Gütersloh
Schnitzlers „Anatol“ an der Waldorfschule

Gütersloh (dop) - Für Verliebte hängt der Himmel bekanntlich voller Geigen. Nicht so für Anatol. Über ihm baumeln nur noch einige BHs, Sinnbilder für die längst zur Ware verkommenen Liebe. Denn Anatol, dieser jugendlich-dynamische Melancholiker aus Arthur Schnitzlers Feder, ist auf dem Ego-Trip.

Mittwoch, 12.02.2020, 17:32 Uhr

 Seine Erwartungen an das Leben sind gigantisch. Scheitern ist da vorprogrammiert.

Wie man Schnitzlers eitlen Wiener Fin-de-Siècle-Protagonisten in die schöne neue Welt der Elite-Partner fürs zeitgemäße Parshippen transportiert, zeigt die Jahrgangsstufe zwölf der Gütersloher Waldorfschule mit ihrer Version des Einakter-

Premiere:

  Donnerstag, 13. Februar, 20 Uhr, Aula der Waldorfschule in Friedrichsdorf, Hermann-Rothert-Straße 7

Weitere Aufführungen:

  Freitag und Samstag, 14. und 15. Februar, 20 Uhr,

Sonntag, 16. Februar, 17 Uhr.

Einlass und Büfett jeweils eine Stunde vorher.

Eintritt:

Der Eintritt ist frei. Um eine Spende für weitere Theaterprojekte wird gebeten.

Zyklus. An diesem Donnerstag, 13. Februar, öffnet sich dafür um 20 Uhr der Premierenvorhang in der Schulaula. Interessenten auch außerhalb der Schulgemeinschaft sind willkommen. 

In acht statt der originalen sieben Szenen blättern die ambitioniert und beeindruckend selbstbewusst aufspielenden 22 Jugendlichen unter der versierten Regie von Deutschlehrer Oliver Manthey das Streben und vor allem das Versagen Anatols auf. Er träumt zwar von der großen romantischen Liebe, wie man sie im 19. Jahrhundert pries, als jeder Kuss noch etwas Sensationelles hatte. Doch im Umgang mit den Frauen ist er lediglich Konsument. Hauptsache Happening und Entertainment. Was bedeuten schon Versprechen oder Treue? Da ist der Frauenheld ganz ein Kind der heutigen Zeit: Es gilt in jeder Beziehung den größtmöglichen Profit für sich selbst abzusahnen.

Welch psychologischen Druck es aber auf den Menschen ausübt, immer zu den Schönsten, Besten und Erfolgreichsten zu gehören, zu welchen Ängsten und Abstürzen das führen kann – auch das wissen die Schüler mit Bravour und spitzfindigem Humor darzustellen.

 Lennart Hellmeier und Florens Stickling spielen alternierend den Anatol, der nicht nur in einem Alptraum erfährt, wie es ist, wenn man(n) seinen Marktwert verliert. Nicht mal mehr als Sonderangebot der Marke „Frauenversteher mit ABS (Alltagsbeziehungs-Sicherheit) und Streichelautomatik“ findet er noch eine Abnehmerin. Der vermeintliche Superlover wird zum Ladenhüter.

Samuel Tigges gibt kumpelhaft-mahnend Anatols besten Freund Maximilian. Luis Kaspari ist überaus wortgewandt und überzeugend als Verkäufer und Trauzeuge. Mila Hübner, Melissa Menzel und Julide Yildirimla geben im Glitter-Flitter-Look gekonnt die unterschiedlichen Frauentypen. Lilli Jurascheck und Hanna Anstötz spielen abwechselnd die Annabelle, Anatols Schwarm. Bei den Abschlussproben am Dienstag zeigte Letztere, das man(n) die Geister, die man ruft, nicht immer los wird.

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