Gütersloh Kulturforum zeigt, was machbar ist

Gütersloh (wh) - Wenn über Kultur diskutiert werden soll, muss auch Kultur angeboten werden. Die Mischung von Impulsreferaten und Netzwerkaustausch, angereichert mit Musik, bot am Montag den idealen Rahmen, in dem sich beim zweiten Kulturforum offen über die Zukunft von Kultur in Gütersloh nachdenken ließ.

Von Anonymous User

 Gut 80 Kulturmacher hörten in der Stadtbibliothek Impulsreferate von der Neuropsychologin Johanna Kißler, dem Urbanisten David Kory und Birgit Laskowski, die für das Regiopole-Projekt der Städte Herford, Bielefeld und Gütersloh die Kunst im öffentlichen Raum untersucht. Es galt, der heimischen Kulturlandschaft den aktuellen Stand der seit knapp fünf Jahren betriebenen Kulturentwicklungsplanung (KEP) zu vermitteln, Impulse von außen aufzunehmen und auf die Arbeitsschwerpunkte der nächsten Monate – Erinnerungskultur, Kulturelle Bildung, Kunst im öffentlichen Raum – einzustimmen.

 „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Mit diesem Satz von Karl Valentin bilanzierte Birgit Laskowski die Größe der Aufgabe, der sich die Stadt stellt. „Aber andere haben auch klein angefangen,“ machte Bürgermeister Henning Schulz (CDU) den Beteiligten Mut, neue Möglichkeitsräume im Spannungsfeld zwischen mehreren richtigen Sichtweisen und individuellem Gestaltungswillen zu schaffen. So wie der Verein „Die Urbanisten“ mit seinem „Urban Art Bingo“ dazu anregte, die Kunstwerke, Streetart und Baukultur in der Stadt aktiv entdecken zu lassen. Oder Johanna Kißler in ihren Gedanken über das „Gedächtnis“ aufzeigte, dass unsere Erinnerungen nicht die Wirklichkeit abbilden, sondern der Rekonstruktion bedürfen. Deshalb solle Erinnerungskultur auf den Fakten der Stadtgeschichte aufbauen, aber mit Kultur lebendig gemacht und erhalten werden.

Auf neugieriges Interesse stieß Birgit Laskowski, die der Öffentlichkeit erstmals ihre Gedanken für das beginnende Regiopole-Projekt vorstellte. Wahrnehmung und Wertschätzung von Kunst – auf etwa 500 Objekte in allen drei Städten schätzt sie den Bestand öffentlich zugänglicher Objekte – könne den Stadtraum erheblich bereichern. Durch kompetente Informationsangebote an Bürger und Touristen ließen sich Schwellenängste abbauen und neue Identifikationsmöglichkeiten schaffen. Für Gütersloh schlägt sie deshalb vor, den Botanischen Garten mit weiterer zeitgenössischer Kunst zu bestücken, das als zu trist empfundene Stadtzentrum mit Kunst zu beleben und repräsentative Figuren in den Empfangszonen der Stadt wie am Rathaus oder am Bahnhof aufzustellen.

Ausgezeichnetes Konzept

 Kommunen, die an der Vernetzung von Einrichtungen und Künstlern arbeiten, um die Qualität ihrer Bildungsangebote zu verbessern und Kindern dauerhaft Zugang zur kulturellen Bildung zu ermöglichen, zeichnet das Land NRW aus. Gütersloh erhielt für sein entsprechendes Konzept 15 000 Euro. In dessen Zentrum steht die Kulturstreetworkerin, die alle im kulturellen Bereich arbeitenden Ansprechpartner vernetzt. Sie trägt dazu bei, dass nun auch Kitas und Schulen mit kulturellen Angeboten kooperieren.

Krimifestival kommt nach Gütersloh

Im Frühjahr 2022 soll das facettenreiche Krimifestival samt Autorenkongress erstmals in Gütersloh stattfinden. 300 Gäste werden erwartet. Die Criminale gilt als Pflichttermin für Autoren, Fachbesucher aus Verlagen und Buchhandlungen, Agenten, Kritiker, Blogger und für das interessierte Krimipublikum. Seit mehr als 30 Jahren bietet dieses Event eine Plattform für intensiven Austausch, Fortbildung und mit der großen Krimipreis-Gala auch Anlass zum Feiern.

Stadtgeschichte wird fortgeschrieben

Professor Dr. Malte Thießen, Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte in Münster, nahm als Gast am zweiten Kulturforum teil. Andreas Kimpel, Beigeordneter für Kultur und Weiterbildung, bestätigte auf Nachfrage der „Glocke“, dass er mit Thießen und dem Landschaftsverband über die Fortschreibung der Gütersloher Stadtgeschichte im Gespräch sei und dem Kulturausschuss am 30. März dazu entsprechende Vorschläge machen werde. Die vervollständigte Stadtgeschichte soll im Jubiläumsjahr 2025 erscheinen.

Europäisches Kulturprofil schärfen

Das Profil für eine europäische Kulturarbeit entwickelt derzeit der Fachbereich Kultur – gemeinsam mit den Partnerstädten Grudziacz, Chateauroux und Falun. Ziel ist es, das Bewusstsein für die europäische Kulturlandschaft zu stärken und ein solides Kulturstädte-Netzwerk außerhalb der Kulturhauptstädte aufzubauen.

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