldorf vor Ort, der vom Jugendamt die Betriebserlaubnis für den Kindergarten erhalten hat. Dies unterstreicht Vorstandsmitglied Heike Metz auf Anfrage.

„Es ist unser Interesse, uns den Anwohnern zu gegebener Zeit persönlich vorzustellen, unser Konzept zu erläutern und ihre Sorgen zu hören“, äußert sie im Namen des Vorstands Verständnis für die Antragsteller. Schließlich sei die Bebauung eine einschneidende Veränderung. Sicher sei es möglich, im nachbarschaftlichen Einvernehmen Lösungen zu finden, die die Belastung durch den Neubau in Grenzen hielten.

Metz erläutert, dass bevorzugt Kinder aus der näheren Umgebung aufgenommen werden sollen. „Ein fußläufiges Ankommen ist erwünscht“, sagt sie. Am Surenhofsweg befänden sich ausreichend Parkmöglichkeiten für Eltern und Personal. Die Stellplätze direkt an der Einrichtung seien für Eltern mit Kleinstkindern frei zu halten.

„Es wäre uns eine Freude, wenn im Laufe der Zeit eine freundschaftliche Akzeptanz entstehen und Familien geholfen werden könnte, die dringend auf einen Kindergartenplatz warten“, schließt Metz.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7318330?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Hitler-Parodie auf Handy: Polizistin zu Unrecht beurlaubt
„Weihnachten mit Hitler“ heißt die Parodie, von der ein Polizist einen Screenshot verschickt haben soll. Foto: Youtube Foto:
Nachrichten-Ticker