Gütersloh
Was der Fachbereich für die Kitas macht

Gütersloh (sib) - Seit Februar hat die Stadt Gütersloh den neuen Fachbereich Tagesbetreuung für Kinder. Der ist so frisch, dass er noch nicht einmal auf der Internetseite der Verwaltung gesondert aufgeführt wird. Was die Aufgaben des Fachbereichs sind, erklärt sein Leiter Guido Bolz.

Dienstag, 03.03.2020, 19:11 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 19:46 Uhr

Warum braucht es überhaupt einen neuen Fachbereich? Bislang war die Betreuung der Bereiche Kindertagesstätte und Tagespflege in den Fachbereich Schule und Jugend integriert. Hat das nicht gereicht? Bolz: „Damit wollen wir der zunehmenden Nachfrage nach Kita-Plätzen Rechnung tragen. Und – das ganz besonders – die hohe Qualität in den 22 Tageseinrichtungen in städtischer Hand mindestens aufrechterhalten, bestens aber steigern.“

Das habe bislang gut geklappt. Aber mit steigender Anfrage müsse sich eben auch das Angebot wandeln. Konkret greifen Fachbereichsleiter Guido Bolz und die rund 480 Mitarbeiter den städtischen Kindertagesstätten sowie denen, die von freien Trägern oder Elterninitiativen geleitet werden, unter die Arme. Sie beraten etwa in der Finanzierung, helfen den Einrichtungen, Zuschüsse zu beantragen und die damit zusammenhängenden Regelungen zu berücksichtigen.

Denn: „Die Finanzierung von Kindertagesstätten ist komplex, wird von drei Parteien geregelt. Bund und Land übernehmen einen Teil, das Jugendamt einen weiteren. Der Rest kommt über die Elternbeiträge herein“, erläutert Guido Bolz. Bezahlt werden damit vornehmlich die Betreuungsfachkräfte – und zwar zu einem möglichst einheitlichen Satz.

„Qualifiziertes Personal zu finden und zu schaffen ist eine der größten Herausforderungen. Deswegen finanzieren wir als Stadt ein Fortbildungsprogramm für unsere Erzieherinnen“, so Bolz.

Apropos Erzieherinnen: In den Bereichen Kindertagespflege und Kinderbetreuung ist immer wieder von der weiblichen Form die Rede. Wie sieht es aus mit dem männlichen Personal? „Es ist schon richtig, dass der überwiegende Anteil des Personals Frauen sind“, erläutert der städtische Sozialdezernent Henning Matthes. „Aber wir haben ein großes Interesse daran, männliche Mitarbeiter zu gewinnen. In den vergangenen Jahren sind es schon mehr geworden.“ Das habe selbstverständlich nichts mit einem Vergleich zu tun oder damit, dass jemand seinen oder ihren Job besser mache. Eher gehe es um die Entwicklung der Kinder, denn: „Für die Orientierung brauchen Kinder beides“, sagt Matthes.

Die Entwicklung von Jungen laufe eben anders ab als die von Mädchen. Die Kinder müssten zumindest die Wahl haben, was ihre Bezugsperson angehe – sowohl in Bezug auf das Geschlecht als auch auf den Charakter. „Größtmögliche Diversität ist ein wichtiger Teil von Qualitätsentwicklung“, sagt Matthes und benennt damit eines der zentralen Ziele, die sich der Fachbereich Tagesbetreuung auf die Fahnen geschrieben hat.

Raum für weitere Kita fehlt

Zudem gibt es Einiges zu organisieren: 98 Prozent der Kita-Plätze im Ü3-Bereich seien im vergangenen Kindergartenjahr belegt gewesen, so Bolz. Daher geht der Experte davon aus, dass für das kommende Kindergartenjahr 125 Plätze fehlen. Raum, um diese Kinder unterzubringen, ist derzeit nicht in Sicht. „Aber wenn jemand 3000 Quadratmeter übrig hat, darf er sich gern melden“, sagt sein Kollege Henning Matthes. Das Ganze wird auch in der Politik thematisiert. So soll der Jugendhilfeausschuss in seiner Sitzung am morgigen Donnerstag (17 Uhr, Ratssaal) die Verwaltung beauftragen, im Rahmen der Bedarfsplanung für das Kindergartenjahr 2020 „weitere geeignete Standorte für die Errichtung von Kindertageseinrichtungen zu suchen“.

Dass der Fachbereich Tagesbetreuung seine Daseinsberechtigung hat, da sind sich beide mehr als einig. Denn die gesteigerten Anforderungen an Kindertagesstätten und Tagespflege seien Folge einer gesellschaftlichen Entwicklung, die noch längst nicht abgeschlossen sei.

„Die Menschen kehren immer früher in den Beruf zurück und schicken damit auch ihre Kinder – teils in einem Alter von unter einem Jahr – früher in den Kindergarten“, erklärt Henning Matthes. Eine erhöhte Zuwanderungsrate von Familien, viele davon aus Osteuropa und oft mit kleinen Kindern, stelle eine weitere Herausforderung dar, der Bolz mit seinem Fachbereich Herr werden müsse.

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