Gütersloh
Was Gütersloher Christdemokraten sagen

Gütersloh (din) - Bislang sind es vor allem die Sozialdemokraten gewesen, die sorgenvoll in Richtung ihrer Berliner Parteizentrale geblickt haben. Nach dem Verzicht ihrer Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer auf Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz fragen sich nun auch die Gütersloher Christdemokraten, wie es in Berlin weitergeht.

Dienstag, 11.02.2020, 11:18 Uhr

 „Ich habe Respekt vor der Entscheidung. Sie ist konsequent“, sagte der Stadtverbandsvorsitzende Ischo Can am Dienstag der „Glocke“. „Den Zeitpunkt halte ich für falsch“, erklärte der Vorsitzende und verwies auf den Auslöser in Thüringen. „Ich hätte es anders gemacht.“ Erst hätte aus seiner Sicht in Thüringen eine Lösung herbeigeführt werden müssen, dann hätte Kramp-Karrenbauer immer noch ihren Verzicht erklären können.

Ischo Can führt seit 2019 den Stadtverband der CDU Gütersloh. Er äußert Respekt.

Er könne den Schritt zwar nachvollziehen, aber er hätte sich mehr Ruhe gewünscht, so Can, der voriges Jahr zum Vorsitzenden des noch 585 Mitglieder starken Stadtverbands gewählt worden war. „Sie hat sich befreit und keinen Druck mehr. Es gab viele kritische Stimmen.“ Er sei auch „nicht der große Fan“ der Vorsitzenden gewesen. Der Druck liege jetzt bei den anderen. Mit der Klärung des Parteivorsitzes dürfe man nicht zu lange warten, das müsse zügig passieren, so Can.

Die Entwicklung in Berlin mache die politische Arbeit vor Ort „nicht leichter“. Er hätte sich „mehr Ruhe gewünscht“. „Der Stadtverband ist sehr homogen aufgestellt“, betonte Can. „Es gibt eine klare Abgrenzung von der AfD und von den Linken. Der Stadtverband in Gütersloh ist stark in der Mitte verankert.“ Wenn die politischen Ränder eine Machtbasis bekämen, würden die Folgen auch für die Bürger spürbar werden.

Die CDU leiste in der Stadt und im Kreis eine gute Arbeit. Aber die Stimmung sei „besorgt“. Einen Favoriten für den Parteivorsitz hat Can nicht, wohl aber die Gewissheit: „In Thüringen haben alle Parteien Fehler gemacht.“

„Respekt für die Entscheidung“

„Ich kann den Schritt nachvollziehen, weil die Amtsführung schon unter unglücklichen Vorzeichen gestanden hat“, sagte der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Heiner Kollmeyer. Kramp-Karrenbauer sei in das eine oder andere Fettnäpfchen getreten wie beim Rezo-Video im Internet. Thüringen habe schließlich ein Stück weit zum Autoritätsverlust geführt. Vor dem Hintergrund dieses Drucks habe er volles Verständnis für die Entscheidung, halte sie aber gleichwohl für „bedauerlich, auch vom Zeitpunkt her“. Es bedürfe nun schnell einer Antwort, wer die Partei führen könne. „Bis Dezember kann man damit nicht warten. Das muss früher geklärt werden in den nächsten Wochen und Monaten“, sagte Kollmeyer. Zum einem leide darunter die Sacharbeit. Zum anderen bestehe die Gefahr, die Hoheit über die Diskussion zu verlieren. Andere könnten reinreden und kommentieren.

Heiner Kollmeyer leitet die Fraktion im Gütersloher Stadtrat.

„In Frage kommt für mich auf jeden Fall Armin Laschet, weil der einen super Job macht“, sagte Heiner Kollmeyer. In NRW und auch bei den Grünen genieße der Ministerpräsident hohes Ansehen. Außerdem sei er „deutlich geschmeidiger als Friedrich Merz“, der mehr polarisiere. Jens Spahn sei noch jung. Er gehe davon aus, dass Parteivorsitz und Kandidatur wieder zusammengeführt würden, sagte der Fraktionsvorsitzende. Vorstellen könne er sich auch, dass der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther auf lange Sicht eine stärkere Rolle in der CDU spielen könnte.

Der Auslöser für Kramp-Karrenbauers Entscheidung habe auch Auswirkungen auch Gütersloh, „weil wir uns mit der AfD beschäftigen müssen“, so Kollmeyer, wenn sie es denn bei der Kommunalwahl in den Rat schaffe. Schon vorher müsse man sich inhaltlich und sachlich mit ihr auseinandersetzen.

Kollmeyer abschließend zu Kramp-Karrenbauer: „Ich habe Respekt vor ihrer Entscheidung. Sie hatte von Anfang an keinen leichten Start.“

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